Kinderkrippen

Der Kanton soll mitzahlen

Ein Vorstoss im Kantonsrat fordert, dass der Kanton Betreuungsgutscheine einführt. Für den Kanton Zürich wäre das ein zweischneidiges Schwert.

Nicht nur die Gemeinden, auch der Kanton soll die Kinderkrippen subventionieren.

Nicht nur die Gemeinden, auch der Kanton soll die Kinderkrippen subventionieren. Bild: Sophie Stieger

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Im Kanton Zürich subventionieren hauptsächlich die Gemeinden Kinderkrippen. Eine nennenswerte finanzielle Beteiligung des Kantons war bislang kein Thema.

Das könnte sich nun aufgrund der neuen Mehrheiten im Kantonsrat aber ändern: SP, Grünliberale, Grüne, EVP und AL haben kürzlich im Kantonsrat drei Vorstösse zur Kinderbetreuung eingereicht.

Einer davon fordert, dass Betreuungsgutscheine eingeführt werden, mit denen sich der Kanton an den Kosten der externen Kinderbetreuung beteiligen soll. Die Höhe der Beiträge soll sich nach Einkommen, Vermögen und Familiengrösse richten.

Die Forderung, die bei vielen Eltern auf offene Ohren stossen dürfte, könnte je nach genauer Umsetzung allerdings der Stadt Zürich in die Quere kommen.

Die Stadt hat nämlich, wie andere Gemeinden im Kanton auch, ein anderes System gewählt, um Krippenplätze zu subventionieren. Sie subventioniert Plätze in Krippen. Die Krippen können, müssen aber nicht, vergünstigte Plätze anbieten.

Gutscheine könnten Preise steigen lassen

Die Absicht ist immer dieselbe: Die Eltern sollen – abhängig von ihrem Einkommen – etwas weniger bezahlen. In den Details und möglichen Auswirkungen auf die Krippenlandschaft gibt es jedoch Unterschiede.

In der Stadt Zürich habe man vor mehr als zwei Jahren intensiv über das Modell Betreuungsgutscheine diskutiert, sagt Stadtrat Raphael Golta (SP) auf Anfrage. «Wir haben uns klar dafür entschieden, das bisherige Modell der Normkosten beizubehalten». Die Stadt schreibt den Kindertagesstätten vor, dass ein subventionierter Kinderbetreuungsplatz 120 Franken pro Betreuungstag kostet. Der Beitrag der Stadt beträgt maximal 108 Franken. «Von den Subventionen sollen vor allem Eltern mit sehr tiefem Einkommen profitieren, die auf die Unterstützung angewiesen sind», sagt Golta. Das Problem am Modell der Betreuungsgutscheine sei, dass man die Preise nicht mehr steuern könne. Wenn der Krippenplatz also plötzlich 130 Franken kostet, müssten die Eltern 22 Franken statt nur 12 Franken bezahlen – oder die Stadt erhöht Jahr für Jahr die Subventionen. Ein Wechsel auf das System Betreuungsgutschein kommt für die Stadt also nicht in Frage. «Wir geben jährlich rund 80 Millionen Franken aus für die Subventionierung der Kinderbetreuung im Vorschulbereich. Wenn wir soviel Geld ausgeben, wollen wir natürlich auch selber über das Subventionsmodell entscheiden», sagt Golta.

Im Idealfall werdenGemeinden entlastet

Alarmiert ist er wegen des Vorstosses im Kantonsrat aber nicht. «Wir stehen am Anfang des politischen Prozesses und warten erst mal ab, in welche Richtung sich das entwickelt.» Grundsätzlich würde er eine Beteiligung des Kantons an den Kosten der Subventionierung der Krippen begrüssen.

Im Idealfall könnten kantonale Betreuungsgutscheine problemlos koexistieren mit den bereits vorhandenen kommunalen Subventionen. Dann würden sie sogar den finanziellen Aufwand der Gemeinden in dem Bereich senken, ohne ihren Handlungsspielraum stark einzuschränken.

Ausserhalb der Städte wiederum, wo das Angebot an Kinderbetreuungsmöglichkeiten nicht so dicht ist, und sich die Gemeinden mit Subventionen auch eher zurückhalten, könnten die Betreuungsgutscheine dazu beitragen, dem einen oder anderen Angebot zum Durchbruch verhelfen.

Der zweite Vorstoss, den SP, Grünliberale, Grüne, EVP und AL gemeinsam eingereicht haben, will auch die Gemeinden stärker in die Pflicht nehmen. Diese sollen – wie auch der Kanton – mindestens 20 Prozent an die Kosten eines bedarfsgerechten Betreuungsangebots für Kinder im Vorschulalter beisteuern.

Der dritte Vorstoss schliesslich fordert höhere Steuerabzüge für die Betreuungskosten, welche die Eltern selber tragen müssen.

Erstellt: 11.10.2019, 17:48 Uhr

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