Konzert

Den Weg durch den Wald finden

Warme Farben prägen «Damned Devotion» von Joan Wasser. Das verspielte, teils traumartige Album der Musikerin, die unter dem Namen Joan As Police Woman auftritt, zählt zu den besten Popalben des Jahres. Morgen spielt sie im Salzhaus.

Die Musik von Joan Wasser aka Joan As Police Woman ist komplex und eingängig zugleich.

Die Musik von Joan Wasser aka Joan As Police Woman ist komplex und eingängig zugleich. Bild: Allison Michael Orenstein

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Einige Songs auf dem Album «Damned Devotion» handeln von komplexen Gefühlslagen, es geht um Fragen der Identität und ähnliche Dinge. Wieschreiben Sie Ihre Songs? Wanndenken Sie, daraus möchte ich einen Song machen?
Joan Wasser: Eine grosse Frage. Wenn mich etwas beschäftigt, schreibe ich einen Song darüber. Wenn mich etwas stört, wenn ich etwas zu verstehen versuche oder wenn mich etwas besetzt hält. Es ist für mich der beste Weg, damit umzugehen. Oft finde ich so heraus, wie ich mich fühle. Indem ich einen Song schreibe, kann ich mir Klarheit verschaffen.

Wann wird daraus ein guter Song?
Es wird ein guter Song, wenn ich mich dazu entscheide, ihn meiner Band vorzustellen. Ich würde nie etwas bringen, das nicht für die Tour taugt. Ich würde mir nicht erlauben, die Zeit der Leute damit zu verschwenden.

Ich habe den Eindruck, Sie sind eine Perfektionistin. Wie finden Sie die Klänge? Es muss ein langer Prozess sein, Sie mögen es, zu experimentieren. Wiearbeiten Sie damit? Probieren Sie einfach Dinge aus oderhaben Sie zu Beginn eine Vision?
Jedesmal, wenn ich einen Song schreibe, nähere ich mich ihm, als wäre es das erste Mal. Ich habe keine Vorlage dafür und ich mache keine Skizze, wie der Song werden soll. Es kann sein, dass ich denke, er sollte klingen wie «Free Man in Paris» von Joni Mitchell, aber das Resultat wird dann nie so sein. Ich folge also gewissermassen dem Song. Ich experimentiere viel, die Sachen, die sich richtig anfühlen, behalte ich. Ich überarbeite den Song immer wieder. Es ist wirklich so, wie wenn man einen Weg durch den Wald sucht. Der Weg ist gewunden, und manchmal muss man an den Anfang zurückkehren.

Durchlaufen Sie diesen Prozess allein oder mit den Musikern Ihrer Band?
Ich arbeite oft mit Parker Kindred zusammen, meinem langjährigen Schlagzeuger. Ich spiele ihm meine Version vor, noch ohne Drums, und wir arbeiten zusammen etwas aus. Er ist wirklich ein sehr begabter Musiker, und ich liebe das, was er macht. Selbst wenn ich eine Idee habe von dem, was ich will, mache ich meist den Song nicht fertig, weil ich zuerst Parkers Meinung dazu hören möchte. So ist es normalerweise. Manchmal komme ich aber auch mit einer kompletten Demoversion.

Über Ihr neues Album war zulesen, es sei eine Rückkehr zu Ihren ersten Platten «Real Life» und «To Survive». Sehen Sie das auch so?
Das finden andere – denke ich das auch? Ich weiss nicht! Ich denke nicht gross in dieser Art über meine Alben nach, aber ich glaube zu verstehen, was die Leute meinen. Auf allen drei Alben ist der Sound auf das Wesentliche reduziert. Davon abgesehen, sind sie ganz verschieden.

Der Song «Steed» ist demfranzösischen Schriftsteller Jean Genet gewidmet. Was bedeutet Ihnen sein Werk?
Ich habe seine Bücher vor einigen Jahren gelesen. Er hatte keine Angst, für die Freiheit der Rede einzustehen, er ist für mich ein Symbol der Freiheit. In dieser Zeit kann man diese Freiheit in der Öffentlichkeit nicht oft genug propagieren. Die Menschen müssen sie ergreifen und ausüben.

Wie spielen Sie die Songs auf der Bühne? Möglichst ähnlich wie auf dem Album? Odersuchen Sie nach neuenInterpretationen?
Ich habe Musiker an meiner Seite, die sehr gut sind im Improvisieren. Wir starten mit dem Original, aber ich gebe der Band viel Freiheit. Sie sollen etwas Eigenes daraus machen. Je mehr Konzerte wir auf der Tour geben, desto mehr revidieren wir die Songs, wechseln Akkorde aus, nehmen da etwas weg, fügen dort etwas hinzu. Dadurch bleiben die Songs frisch.

Erstellt: 11.11.2018, 16:52 Uhr

Konzert

Dienstag, 19 Uhr, Salzhaus,Untere Vogelsangstrasse 3.

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