Pfungen

Der Grüne Güggel hat die Kirche erreicht

Als erste katholische Kirchgemeinde im Kanton erhält Pfungen das Umweltzertifikat Grüner Güggel. Präsident Patrick Fischer hat es auf seine Fahne geschrieben.

Ein Plus für die Biodiversität und das Auge. Patrick Fischer hat das Bord vor der Kirche neu bepflanzt.

Ein Plus für die Biodiversität und das Auge. Patrick Fischer hat das Bord vor der Kirche neu bepflanzt. Bild: Madeleine Schoder

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Würde man den Ressourcenverbrauch der Schweiz auf die gesamte Weltbevölkerung hochrechnen, wären 2,4 Erden zur Kompensation notwendig. «Ein umweltschonender Umgang mit den Ressourcen geht somit alle ­etwas an, auch institutionelle Gemeinschaften wie Kirchgemeinden», ist Patrick Fischer überzeugt. Der Präsident der Katholischen Kirchgemeinde Pfungen ist beruflich beim Verein Grünwerk als Geschäftsführer tätig. Er ist ein versierter Umweltpraktiker.

«Als ich vor drei Jahren das ­Präsidium der Kirchenpflege Pfungen übernahm, habe ich mir vorgenommen, die Kirchgemeinde in Bezug auf Umweltthemen zu sensibilisieren.» Das ist ihm gelungen. Mit drei weiteren Kirchenmitgliedern nahm er vor ­eineinhalb Jahren das Projekt Grüner Güggel in Angriff.

Erste Katholiken im Kanton

Morgen wird Pfungen als erste katholische Kirche im Kanton Zürich das Umweltzertifikat erhalten. Das klingt rekordverdächtig. Umweltexperte Andreas Frei, der den Prozess in Pfungen begleitete, bestätigt: «Das kleinste Umweltteam hat in kürzester Zeit die zehn Schritte für das Zertifikat bewältigt.» Die Tatkraft der Pfungemer Katholiken findet seiner Meinung nach sichtbaren Ausdruck in der Neubepflanzung des Bords vor der Kirche. «Das ist ein Plus für die Biodiversität und das Auge.»

Weiter hat die Kirchgemeinde Pfungen zum Beispiel ihr Papier auf das Recyclingpapier Blauer Engel umgestellt, an allen Wasserhähnen Wassersparer installiert. Kaputte Lampen werden mit LED-Leuchten ersetzt und in der Kirche wurden Türen mit Gummi abgedichtet. «Wir haben auch auf umweltgerechte Putzmittel umgestellt», sagt Fischer.

Überreicht wird das Umweltzertifikat morgen von Vroni Peterhans. Sie präsidiert die Zertifizierungsstelle, den Verein Oeku Kirche und Umwelt, und reist dafür aus dem Aargau zum ökumenischen Gottesdienst in der Holewies an. «Ich würde gerne öfters solche Reisen unternehmen», gesteht sie. Ihren Verein gibt es seit 30 Jahren. «Wir wollen Pfarreien und Christen bewusst machen, dass die Schöpfung nicht nur in Gedanken und Gebeten stattfinden, sondern auch im Leben bewahrt werden sollte.» Peterhans nimmt etwa fünf Zertifizierungsakte pro Jahr vor. Symbolischer Weckruf

Das Symbol des Hahns sei nicht zufällig gewählt, sagt die Frau, die den Pfungemern den Güggel am Sonntag überreichen wird. Das Krähen des Hahns in den Morgenstunden diente früher als Weckruf. «Heute kann dieser Ruf uns an die ökologische Verantwortung erinnern und uns auf­wecken, endlich die Initiative für die Schöpfung zu ergreifen.» Peterhans zufolge nehmen die Kirchgemeinden dafür vom durchdachten Apéro bis hin zum überlegten Putzmittel einen grossen Aufwand auf sich.

Kirche hat eine Vorbildfunktion

Evelin Neeranal (21), die in der Liturgiegruppe mitwirkt, begrüsst das neue Umweltbewusstsein ihrer Kirche. «Ich wusste nicht, dass unser Präsident das in die Wege geleitet hat, aber ich finde es cool.» Die Kirche habe eine ökologische Vorbildfunktion und müsse ökologisches Bewusstsein vorleben.

Das Label Grüner Güggel ist dem Konzept des Grünen Gockels in Deutschland nachempfunden und wurde 2015 in der Schweiz eingeführt, um Pfarreien zu helfen, ihr Bewusstsein und Verhalten in ökologischer Hinsicht zu verbessern. Im Kanton Zürich wird der Grüne Güggel bislang einzig von reformierten Kirchgemeinden, namentlich Stäfa, Meilen und Dübendorf, erprobt. Im Kanton Thurgau machen fünf ­katholische Kirchgemeinden mit. (Der Landbote)

Erstellt: 07.07.2017, 23:06 Uhr

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