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Der harte Weg zum neuen Sternen

Sternen-Wirtin Marianne Brühwiler hat durch einen Brand alles verloren: Kleider, Bilder, Erinnerungen. Seit Wochen arbeitet sie am Neuanfang. Zweifel hat sie nie, trotz Schwierigkeiten.

Marianne Brühwiler mit dem ehemaligen Wirtshausschild, das von den Flammen weitgehend verschont wurde.
Marianne Brühwiler mit dem ehemaligen Wirtshausschild, das von den Flammen weitgehend verschont wurde.
Madeleine Schoder

Der Anruf, der für Marianne Brühwiler alles änderte, kam an einem Sonntag Ende Dezember. Die Sternen-Wirtin war gerade mit ihrer Tochter nach Österreich in die Ferien gefahren, da rief mitten in der Nacht ihre Schwester an. Sie solle sich hinsetzen und nicht in Panik geraten, sagte die Schwester. Und dann: «Der Sternen brennt!» Marianne Brühwiler konnte kaum glauben, was sie da eben gehört hatte – bis sie auf dem Handy erste Bilder von ihrem brennenden Zuhause sah. «Das muss man doch löschen können», dachte sie. Doch es war längst zu spät. Das prächtige Holzhaus stand rasch in Vollbrand. Und damit praktisch alles, was Marianne Brühwiler in jahrelanger Arbeit aufgebaut hatte.

Am 19. Dezember ist das Gasthaus Sternen in Vollbrand geraten.
Am 19. Dezember ist das Gasthaus Sternen in Vollbrand geraten.
Kapo ZH
Das Restaurant war weitum bekannt in der Region und Kulisse des Films «Sternenberg».
Das Restaurant war weitum bekannt in der Region und Kulisse des Films «Sternenberg».
NewsPictures
Das Gasthaus Sternen wurde dank dem Film «Sternenberg» schweizweit bekannt.
Das Gasthaus Sternen wurde dank dem Film «Sternenberg» schweizweit bekannt.
facebook/Gasthaus Sternen
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Seit 21 Jahren wohnte und wirtete die 47-Jährige im Gasthaus Sternen. In dieser Zeit entwickelte sich das Restaurant zu einem beliebten Ausflugsziel. Der Film Sternenberg mit Mathias Gnädinger in der Hauptrolle beschleunigte 2004 den Aufschwung. Die letzten beiden Jahre seien die besten Jahre gewesen, sagt Marianne Brühwiler.

Nach wie vor ist unklar, wie es zum Unglück kommen konnte. Die Kantonspolizei konnte die Brandursache aufgrund der grossen Zerstörung nicht mehr ermitteln. Brandstiftung könne man aber ausschliessen, sagt ein Polizeisprecher auf Anfrage.

Ein böser Verdacht

Das Ergebnis der Untersuchungen ist für Marianne Brühwiler eine Erleichterung. Denn es habe vereinzelt bösartige Spekulationen gegeben, sagt sie. Sogar sie selbst sei verdächtigt worden, das Feuer gelegt zu haben.

Denkbar ist, dass ihre beherzte Reaktion nach dem Brand missverstanden wurde: Schon am Tag danach war Marianne Brühwiler im Fernsehen zu sehen. Im Beitrag von «Schweiz aktuell» wirkte sie zwar niedergeschlagen, aber auch gefasst: «Wenn möglich will ich das Restaurant wieder aufbauen», sagte sie überzeugt.

Mehr als zwei Monate später erzählt sie an einem Treffen in Sternenberg, wie sie sich damals wirklich gefühlt hat und mit welchen Problemen sie bis heute kämpft. «In den Tagen nach dem Brand war es so, als stünde ich ständig vor einem steilen Abgrund. Ich war voller Adrenalin und funktionierte einfach.»

Arbeiten statt Verarbeiten

Marianne Brühwiler reagierte auf das Unglück auf ihre Art. Sie stürzte sich sofort in die Arbeit. Denn zu tun gab es vieles: Medienanfragen beantworten, Versicherungsgespräche führen, den Wiederaufbau organisieren. Denn eines war für sie von Anfang an klar: Der Sternen soll möglichst bald wieder eröffnen. «Daran zweifelte ich nie.» Auch nicht, als immer neue Schwierigkeiten auftauchten.

Erst mit der Zeit wurde ihr so richtig bewusst, was sie in jener Nacht alles verloren hat. Es fehlten ihr Kleinigkeiten, etwa die Sonnenbrille, diverse Rechnungen oder Verträge. Verloren gingen aber auch persönliche Gegenstände: Fotoalben, Kochbücher oder eine Handorgel. Besonders schmerzhaft war für die Köchin, dass viele Kücheninstrumente unwiederbringlich zerstört waren. Sie musste dabei zusehen wie ein Bagger verkohlte Überreste aus der Brandruine zog. Ihre Tochter, die mit ihr im oberen Stock des Sternen wohnte, trauert zudem schmerzlich um ihre Katze. Das Tier konnte in der Brandnacht die Wohnung nicht verlassen, verkroch sich im Katzenbaum und erstickte dort.

Grosse Unterstützung

Was Marianne Brühwiler in der Anfangszeit half, war die grosse Unterstützung aus der Region. Sie erhielt viele Briefe, Zuspruch und auch Kleider. Zudem konnte sie wieder in ihr Elternhaus in Bauma einziehen. «Rasch wieder ein Zuhause zu haben, gab mir Halt», sagt sie. Dennoch konnte die geschiedene Frau lange Zeit schlecht schlafen. Sie stand in der Nacht öfter auf, erstellte Listen und überlegte sich, was sie alles braucht, um das Restaurant rasch wieder aufzubauen. Die Gedanken drehten sich ständig im Kreis. Plötzlich hatte sie viel mehr freie Zeit als früher, um zu überlegen. Lange Spaziergänge halfen ihr dabei, wieder einen klaren Kopf zu bekommen.

Schwierig war die Situation auch für das Personal. Marianne Brühwiler musste alle zehn Angestellte vorübergehend entlassen. Der Lehrling arbeitet derzeit in einem anderen Restaurant. Wie die meisten Angestellten will er aber wieder in den Sternen.

Schon bald soll es weitergehen. Anfang Mai will Marianne Brühwiler in einem Nebengebäude feierlich ein Provisorium eröffnen. Die Feuerwehr konnte verhindern, dass es ebenfalls Feuer fing. Handwerker bringen den Raum derzeit in Schuss. Es braucht neue Strom- und Wasseranschlüsse, frisch gestrichene Wände und in einem Anbau eine provisorische Küche.

Wiederaufbau geplant

Der abgebrannte Sternen soll ebenfalls bis in zwei Jahren wieder stehen. Von aussen soll das Gasthaus wie früher aussehen. Das verlangt der Denkmalschutz. Aber auch Marianne Brühwiler will möglichst das alte Gebäude zurück: Am liebsten wie früher, mit grünem Kachelofen, Kamin und gut ausgestatteter Küche.

Alles wird aus finanziellen Gründen aber nicht mehr möglich sein. Das Gebäude war zwar versichert. Mit den Jahren ist aber vieles hinzugekommen, was nicht mehr ersetzt werden kann. Ausserdem müssen beim Wiederaufbau alle heutigen Vorschriften eingehalten werden.

Trotz allem: Marianne Brühwilers Zuversicht wirkt ansteckend. Sie zeigt ein altes Bild des Gasthauses, das die Flammen verschont haben, und schwärmt vom Gebäude. Auch das alte Wirtshausschild mit dem goldenen Stern sei kaum beschädigt worden, sagt sie. «Man muss es nur frisch streichen.»

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