FC Winterthur

Der böse Patzer des Jordi Lopez

Der FCW ist in sein altes Heimspielmuster zurückgefallen: Das 0:1 gegen den FC Schaffhausen war das vierte in den fünf letzten Matches auf der Schützi. Die Entscheidung war ein leicht vermeidbares Tor Tunahan Ciceks in der 53. Minute.

Weil ihm zu billig war, den Ball einfach wegzuschlagen, verlor Jordi Lopez (Mitte) im Match gegen den FC Schaffhhausen das entscheidende Duell.

Weil ihm zu billig war, den Ball einfach wegzuschlagen, verlor Jordi Lopez (Mitte) im Match gegen den FC Schaffhhausen das entscheidende Duell. Bild: Heinz Diener

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Der FC Schaffhausen, als in den vergangenen Wochen erfolgloser Tabellendritter angereist, war etwa eine halbe Stunde lang die leicht bessere Mannschaft. Sein ganzer Ertrag in dieser Zeit war allerdings ein 16-m-Ball Guilherme Fioravantis, der gefährlich hätte werden können, wenn er besser geschossen gewesen wäre. Aber er war es nicht, Matthias Minder fing den auf ihn zufliegenden Ball mühelos.Bis zur Pause fand der FCW besser ins Spiel. Er bekam die Kontrolle übers Mittelfeld; es flog mancher Flankenball in den gegnerischen Strafraum. Von einer Torchance war allerdings nicht zu reden. Nichts war zur Pause also logischer als ein 0:0 – und alles war offen.

Zuerst Lopez, dann Minder

Aber dann, noch ehe die ersten Tendenzen der zweiten Hälfte klar gewesen wären, begab sich die Szene, die sich als entscheidend erweisen sollte: Jordi Lopez verlor als hinterster Winterthurer ein Duell mit Tunahan Cicek, weil ihm zu billig war, den Ball einfach wegzuschlagen. Cicek stibitzte ihm die Kugel, überlief ihn und schoss. Der Winkel war ziemlich, ja sehr spitz – und dennoch fand der Ball den Weg ins Tor. Das war nur möglich, weil nach Lopez auch Minder schlecht aussah.

Diese eine Szene sollte, man befürchtete es aus Winterthurer Sicht schon, kaum hatte sie sich ereignet, sollte sich als irreversibel für den Spielverlauf erweisen: Die Schaffhauser brauchten kein zweites Tor mehr; sie erhielten auch keine Gelegenheit dazu. Und die Winterthurer brachten es – wie schon so oft in dieser Saison – auf eigenem Platz nicht fertig, eine Wende zu erzwingen. Nach 94 Minuten wurde der Match abgepfiffen, ohne dass sich der FCW auch nur eine gefährliche Torszene, geschweige denn eine klare Chance herausgespielt hätte. Wer den Tag mit einer solchen Bilanz abschliesst, der darf sich über eine Niederlage nicht wundern – zumal, wenn ihm ein Patzer wie dieser in der 53. Minute unterlaufen ist.

«… die mehr Fehler macht»

So gewann der FC Schaffhausen ein Kampfspiel fast ohne klare Torszenen, aber vielen Duellen und vielen kleinen Fehlern. Es war aus der Sicht des Trainers Boris Smiljanic naheliegend, dass er es «einen verdienten Sieg» fand. Er denke, dem sei so, «aufgrund der ersten Halbzeit, als wir mehr Willen zeigten, Fussball zu spielen.» Und dann auch, «weil ein taktisches Spiel wie dieses von der Mannschaft verloren wird, die mehr Fehler macht.» Manchmal genügt ein Fehler, wenn es denn ein so krasser ist wie diesmal. Lopez hat einen guten Match gespielt; er hat Cicek, den Schaffhauser Topskorer mit Vergangenheit auf der Schützenwiese, wiederholt souverän «abgetrocknet», mehrmals vor allem nach dem Tor. Aber er hat dennoch den Match verloren. Und Cicek hat ihn gewonnen, mit der einzigen Aktion, die ihn als Spieler von Klasse auszeichnete – zumindest für diese Liga. Dazu war ihm Minder in dieser Szene auch keine Hilfe. Die Momente, da der FCW-Goalie in dieser Meisterschaft bedeutende Taten beiträgt, sind auch etwas gar selten.

So wie der FCW (und der FCS dazu) spielte, hätte er ein 0:0 erreichen können, ja müssen, aber nicht mehr verdient. 0:1 hat er ja schon gegen Neuchâtel Xamax verloren – durch ein Gegentor in letzter Minute nach allerdings guter Leistung. 0:1 hat er dann gegen Rapperswil-Jona verloren – nach einem Spiel, in dem er sich immerhin mehr als genug Chancen für wenigstens einen Treffer herausspielte. Und 0:1 auch gegen den FC Vaduz – durch einen späten, durch einen individuellen Patzer verschuldeten Penalty nach einem Spiel in dem er besser war als der Gegner.

Weniger giftig als auch schon

Diesmal aber spielte er nicht annähernd so, dass er sich diesen Fehler hätte leisten dürfen. Wohl sah Trainer Umberto Romano nichts, worauf er seine Mannschaft nicht vorbereitet hatte. „Es lief eigentlich wie erwartet“, sagte er. «Ich sagte auch, dass es nicht spektakulär sein müsse, dass man mal den Ball auch nur wegschlagen sollte. Aber dann kam diese Szene …» Sie kam, als seine Mannschaft «nach einem verhaltenen Start besser im Spiel war. Und die Hoffnung auf eine gute zweite Halbzeit bestand.» Aber grundsätzlich war auch Romano aufgefallen, «dass wir nicht so ‚giftig‘ waren wie auch schon.» Wie beispielsweise zuletzt in Chiasso.

Aber natürlich hat seine Logik, dass der FCW von den acht Heimspielen der Vorrunde nur eines gewonnen, aber sechs verloren hat – und dafür von sieben Auswärtsspielen nur drei, von den letzten drei keines. Die Mannschaft tut sich einfach sehr, ja weit über Gebühr, schwer, sich in Spielen durchzusetzen, in denen sie – wie es der Jargon sagt – das Spiel «machen» muss; auch deshalb weil sie der Heimklub ist. In der Fremde tritt sie zurzeit mit anderem Selbstverständnis auf. An dieser Wertung ändert nichts, dass kürzlich – im siebten Anlauf notabene – gar ein Erfolg vor eigenem Publikum gelang. Jenes 2:0 gegen Wil war zwar gut erkämpft, aber nicht wirklich erspielt und von einigem Glück begünstigt. Keinerlei Anlass, sich unter besonderem Druck zu fühlen, liefern die Zuschauer. Denn deren ausnehmend geduldige Unterstützung ist der Mannschaft immer gewiss. So wars auch gestern, als sich 3100 auch durch die Kälte nicht abhalten liessen.

Fakt war diesmal, dass die Mannschaft im Prinzip gut verteidigte – sieht man mal von Minute 53 ab. Schon schwieriger wurde es im – ersatzgeschwächten – Mittelfeld, das eines für die U21 hätte sein können: mit Tiziano Lanza (22), Robin Huser (19) und Rijad Saliji (18). Am Willen fehlte es nicht. Man darf keinem eine schlechte Leistung nachsagen, aber manchmal ging ihnen doch die selbstverständliche Ballsicherheit, die Ruhe, das Gewicht in den Zweikämpfen ab, um auf diesem Niveau einen Match zu kontrollieren. Das war aber auch nicht leicht, weil das Trio aus der Offensive zu wenig mithalf.

Weder Manuel Sutter noch Silvio oder Kofi Schulz durfte mit seiner Leistung zufrieden sein. Wesentlich besser wurde es auch nicht, nachdem Romano gleich nach dem Tor seine ersten zwei und später einen dritten Wechsel vollzogen hatte – alle drei nominell zu Gunsten der Offensive. Aber Luka Sliskovic, gegen Wil noch als später Knipser eine Hilfe, kam nie zum Abschluss. Auch mit Kwadwo Duah als zweitem Flügelmann neben Schulz war nicht auszumachen, dass da doch ausreichend Potenzial an individueller Schnelligkeit auf dem Platz stand. Am ehesten zeigte noch der als Rechtsverteidiger zuletzt erschienene Dario Ulrich Ansätze dazu.

Die schwächste Vorrunde

In der Offensive ohne eine Torchance, in der Defensive mit dem einen verhängnisvollen Fehler zu viel – das war der FCW an diesem eisigen Sonntag. Also verlor er nach drei Punktgewinnen erstmals wieder. Der FC Schaffhausen siegte nach drei Niederlagen hintereinander erstmals wieder. Er wird die Vorrunde mindestens auf Platz 3 abschliessen, der FCW aber selbst im Falle eines Auswärtssieges gegen den designierten Wintermeister Neuchâtel Xamax mit der schlechtesten Bilanz, seit 2012 die Zehnerliga eingeführt wurde. Platz 8 mit 18 Punkten war, vor einem Jahr, die bisher mit Abstand schwächste Bilanz; nur 15 Punkte hätte der FCW selbst nach einem Coup in der Maladière.

Aber es können nach einer Niederlage in Neuenburg lediglich 12 Punkte sein, dazu im Falle eines Wiler Sieges in Schaffhausen Platz 10. So oder so geht der FCW in grundsätzlicher Abstiegsgefahr ins Frühjahr. Er wird sich also überlegen müssen, was in der Winterpause personell wünschenswert ist – und was finanziell möglich. Je nachdem, wie sich in nächster Zeit die unsicheren Zukunftsplanungen entwickeln.

Erstellt: 03.12.2017, 22:20 Uhr

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