Endlager

Den Atomzügen droht ein Nadelöhr

Würde das Endlager im Weinland gebaut, könnte es eng werden auf der Bahnlinie zwischen Winterthur und Marthalen.

Die Bahnlinie Winterthur-Schaffhausen hat über weite Strecken nur ein Gleis, hier in Wülflingen.

Die Bahnlinie Winterthur-Schaffhausen hat über weite Strecken nur ein Gleis, hier in Wülflingen. Bild: Heinz Diener

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In den Stosszeiten muss die S-Bahn in Hettlingen manchmal warten, um dort mit einem entgegenkommenden, verspäteten Zug aus Winterthur zu kreuzen. Der Grund: Die Bahnlinie Winterthur-Schaffhausen hat meist nur ein Gleis. Bloss zwischen Hettlingen und Henggart, bei Marthalen, zwischen Neuhausen und Schaffhausen sowie bei den Bahnhöfen ist sie zweigleisig.

Bereits in einem kantonsrätlichen Postulat von 2002 war von der «Kapazitätsgrenze» auf der Linie Winterthur-Schaffhausen die Rede. Und wohlgemerkt: Die Zahl der Züge auf dieser Strecke war damals noch deutlich kleiner, so verkehrte die S33 erst stündlich, heute jede halbe Stunde.

SBB kann noch nicht planen

Ausgebrochenes Gestein aus den Tunneln, Stollen und Kavernen des Endlagers, Baumaterial, Endlagerbehälter, die radioaktiven Abfälle oder das Material für den Verschluss des Lagers: Falls das Endlager im Weinland gebaut wird, würde all dieses Material hauptsächlich per Bahn transportiert – auf der grösstenteils eingleisigen Strecke zwischen Winterthur und Marthalen, wo das «Tor zum Endlager» läge. Doch hat die Bahnstrecke überhaupt die Kapazität, all dies zu transportieren? Das möchten auch die SBB wissen. In der dritten und letzten Etappe der Standortsuche für ein Endlager, die 2019 beginnt, sollen die Folgen der zusätzlichen Fahrten auf den Fahrplan abgeklärt werden, beantragen die SBB.

Die beim Bau des Endlagers zu erwartende Menge Aushubmaterial sei zwar bekannt, sagt SBB-Sprecher Oliver Dischoe. Nicht bekannt seien aber «wesentliche Eckpunkte» wie etwa Beginn und Ende der Transportstrecken oder die Zeitpunkte der Transporte. Müssen einzelne Strecken oder Eisenbahnknoten ausgebaut und die Sicherheitsstandards erhöht werden? Auch auf solche Fragen erwarten die SBB Antworten in der dritten Etappe. Laut den Bundesbahnen wäre es ausserdem sinnvoll, die Folgen von möglichen äusseren Störungen auf den Bahntransport frühzeitig zu analysieren.

Zehn Jahre Bauzeit

Nördlich Lägern, Aargauer Bözberg oder Zürcher Weinland? Bereits in gut zwei Jahren will die Nagra sagen, wo sie das Endlager bauen möchte. Im Jahr 2030 etwa entscheidet das Bundesparlament, eventuell kommt es noch zu einer Volksabstimmung. Schon zwei Jahre später würden die ersten Bauarbeiten beginnen. Der eigentliche Bau des Lagers für hochradioaktive Abfälle würde 10 Jahre dauern, von 2049 bis 2059. Von 2060 bis 2074 würden die hochradioaktiven Abfälle eingelagert. Danach folgt eine rund 50-jährige Beobachtungsphase. Etwa ab dem Jahr 2125 würde das Lager verschlossen.

Für all diese Phasen des Baus, Betriebs und Verschlusses des Endlagers sind Transporte per Bahn nötig. Die Nagra hat dazu Richtwerte publiziert, die allerdings nicht auf einen Blick erfassbar sind. So sind die Transporte auf verschiedene Zeitabschnitte und Materialarten aufgeteilt. Auch wird unter einem Bahntransport die Hin- und Rückfahrt eines Zuges verstanden, sodass ein Transport zwei Fahrten entspricht. Zudem kann die Anzahl Transporte je nach Bauphase zwei- bis dreimal höher sein als der angegebene jährliche Durchschnittswert. Und schliesslich: Wenn das Aushubmaterial vom Bau des Endlagers per Förderband in leere Kiesgruben transportiert werden kann, verringert sich natürlich die Zahl der Transporte per Bahn. Im Raum Marthalen-Rheinau gäbe es einige Kiesgruben. Doch werden diese bis zum Bau des Endlagers offen gehalten? Auch diese Frage ist noch nicht beantwortet.

Drei Atomzüge pro Woche

Die Auswertung der Zahlen der Nagra zeigt folgendes Bild: Während des Baus des Kombilagers gäbe es gut 2,5 Zugfahrten pro Tag während rund 27 Jahren (2032 bis 2059). Transporte mit radioaktiven Abfällen gäbe es ab Inbetriebnahme des Endlagers etwa 3 Stück pro Woche während rund 15 Jahren (2060 bis 2074). Dazu gehören 5 bis 9 Zugfahrten pro Jahr mit hochradioaktiven Abfällen, also Castortransporte. Während des Betriebs und des Verschlusses des Lagers (2060 bis 2126) listet die Nagra viele weitere, nicht atomare Transporte auf – rund 1290 Transporte pro Jahr insgesamt, was 7 Zugfahrten pro Tag entspricht.

(Der Landbote)

Erstellt: 28.05.2018, 17:19 Uhr

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