Gericht

Der enge Freund der Familie als Täter

Jahrelang erlitt ein Kind sexuellen Missbrauch, nun kam es zum Prozess.

Hinter verschlossenen Türen verurteilte das Bezirksgericht Winterthur den Beschuldigten.

Hinter verschlossenen Türen verurteilte das Bezirksgericht Winterthur den Beschuldigten. Bild: Marc Dahinden

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Die sexuellen Übergriffe prägten fast die gesamte Kindheit eines Mädchens. Verhandelt wurden gestern im Bezirksgericht Winterthur Taten über eine Zeitspanne von sechs Jahren. Der Missbrauch geschah teilweise im Raum Winterthur oder auch auf einem Campingplatz in der deutschen Schweiz.

Der Täter: ein enger Freund der Familie und selber Vater, der immer mal wieder allein Zeit mit dem Opfer verbracht hatte. Bei diesen Gelegenheiten missbrauchte er das Mädchen zahlreiche Male. Er griff ihm unter die Kleider, massierte den Genitalbereich und andere Körperstellen und missbrauchte es in mindestens einem Fall auch oral.

Vorwurf der Staatsanwältin

Der Mann zeigte sich vor Gericht fast vollumfänglich geständig. Er bestritt einzig den Vorwurf, dass er in einem Fall auch Geld gegen eine sexuelle Handlung angeboten habe. Das konnte ihm auch nicht nachgewiesen werden. Er sprach von einer «Dummheit», es sei ihm selber längere Zeit nicht gut gegangen, und er offenbarte einen selbst erlebten Missbrauch aus der eigenen Kindheit.

Dem Prozess, von dem die Öffentlichkeit ausgeschlossen war, wohnten auch mehrere Mitglieder der Familie des Mädchens bei. Die detailreiche Befragung des Täters war für sie wohl nur schwer zu ertragen, denn der Mann ging mit fast keinem Wort darauf ein, wie traumatisch der Missbrauch für das Mädchen war und mit welchen Folgen es heute zu kämpfen hat. Dies machte ihm später die Staatsanwältin zum Vorwurf; er blende die Sicht des Opfers völlig aus.

Dem entsprach auch eine zitierte Aussage aus einer polizeilichen Einvernahme. Dort sagte der Mann: «Sie hatte etwas an sich, dem ich nicht widerstehen konnte.» Er suggerierte auch immer wieder, das Mädchen selber habe die Nähe zu ihm gesucht, er könne halt auch gut mit Kindern umgehen. Pädophil – das sei er allerdings nicht.

Das Mädchen hatte sich der Mutter im letzten Sommer offenbart, der Täter kam für eineinhalb Monate in U-Haft. Er erhielt ein Kontakt- und Rayonverbot, an dieses hielt er sich bisher. Freiwillig begab er sich auch in psychiatrische Behandlung. Allerdings räumte der Mann auf Nachfrage ein, dass dort die eigentlichen Straftaten noch gar nicht zur Sprache gekommen seien.

Ein Härtefall?

Die Staatsanwaltschaft forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten sowie einen Landesverweis. Dieser ist quasi ein Automatismus, da der Straftatbestand der sexuellen Handlung mit Kindern eine sogenannte Katalogtat darstellt. Der Verteidiger beantragte 18 Monate und einen Verzicht auf den Landesverweis mit Verweis auf einen «Härtefall».

Die Rechtsanwältin der Klägerseite appellierte ans Gericht, der Anklage zu folgen: «Was soll ich dem Mädchen sonst sagen? Er gibt zwar alles zu, aber muss trotzdem nicht ins Gefängnis und darf auch noch in der Schweiz bleiben?»

Das Urteil bestätigte ihre Befürchtungen. Das Dreiergremi­um des Bezirksgerichts sprach eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten aus, der Mann muss also nicht ins Gefängnis, erhält aber eine Bewährungshilfe zur Seite gestellt. Die Richter fanden klare Worte, ordneten das Verschulden innerhalb des Strafrahmens aber als mittelschwer ein. Sie taxierten den Mann zudem aufgrund seiner Verwurzelung in der Schweiz und seiner Rolle als Familienvater als Härtefall und sahen vom Landesverweis ab. Das Urteil kann ans Obergericht weitergezogen werden.

Erstellt: 29.08.2019, 19:40 Uhr

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