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Dem Lädelisterben Paroli bieten

Michael Steiner, Metzger in Räterschen, beschreitet mit seinem Ladenkonzept neue Wege. Seit dieser Woche kann man sich in der Metzgerei selber bedienen.

Lokale Spezialitäten gibt es bei Michael Steiner auch mit neuem Ladenkonzept unverändert.
Lokale Spezialitäten gibt es bei Michael Steiner auch mit neuem Ladenkonzept unverändert.
Madeleine Schoder

«Äxgüsi, haben Sie geöffnet?» fragt eine Dame gesetzteren Alters bei Eintritt ins Ladenlokal. Michael Steiner, seit 17 Jahren Inhaber der Metzgerei Steiner in Räterschen, wendet sich seiner Kundin zu. In aller Ruhe erklärt er der Frau sein neues Konzept. Seit Dienstag ist der Laden wieder in Betrieb. «Eigentlich erhält der Kunde noch dieselben Waren aus der Region wie früher», sagt Steiner. Doch gebe es neu das Brot, den Käse, Fleisch und Fisch nur auf Bestellung. Die alte, klassische Metzgerei musste einem neuen Konzept mit Selbstbedienung und Selbstbezahlung weichen. «Bin ich selber anwesend, werde ich die Kunden weiterhin persönlich bedienen. Bin ich ausser Haus, stehen neu ein Kässeli, Wechselgeld und ein Taschenrechner bereit.» Vorbestellungen hinterlegt Steiner im eigens dafür bereitgestellten Kühler mit Namen der betreffenden Kunden.

200 Metzgereien jährlich

Ende August musste er den klassischen Betrieb schliessen. Seine letzte Charcuterieverkäuferin hatte die Stelle gekündigt. «Es ist schwierig, gutes Personal zu finden», sagt Steiner. Ausserdem kamen stets weniger Kunden. Bis zu sechs Vollzeitangestellte beschäftigte er während seinen umsatzstärksten Zeiten. Heute sind die Angestellten nur noch temporär im Einsatz. «Es gab Jahre, in denen bis zu 200 Metzgereien in der Schweiz schliessen mussten.» Ein grosser Teil der Konsumenten kaufe Alltägliches mittlerweile bei Grossverteilern ein. Sie ziehe es nur für besondere Anlässe oder wegen speziellen Produkten in kleine Läden. Steiner wollte dem Lädelisterben Paroli bieten. Mit dem neuen Konzept kommt er sowohl den Bedürfnissen seines Kundenstamms als auch seinen eigenen nach. Die Metzgerei hat dienstags bis samstags täglich von acht bis zwanzig Uhr geöffnet. «Und ich selber muss dabei nicht immer anwesend sein.» Das Sortiment besteht hauptsächlich aus lokalen Produkten. Vom Fleisch über Winzerfondue bis zum Gemüse gibt es fast alles. Noch sieht die Einrichtung etwas provisorisch aus. Eine neu eingerichtete Kaffeebar lädt aber zum Verweilen ein.

Keine Angst vor Dieben

Mit Ursula Forrer betritt eine zweite Stammkundin das Geschäft. Auch sie war von der plötzlichen Schliessung Ende August überrascht worden. Erst einmal sei es vorgekommen, dass sie hier vor verschlossener Türe stand. Das war am Tage von Steiners Hochzeit. «Wir lieben doch unsere Metzg und würden sie schon sehr vermissen», sagt Forrer. Das neue Konzept sei zwar ein bisschen gewöhnungsbedürftig, werde aber schon gut kommen. Michael Steiner will denn einen Umfragebogen entwickeln, um so sein Selbstbedienungskonzept zu optimieren. Angst vor Langfingern hat Steiner nicht. Demnächst wird er eine Kamera installieren, welche ihm per Handy meldet, wenn jemand den Laden betritt. Sowieso hegt er grosses Vertrauen in die lokale Bevölkerung. «Man kennt sich hier.» immer noch ein Würstli

Eigentlich ist Steiner fast froh, dass sich die Neueröffnung noch nicht zu sehr rumgesprochen hat. Er ist zuversichtlich, dass sich das neue Konzept einspielt. Ab jetzt wird er es laufend anpassen. Und ganz verzichten müsse man auf ihn ja nicht: bei Anwesenheit wird er weiterhin gerne bedienen und das Würstli fürs Kind, wie an diesem morgen bei der dritten Kundin zu sehen, gibt es immer noch.

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