FC Winterthur

Der FCW – eine einzige Enttäuschung

Der FCW leistete sich wieder mal einen Fehlstart. Schon nach neun Minuten lag er gegen den Erstligisten SR Delémont 0:2 zurück. Am Ende aber schied er mit einer völlig verdienten 2:4-Niederlage aus dem Cup aus. Er beging einfach zu viele individuelle Fehler.

Er erwischte einen schwarzen Tag: FCW-Verteidiger Guillaume Katz.

Er erwischte einen schwarzen Tag: FCW-Verteidiger Guillaume Katz. Bild: Heinz Diener

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Der Gesamteindruck vom FCW an diesem teilweise verregneten Anlass im Jura war eindeutig, er erlaubt keinerlei unterschiedliche Interpretationen: Wer gegen eine Mannschaft, die zwei Klassen tiefer wirkt, einfach so verliert, als wär es das Normalste der Welt. Wer sich nicht auf unvermutete Wunderdinge, die dem Gegner zugefallen sein könnten, oder missliebige Schiedsrichterentscheide berufen darf, der hat seine Pflicht nicht erfüllt, und zwar überhaupt nicht. Da reicht nicht annähernd als Begründung, dass mit dem gesperrten Skorer Silvio der wichtigste Spieler fehlte.Begonnen hatte der FCW die Saison ja mit zwei Niederlagen gegen Aussenseiter, als er sich – wie schon zu oft unter Umberto Romano – mit frühen Gegentoren in Rücklage versetzte. Diese Schwäche liess er in den letzten Matches nicht mehr erkennen – bis sie gestern wieder auftrat. Und das in einem so seltenen wie vorentscheidenden Ausmass. Nach neun Minuten lag der FCW 0:2 zurück, nach einer Art von Abwehrarbeit, die einfach unzureichend war. Bis zur Pause war keine Reaktion darauf zu erkennen. Die Jurassier des Trainers Mario Cantaluppi dürften selbst gestaunt haben, wie locker sie diesen Vorsprung über die Zeit brachten.

Umstellung und Hoffnung

Dann stellte Romano um – von «seinem» 3-5-2 zu einem 4-3-3. Er nahm Tiziano Lanza vom Feld, der im Mittelfeld den kurzfristig ausgefallenen Karim Gazzetta ersetzte (und der keineswegs der schlechteste war). Vor allem aber brachte er als linken Flügelmann den kleinen, schnellen Luzerner Dario Ulrich. Der setzte in der 52. Minute ein erstes Zeichen, aber sein erstklassiger 24-m-Weitschuss krachte ans Lattenkreuz. Kurz darauf hatte Nicolas Stettler seine starke Szene. Er lief auf Rechtsaussen durch, seine scharfe Hereingabe lenkte Kwadwo Duah direkt ins Tor. Und die rund 100-FCW-Fans, vor denen sich diese wunderbare Szene ereignet hatte, werden sich gedacht haben: Jetzt kommt der FCW, mindestens ein weiteres Tor in gut einer halben Stunde – das sollte doch möglich sein.

Der Schuss ins eigene Knie

Aber von einem FCW, wie er sich an diesem Tag präsentierte, war das ganz offensichtlich zu viel verlangt. Romano wechselte nochmals. Stettler ging, Manuel Sutter kam als neuer Mittelstürmer, Ulrich wurde vom Linksaussen zum (offensiven) Rechtsverteidiger. Aber dann schossen sich die Winterthurer gleichsam selbst ins Knie – vielmehr Guillaume Katz tats. Er spielte aus der Abwehr heraus einen Katastrophenpass, Kreso Ljubicic konnte sich gegen Ruben Kotlar nur noch mit einer Notbremse behelfen. Er sah zum ersten Mal in seiner Karriere Rot, die Aufholjagd musste zu zehnt weitergehen. Und bald einmal auch mit wieder zwei Toren Rückstand: Delémonts linker Flügelmann Dionys Stadelmann liess sich von Katz nicht behelligen und schoss aus 20 Metern das 3:1. Er hatte schon das 2:0 beigetragen, als er Katz einfach so davongelaufen war. Es sah aus, als wäre Stadelmann ein kleiner Usain Bolt. Dabei ist er einfach ein guter Erstligaspieler, Katz dafür – zumindest an diesem Tag – nicht mal das. Der Romand des FCW hatte, wohlwollend formuliert, einen schwarzen Tag. Bei zwei Gegentoren sah er ganz schlecht aus, vom fatalen Platzverweis abgesehen.

Sutter brachte den zehn Winterthurern zwar mit dem 2:3 die Hoffnung zurück, als er einen Fehler des gegnerischen Torhüters clever nutzte. Aber in der 89. Minute entschied Evan, der andere Stadelmann, mit dem 4:2 den Match. Der defensive Mittelfeldspieler Evan (22) und Offensivmann Dionys (26) sind Cousins. Zur Familie gehört, als Bruder Evans, auch Dylan, Aussenläufer des FC Wohlen.

«Wir waren nicht bereit,» klagte Romano hinterher. Und: «Wir gaben ihnen Begleitschutz bei den Toren.» Natürlich mussten auch ihm die individuellen Fehler aufgefallen sein. Eigentlich sind davon nur auszunehmen: Torhüter Matthias Minder; Abwehrchef Jordi Lopez als stabilster Feldspieler; Tobias Schättin mit einer soliden Leistung. Und Ulrich, der eigentlich die für eine Wende erforderlichen Impulse geliefert hätte. Wie Sutter das Tor bei seiner einzigen Chance. Aber sonst wars einfach zu wenig. Auch von Duah und Luka Sliskovic, die im Angriff ihre Chance von Beginn weg erhielten – für Sutter und den gesperrten Silvio. Die beiden «S» werden am Donnerstag in Schaffhausen wieder stürmen, im Duell zweier grosser Cupverlierer.

Ljubicic wird dort gesperrt sein. Was mit Gazzetta oder Gianluca Frontino ist, muss sich noch zeigen. Veljko Simic wird noch nicht spielberechtigt sein. Also bleibts beim knappen Kader. Aber natürlich muss sich Romano in einer Personalsituation wie dieser, mit zu wenigen verlässlichen Innenverteidigern, überlegen, ob er nicht – zumindest vorübergehend – von seiner Abwehr mit drei Innenverteidigern abkommt. Auch deshalb, weil ein gedeihliches Zusammenwirken von Stettler und Ulrich nur mit einer Viererabwehr zu sehen ist.

Romanos bitterste Niederlage

Für Romano wars also eine bittere Rückkehr nach Delsberg, wo er einst vier Jahre spielte und der Aufstiegsmannschaft 1999 angehörte. «Eigentlich jeden, wenn auch nicht mehr alle mit Namen,» habe er auf der Tribüne gekannt, sagte er. Hände schütteln durfte er vor dem Match viele, manche auch nachher. Dass ihm da alle – mit den Gesichtern der strahlenden Sieger – Glück wünschten, war kein Trost. Es war seine bisher härteste Niederlage als Trainer. Denn nun fehlt dem FCW in einer Saison, die in der Liga bestenfalls Mittelmass zu bringen verspricht, auch noch der Cup, um den Alltag aufzuhellen.

Erstellt: 17.09.2017, 22:10 Uhr

Die grössten Debakel

Erst zum vierten Mal in der über 90-jährigen Cupgeschichte hat der FCW gegen einen Verein verloren, der wenigstens zwei Klassen unter ihm spielt. Das sind dies drei Debakel vor jenem in Delsberg:

1957/58 scheiterte der FCW als A-Klub in den Sechzehntelfinals gegen den FC Brunnen, der als Zweitligist gar drei Ligen tiefer wirkte. Das Besondere daran: Schon das 1:1 in Brunnen galt als grosse Enttäuschung. Aber dann verloren die Winterthurer auf der Schützi das Wiederholungsspiel 0:1.

1977/78, im Jahr nach dem Abstieg nach neun Saisons in der Nationalliga A, verlor der FCW gegen den FC Brugg in der Verlängerung 1:3. Brugg war als Zweitligist zwei Klassen tiefer rangiert.

2008/09. Das galt vor neun Jahren auch für den FC Seefeld aus der inzwischen eingeführten 2. Liga interregional. In 120 Minuten brachte der FCW auf der «Lengg» kein Tor zustande. Umberto Romano, in seiner letzten Saison als Spieler, musste in der 89. Minute gar zur Notbremse greifen, um seinem Team wenigstens die Chance einer Verlängerung zu erhalten. Er sah Rot, ohne ihn ging das Elfmeterschiessen 2:3 verloren. Zu jenen, die nicht trafen, gehörte Luca Radice, heute Romanos Captain.

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