Laufen-Uhwiesen

Der Biber durchlöchert das Ufer des Weihers

Der Biber am Weiher in Uhwiesen baut sein Zuhause ständig um. Nicht zur Freude der Weinländer Gemeinde, die nun eine Massnahme trifft.

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Der Weiher in Uhwiesen liegt im Naturschutzgebiet der Gemeinde. Schon seit einigen Jahren hat sich dort ein Biber angesiedelt. Und dieser gestaltet das Ufer so um, wie es ihm beliebt. Bei der Gemeinde macht sich der Nager dadurch keine Freunde. Das untergrabene Ufer macht den umliegenden Weg zur Gefahrenzone.

Jetzt möchte Uhwiesen handeln und Kanaldielen verlegen. Die Platten aus Metall werden wie Trennwände in den Boden eingelassen und sollen dem Biber das Graben an dieser Stelle verunmöglichen. Schon im Jahr 2017 hatte die Gemeinde festgestellt, dass der Biber das Ufer unterhöhlt. Zuerst hatte sie die entstandenen Löcher mit Kies aufgefüllt.

«Wir treffen nun eine Vorsichtsmassnahme», sagt Gemeinderat Peter Nohl. Vor allem nachts sei der Weg gefährlich. Wenn man immer nur die Löcher stopfe, breche der Weg dennoch irgendwann ein. Durch die Platten im Uferdamm soll der Weiher auch nach aussen abgedichtet werden. «So wollen wir uns vor einer Überschwemmung schützen.» Das Vorhaben kostet die Gemeinde 23000 Franken.

Ungestört im Biberbau

Das Heim des fleissigen Nagers liegt eigentlich auf der anderen Seite des Weihers. «Der Biber baut seinen Bau natürlich so aus, wie er für ihn passt», sagt der Gemeinderat. Da der Biber ein vom Bund geschütztes Tier ist, muss man für die Massnahmen zum Schutz vor Untergrabung die Einwilligung eines kantonalen Fischereiaufsehers einholen.

Interessen abwägen

Die erste Anlaufstelle ist jedoch die Biberfachstelle des Kantons Zürich. Die Fachleute schauen sich die Situation vor Ort an und machen dann Vorschläge. Dabei haben sie primär das Wohl der Tiere im Auge. «Natürlich müssen wir abwägen, welche Interessen wir mehr gewichten», sagt Alice Wassmer von der Biberfachstelle Zürich. Doch wenn immer möglich, wolle man den Biber ungestört lassen.

Denn nicht nur das Tier, sondern auch sein Lebensraum ist vom Bund geschützt. Bei den Massnahmen soll demnach auch der Biberbau unangetastet bleiben. «Im Frühling greifen wir nur im Notfall ein», sagt die Fachfrau. Dann seien häufig auch Jungtiere betroffen, und das gelte es zu vermeiden. Deshalb sollen die Metallplatten in Uhwiesen noch diesen Februar versenkt werden.

Das Revier in Uhwiesen ist eines von insgesamt 100 im Kanton Zürich. Laut der Zählung vom Winter 2016/2017 lebten bis dahin 394 Biber im Kanton. Die Zahlen werden alle drei Jahre erhoben und zeigen einen Aufwärtstrend. Im Winter 2013/2014 waren es zum Vergleich 305 Biber in 87 Revieren. Nach Wassmer ist die Population im Norden des Kantons tendenziell grösser. Das sei der Fall, weil die Nager eher im Norden der Schweiz wiederangesiedelt worden seien.

In den Jahren von 1958 bis 1977 setzte der Bund 141 Biber an 30 Stellen aus. Mehrheitlich wurden sie in den Kantonen Aargau und Thurgau verteilt. Auch im Kanton Zürich wurden die Tiere bei der Tössegg und an der Sihl bei Sihlbrugg angesiedelt.

Nur die Hälfte überlebt

«An der Sihl hat es heute keine Biber mehr», sagt Wassmer. Damals habe man den Biber mit relativ wenig Wissen zu verbreiten versucht. Nur etwa die Hälfte der 141 Biber habe überlebt. Es sei unklar, ob manche der Nager schon beim Aussetzen krank gewesen seien. «Man wusste zu wenig darüber, welche Gebiete für den Biber geeignet sind.»

Das sei auch der Grund, warum sich der Biber so langsam verbreitet habe. «Man sollte ja meinen, von 1958 bis jetzt ist eine lange Zeit», sagt Wassmer. Doch erst in den 90er-Jahren konnte sich der Castor fiber, der Europäische Biber, in der Schweiz richtig durchsetzen. Laut dem Bundesamt für Umwelt lebten 2016 insgesamt 2800 Biber in der Schweiz.

Erstellt: 16.02.2019, 09:29 Uhr

Hier frisst sich der Biber durch

Nicht nur in Uhwiesen ist der Biber eingezogen, auch in Neftenbach liess sich vor einigen Jahren eine ganze Biberfamilie nieder. In einer Reinigungsanlage für Strassenabwasser baute sie ihren Damm, der dann von der Gemeinde wieder entfernt werden durfte. Irgendwann hatte die Familie genug und verliess die Anlage im Jahr 2010 wieder. In Kleinandelfingen hat der Nager 2012 die Strasse untergraben. Die Gemeinde baute den Marthalerweg über eine Strecke von 20 Metern neu. Ausserdem wurden Stahlgitter in den Boden eingesetzt, welche den Biber aufhalten sollen. 2015 hinterliess der Biber auch in Dachsen seine Spuren. Der Uferweg zwischen Rheinau und Dachsen war so stark unterhöhlt, dass er verlegt werden musste. Beinahe zu einer Überschwemmung kam es 2015 in Humlikon, wo der Biber den Seltenbach staute. Das Mädlestenriet in Hettlingen hat die Gemeinde 2016 wegen der ansässigen Biber dem Kanton verkauft. Immer wieder hatte er Schaden angerichtet, bis Hettlingen dem Nager sein ungestörtes Reich überliess. Seit 2015 lebt in Waltalingen ein Biber im ersten künstlichen Biberbau. Eine Betonröhre dient ihm als Zuhause und soll verhindern, dass der Nager die Strasse untergräbt. Respekt vor den fleissigen Tieren hat auch die Gemeinde Thalheim an der Thur. Warntafeln weisen am Binnenkanal an der Thur darauf hin, dass hier Biber leben und Einsturzgefahr herrscht. (elw)

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