Fussball

Der FCW – eine bittere Enttäuschung

Die Zuschauerzahl war höchst erfreulich. 3400 kamen, so viele wie nie mehr seit dem August. Aber sie wurden vom FCW bitter enttäuscht: Er brockte sich im Derby gegen den FC Schaffhausen in den ersten 20 Minuten zwei Gegentore ein, reagierte darauf schwach und verlor schliesslich 1:2.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Vier Heimspiele und keine Niederlage – das war die bisher eindeutig erfreulichste Statistik, seit Trainer Livio Bordoli Anfang Jahr den FCW übernommen hat. Aber auch dieser kleine positive Aspekt einer insgesamt verkorksten Saison ist nach diesem Auftritt kein Thema mehr. Die Niederlage war verdient. Ärgerlich war weniger der «Nuller» als solcher. Ärgerlich war vielmehr, wie er zustande kam. Und wie es die Mannschaft verpasste, ihren doch erstaunlich vielen und – dies vor allem – auch sehr geduldigen Fans etwas zu bieten. Es war der erste Abend in diesem Jahr, an dem man auf der Schützi nicht fröstelte oder gar jämmerlich fror. Dafür lief es einem kalt über den Rücken, als man sah, welche Tore die Mannschaft kassierte.Die Winterthurer kamen eigentlich nicht schlecht ins Spiel, ohne dass sie wirklich torgefährlich gewesen wäre. Dafür spielte den Schaffhausern offensichtlich in die Karten, dass der Gegner den Ball oft hatte. Denn ihr Ziel war es, ihn mit weiten Bällen zu überrumpeln. Und das gelang ihnen in der ersten Halbzeit dreimal; zweimal innert kurzer Zeit endete das Unterfangen erfolgreich mit einem Tor, ein drittes Mal wurde die hundertprozentige Chance nicht genutzt.

Kaum Gefahr, nur ein Tor

Dieses 2:0 war für den FCS eine absolut ausreichende Basis. Er bot danach eine zweite Halbzeit ohne jegliche offensive Aspiration, aber auch so gut wie ohne Gefahr, diesen Vorsprung einzubüssen. Erst in der 80. Minute glückte den Winterthurern noch ein Tor, als ein Pass Kreso Ljubicics den Kollegen Kwadwo Duah in gute Schussposition brachte. Dieser Schuss fiel aber so schlecht aus wie jeder andere Duahs vorher; allein, diesmal landete der missratene Ball vor den Füssen Kofi Schulz‘, und der stolperte ihn eher über die Linie, als er ihn ins Tor schoss. Gut zehn Minuten hatte der FCW danach noch, den Ausgleich zu schaffen. Eine Torchance spielte er sich nicht mehr heraus, wie er sich praktisch während des ganzen Spiels keine erarbeitet hatte. Am Ende lag sein Anteil an Ballbesitz bei zwei Dritteln, mit wirklicher Dominanz oder gar Torgefahr durfte das aber nicht verwechselt werden.

Minders Patzer und zwei Tore

Also war diese Bilanz zu ziehen: Die Taktik der Schaffhauser war aufgegangen mit den zwei frühen Toren; fortan verteidigten sie nur noch – und dies gegen einen FCW, der weder Durchschlagskraft noch technische Fertigkeit oder, was in manchen Fällen geradezu krass zutraf, die individuelle Tagesform besass, eine Wende auch nur anzudeuten. Die Entscheidung war de facto schon nach 20 Minuten gefallen – und zwar so.

Das 0:1 leitete Danilo Del Toro mit einem ersten weiten Pass ein. Der war zwar grundsätzlich völlig ungefährlich, denn Tunahan Cicek konnte ihn gegen die Innenverteidiger Gabriel Isik und Denis Markaj nicht erreichen. Aber dann griff Torhüter Matthias Minder ein; er lief aus dem Strafraum, köpfelte den Ball weg – was in Anwesenheit zweier Kollegen nicht nötig gewesen wäre. Aber schlimmer noch: Der Ball flog auf den Fuss Luca Tranquillis, der ihn vor Ousmane Doumbia erwischte und aus rund 30 Metern über Minder hinweg ins leere Tor hob. Nach 17 Minuten und 59 Sekunden stands 0:1.

Eine Minute und 54 Sekunden später stands 0:2. Und wieder reichte ein weiter Pass, diesmal von Rechtsverteidiger Andre Gonçalves einfach mal nach vorne geschlagen. Aber wieder reagierte ein Schaffhauser fixer als die Winterthurer Innenverteidiger; es war Helios Sessolo, der den in dieser Szene schwach arbeitenden Youngster Isik düpierte, aus spitzem Winkel in die nähere hohe Ecke schoss und damit Minder erwischte. Auch dieses zweite Tor war weit davon entfernt, ein Leistungsausweis des Winterthurer Torhüters zu sein. Wenn in der Auswertung der Saison über seine Bilanz diskutiert wird, fällt dieser Abend erheblich ins Gewicht. Immerhin, als die Schaffhauser zehn Minuten später nochmals dank eines simplen weiten Passes zu einer klaren Chance kamen, wehrte Minder ab – gegen Tranquilli.

«Sie haben unsere Schwächen gekannt und ausgenutzt – mit diesen langen Bällen», so beurteilte Bordoli hinterher, was er gesehen hatte. Er musste aber auch feststellen, dass seine Mannschaft nichts mehr von jenem Selbstverständnis gezeigt hatte, das sie in den ersten vier Heimspielen unter seiner Führung stets hatte punkten lassen. Und das sie auch am Ostermontag trotz der 1:2-Niederlage in Aarau über weite Strecken gezeigt hatte. Über einzelne individuelle Leistungen musste Bordoli schon fast entsetzt sein.

Zu viele Schwachpunkte

Natürlich kommt Minder in der Einzelkritik schlecht weg. Natürlich hatten Isik und Markaj, die in Abwesenheit des gesperrten Jordi Lopez, des verletzten Guillaume Katz und des zum FCZ transferierten Tobias Schättin eine Art «Not-Verteidigung» bildeten, zumindest bis zum 0:2 grösste Mühe. Aber besonders bedenklich waren die Darbietungen diverser Offensivkräfte – von Luka Sliskovic und Duah, die es zusammen auf kaum eine nennenswerte Szene brachten. Aber auch von Karim Gazzetta in der Rolle des «Zehners». Auch Schulz war, als Linksverteidiger, zwar bemüht und gegen Ende wieder etwas besser nicht annähernd der Mann, der er in den letzten Spielen gewesen war. Auch ihm unterliefen viel zu viele Fehler. Oder Nikola Milosavljevic, der nach dem Abgang Robin Husers nach Thun eine bedeutendere Rolle spielen müsste? Er fand so gut wie nicht statt.

Eine gewisse Entschuldigung, aber die einzige, mag sein, dass mit Schättin und Huser nun zwei Spieler fehlen, die sicher nicht abgegeben worden wären, wäre der Abstiegskampf ernsthaft geworden. Das Kader des Abends wurde weiter ausgedünnt durch die Sperre für Lopez, die Erkrankung des Captains Luca Radice. Aber auch so wars zu wenig, viel zu wenig. Positiv war einzig, wie Silvio von A bis Z kämpfte – allerdings ohne die Torgefahr, die von ihm ausgehen müsste. Tu erwähnen ist, dass jeder der drei eingewechselten Spieler besser war als sein Vorgänger – Rijad Saliji als Sliskovic, Ljubicic als Gazzetta und Dario Ulrich als Milosavljevic.

Dass Ljubicic und Ulrich nach ihren Verletzungspausen erstmals in diesem Jahr aufliefen, war ein Aspekt, der dem Trainer in zehn Tagen in Rapperswil, wie die Rückkehr Lopez‘, wieder ein paar Alternativen gibt, wird ihn erleichtern. Es bietet sich dann, dank «Sechser» Ljubicic, auch die Möglichkeit, in Notfällen Doumbia ns Abwehrzentrum zu stellen. Wie er es gestern in der Endphase war, als Bordoli auf eine Dreierabwehr umstellte.

Und die Schaffhauser? Sie fuhren heim mit dem sechsten Sieg in Folge gegen den FCW im Gepäck. Sie waren an diesem Abend auf jeden Fall so viel klüger, dass sie von einem gerechtfertigten Sieg sprechen durften. Davon, ihre taktische Rechnung sei aufgegangen.

Erstellt: 06.04.2018, 23:37 Uhr

Challenge League

FC Winterthur – FC Schaffhausen 1:2 (0:2)

Schützenwiese. – 3400 Zuschauer. – SR Jaccottet. – Tore: 18. Tranquilli 0:1. 20. Sessolo 0:2. 80. Schulz 1:2. – FCW: Minder; Stettler, Isik, Markaj, Schulz; Doumbia, Nikola Milosavljevic (75. Ulrich); Sliskovic (54. Saliji), Gazzetta (65. Ljubicic), Duah; Silvio. – Schaffhausen: Matic; Gonçalves, Demhasaj, Mevlja, Qollaku; Menezes, Pickel, Del Toro (71. Helbling), Tranquilli; Cicek (80. Gül), Sessolo (87. Barry). – Bemerkungen: FCW ohne Katz, Roth, Sutter (verletzt), Radice (krank), Lopez (gesperrt) und Nsumbu (nicht im Aufgebot); in der Endphase mit Doumbia als drittem Innenverteidiger; Assistenztrainer Zuffi abwesend (gesundheitliche Indisposition). – Schaffhausen ohne Bunjaku (gesperrt), Fioravanti, Mikari, Castroman (verletzt) und Grasseler (krank). – Verwarnung: 58. Gonçalves (Unsportlichkeit; fürs nächste Spiel gesperrt).

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!