Winterthur

Der Anteil an Chefinnen bei der Stadt sinkt erneut

Statt der gewünschten Zunahme verzeichnet die Stadt einen Rückgang beim Frauenanteil im Verwaltungs-Kader. Das gehe «in die komplett falsche Richtung», sagt eine Kritikerin.

Im Superblock arbeiten zu 61 Prozent Frauen, doch im Kader sind sie nur schlecht vertreten. Foto: Johanna Bossart

Im Superblock arbeiten zu 61 Prozent Frauen, doch im Kader sind sie nur schlecht vertreten. Foto: Johanna Bossart

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Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) ist überzeugt: Winterthur macht vorwärts bei der Erhöhung des Frauenanteils im Verwaltungs-Kader. «Unsere Diversity Management-Fachfrau klärt aktuell mit jedem Departement die Zielvorgaben und das jeweilige Potential ab», berichtet Künzle. Der Aktivismus des Stadtrats ist indes auch einem Auftrag des Stadtparlaments geschuldet. Dieses forderte im Februar verbindlich Massnahmen ein, um den Frauenanteil zu erhöhen. Eine Quote von 35 Prozent war eine der Forderungen.

Mitten hinein in die Umsetzung platzt nun der neueste Bericht des städtischen Personalcontrollings, mit schlechten News für den Stadtrat. Der Frauenanteil bei allen Führungsstufen fiel von 34,2 Prozent im Jahr 2014 auf aktuell 32,4 Prozent. Auch gesonderte Betrachtungen, beispielsweise des obersten Kaders, zeigen eine Rückläufigkeit. Hier gibt Künzle allerdings zu bedenken, dass einzelne Stellenwechsel grosse prozentuale Auswirkungen haben können.

Teilzeit und anderes

Die Zahlen sind immer vor dem Hintergrund zu lesen, dass in der gesamten Verwaltung eigentlich viel mehr Frauen als Männer arbeiten – 61 zu 39 Prozent beträgt das Verhältnis.

Auf Anfrage verwies Michael Künzle gestern auf ohnehin geplante Massnahmen, die spätestens im Sommer 2020 vorgestellt werden. «Wie bereits bekannt, besteht bei Teilzeitstellen im Kader ein gewisses Potential, auch wenn dieses nicht unbegrenzt ist», sagt Künzle. Weitere Details kann er noch nicht nennen.

Konsternierte Kritikerin

Die Grünliberale Katrin Cometta, die im Februar die Motion an den Stadtrat auslöste und heute im Kantonsrat sitzt, ist «sehr gespannt» auf diese Massnahmen. Die aktuelle Entwicklung führe komplett in die falsche Richtung, findet Cometta. Sie sei «konsterniert» angesichts der neuesten Zahlen. «Das zeigt, dass sich eine angemessene Vertretung der Frauen nicht einfach so ergibt.»

Diesen Befund stützt ein Vergleich der Städte Winterthur und Zürich. Im Gegensatz zu Winterthur leitete Zürich bereits 2015 Massnahmen ein zur Stärkung des untervertretenen Geschlechts in den Kaderstufen der Stadtverwaltung, ebenfalls mit einer Zielvorgabe von 35 Prozent, die damals aber praktisch schon erreicht war. Mittlerweile beträgt der Frauenanteil in der Zürcher Stadtverwaltung über alle Kaderstufen hinweg 39 Prozent, grossen weiblichen Zuwachs gab es insbesondere beim oberen Kader.

Wie einem Bericht der Fachstelle für Gleichstellung zu entnehmen ist, waren die Massnahmen zahlreich, und haben sich erst mit den Jahren etabliert: Neben mehr Teilzeit-Angeboten in Kaderpositionen und einer systematischen Nachfolge-Planung wurden zum Beispiel auch Stelleninserate überarbeitet, damit sich beide Geschlechter angesprochen fühlen. Oder es wurde die Dienstplanung familienfreundlicher gestaltet und ein Schwerpunkt auf den beruflichen Wiedereinstieg von Frauen nach einer Familienpause gelegt.

«Beste Leute gesucht»

Hat der Winterthurer Stadtrat da in den letzten Jahren etwas versäumt? Michael Künzle verneint. Dem Stadtrat könne man zur Arbeit der letzten Jahre keinen Vorwurf machen, ist er überzeugt. «Es freut mich für Zürich, wenn sie bessere Zahlen haben, aber wir sind in anderen Bereichen führend und hatten beispielsweise als erste Stadt eine Diversity-Strategie.»

Und er fügt an: «Meine Meinung dazu ist bekannt: Es ist gut, dass wir sensibler geworden sind und ich freue mich über mehr weibliche Führungskräfte, aber gesucht sind immer noch die besten Leute für einen Job, egal welchen Geschlechts.»

Erstellt: 31.10.2019, 19:54 Uhr

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