Seuzach

Der Eurokrise getrotzt

Die Firma MSR Electronics aus Oberohringen hat die Eurokrise gemeistert. Ihre Datenlogger sind nicht nur überall auf der Welt im Einsatz. Sie fliegen auch 2018 wieder ins Weltall.

Eine Nasenlänge voraus: Wendelin Egli (links) und Uwe Seifert von MSR Electronics mit ihrem neuen Produkt.

Eine Nasenlänge voraus: Wendelin Egli (links) und Uwe Seifert von MSR Electronics mit ihrem neuen Produkt. Bild: Johanna Bossart

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Als 2014 über dem amerikanischen Bundesstaat Virginia wenige Sekunden nach dem Start eine US-Raktete explodierte, waren zum Glück keine Astronauten an Bord. Doch in der Transportrakete, die Luft und Lebensmittel zur Weltraumstation ISS hätte fliegen sollen, waren dafür diverse Hightech Messgeräte der Firma MSR Electronics aus Oberohringen platziert. Ihre Aufgabe war es, ähnlich einem Flugschreiber, Daten zu sammeln. Doch was haben sie aufgezeichnet?

Bis heute wüssten das Wendelin Egli, CEO und Erfinder des Datenloggers, und seine Mitarbeiter allzu gern. Doch die Nasa rücke die Daten aus Geheimhaltungsgründen nicht heraus. Nutzlos dürfte das Material aber nicht gewesen sein. «Die amerikanische Raumfahrtbehörde hat bei uns fürs nächste Jahr wieder eine Bestellung aufgegeben», sagt Egli. Seine Firma, die er zusammen mit Geschäftspartner und Entwicklungsleiter Uwe Seifert führt, hat hier die Konkurrenz wie etwa Bosch offensichtlich überflügelt.

Zur Klärung von Schäden

Der sogenannte Modular Signal Recorder (MSR) erfasst mithilfe von Sensoren physikalische Daten wie Temperatur, Feuchtigkeit, Druck, Helligkeit und Vibrationen und speichert sie. Die kleinen Datenlogger werden von Transport-, Verpackungs-, Logistik sowie Maschinenbau-Firmen eingesetzt und kosten zwischen 300 und 3500 Franken. Sie messen, was der Kunde wünscht.

Häufig werden diese Datenschreiber bei heiklen Transporten verwendet. So zum Beispiel beim Transport von Atommüll oder Windrädern. «Es geht darum, aus den Aufzeichnungen den Grund für allfällige Schäden am Transportgut abzulesen», sagt Egli. Eine Abteilung von Siemens zum Beispiel schreibe ihren Lieferanten zur Klärung der Schuldfrage das Mitführen eines Swiss Datenloggers vor.

2006 gründete Egli mit zwei Arbeitskollegen das Unternehmen als Management-Buy-out. Die drei lagerten den Bereich Messtechnik aus dem Zürcher Forschungs- und Technologieunternehmen Prospective Concepts AG aus. Die Frankenstärke hat der Firma in den letzten drei Jahren aber arg zugesetzt. «Wir sind stolz, dass es uns überhaupt noch gibt», sagt der 52-jährige Toggenburger, der mit seiner Familie in Seuzach lebt. «Zum Glück leben wir nicht vom Preis, sondern vor allem von der Einzigartigkeit unserer Produkte.»

Dramatischer Gewinneinbruch

60 Prozent ihres Geschäfts wickelt die MRS im Euroraum und deren 20 Prozent im Dollarraum ab. Als die Nationalbank im Januar 2015 die Euromindestgrenze aufhob, brach der Gewinn des Oberohringer Unternehmens um 80 Prozent ein. «An Wachstum war nicht mehr zu denken», sagt Egli. Der Umsatz stagnierte seither zwischen zwei und drei Millionen Franken. «Wir mussten den Fokus neu setzen.»

Seifert entwickelte mit seinem Team ein neues Produkt: einen Minicomputer mit einem Stecksystem, der verschiedene Daten messen kann, von der Temperatur, Licht, Kraft eines Körpers bis hin zu seiner Drehzahl. «Unser neues sogenanntes MSR Flex-System werden wir an der nächsten grossen Messe vorstellen», sagt Egli. «Für uns ist sehr wichtig, dass wir nicht stehen bleiben und sehr viel in die Forschung und Entwicklung neuer Produkte investieren», sagt Seifert. «Was wir jetzt entwickeln, kommt in zwei Jahren zum Tragen.»

Kundschaft bis nach Asien

In den Räumlichkeiten an der Mettlenstrasse herrscht ruhige, emsige Arbeitsatmosphäre. Produzentinnen blicken durchs Mikroskop und löten darunter geschickt irgendwelche Drähte zusammen. Weiter hinten sitzt ein Elektroingenieur am Computer und tüftelt an Elektrobauteilen. Daneben schreibt ein IT-Fachmann an einem Computerprogramm. Und überall stehen üppige Pflanzen zwischen den Tischen, «fast wie in der Masoala-Halle im Zoo», witzelt Egli.

An einem weiteren Tisch türmen sich Boxen mit erledigten Bestellungen. Sie stünden zum Versand nach Pakistan, China und Indien bereit. Egli glaubt, dass seine Firma für das nächste Jahr gut aufgestellt ist. Die 17 Mitarbeitenden von MSR Electronics stellen pro Jahr etwa 3500 Datenlogger her. Weltweit seien seit Beginn im Jahr 2006 etwa 50 000 Seuzacher Messgeräte abgesetzt worden, sagt Egli. (Der Landbote)

Erstellt: 19.12.2017, 18:29 Uhr

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