Seuzach

Der lagerbierbrauende Brasilianer

Isac Alves kam vor neun Jahren in die Schweiz. Nun braut der gebürtige Brasilianer in Seuzach deutsches Bier, benannt nach einem amerikanischen Hund.

<b>Isac Alves in seinem Braukeller in Oberohringen:</b> Seit 2003 braut der «Brazuca» sein eigenes Bier.

Isac Alves in seinem Braukeller in Oberohringen: Seit 2003 braut der «Brazuca» sein eigenes Bier. Bild: Nathalie Guinand

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Isac Alves ist Brasilianer und wohl schweizerischer als so mancher Schweizer. Der Chromstahl seiner Brauanlage im Industriegebiet von Oberohringen glänzt, die Luft riecht leicht chlorig, am Boden spiegelt sich das Licht der Deckenlampen. Wer eintritt, muss seine Schuhe unter einem Wasserstrahl vom Schmutz befreien. «Bier brauen besteht zu 95 Prozent aus putzen», sagt Alves und grinst breit.

Aufgewachsen ist der 45-jährige Alves in Rio de Janeiro. Sein älteren Bruder, der in Rio eine Schweizerin geheiratet hat und Jahre später nach Genf gezogen ist, war der Grund für seinen ersten Schweiz-Besuch. Alves kam auf den Geschmack. Der Wandernarr verliebte sich in die Berge und die Natur. Als 2007 ein Jobangebot aus Lausanne eintrudelte, musste der IT-Spezialist nicht zweimal überlegen und zog in die Westschweiz: «Ein Traum wurde wahr.» Seit sieben Jahren wohnt und arbeitet Alves in Zürich. «Ich bin ein wirklich grosser Fan der Schweiz!», sagt der Vater von zwei Töchtern. Er mag neben der Natur auch das friedliche und organisierte Leben hier, welches einen Gegenpol zur südamerikanischen Hektik bildet.

Vor der Liebe zur Schweiz entdeckte Alves seine Liebe zum Bier: «Auf Geschäftsreisen machte ich erstmals Bekanntschaft mit der Biervielfalt Europas.» Im Jahr 2003 begann er angesichts der damaligen geschmacklichen Einöde in Brasiliens Bierregalen selber mit dem Brauen. «Wie ein Alchimist», erinnert sich Alves und lacht. Hunderte Male mischte er Wasser mit Malz, Hopfen und Hefe, bis er realistierte: «Was ich wirklich mag, ist Lagerbier.» Auch: Alves mag bittere Geschmäcker nicht und sein Credo lautet: «Ich produziere nichts, dass ich selber nicht mag.» Deshalb stellt er nun Lagerbier in allen möglichen Variationen her. Etwa dunkel, rot oder mit extra viel Hopfen.

Das bedeutet mehr Aufwand, sowohl zeitlich, wie auch finanziell. Denn der Bierstil Lager benötigt mehr Equipment und fast doppelt soviel Zeit für die Gärung als sogenannte Ales. Der Unteschied zwischen den Beiden Sorten sind die Hefearten. Beim Lager wird eine untergärige Hefe verwendet, bei Ales eine obergärige. Diese Bezeichnung bezieht sich einerseits auf die Art und Weise, wo sich die Hefe sammelt (auf dem Grund oder schwimmend), andererseits auch auf die Gärtemperatur, die bei der untergärigen standardmässig zwischen neun bis vierzehn Grad Celsius liegt und bei der obergärigen Hefe höher liegt.

Der Name von Alves’ Bier lautet «Budken». Ursprünglich wollte Alves sein Bier «Brazuca» nennen. So betiteln sich Exil-Brasilianer. Seine Tochter Isabella fand den Namen jedoch nicht gelungen. Als fürsorglicher Vater suchte Alves, einen Namen nach ihrem Geschmack. «Sie ist verrückt nach Hunden», sagt Alves. Da er das Logo mit einem B und einer Krone bereits in seinem Kopf hatte und dieses umsetzen wollte, war er begeistert im Internet den Cockerspaniel mit dem Namen «Budken» in den USA zu finden, welcher bereits verschiedene Schönheitspreise gewonnen hatte. Damit hatte er auch den Segen von Isabella.

Kaufen konnte man sein Bier in der Vergangenheit nicht. Nur geschenkt bekommen. Als Gegenleistung erwartete Alves von seinen Freunden lediglich ein Feedback. So habe er einiges über den Geschmack der Schweizer herausgefunden: «Die Leute hier wollen oft durch das Bier hindurchschauen können, also muss es gefiltert sein, ausserdem braucht es einen mittleren, cremigen Schaum.» Zu bittere oder zu süsses Biere seien hingegen nicht allzu beliebt. «Die Schweizer mögen es auch im Geschmack eher ausgeglichen», sagt Alves augenzwinkernd.

Die glasiggrüne Flasche mit den silbrigen Rändern auf der Etikette ist elegant und schlicht: «Ich will qualitativ gutes Bier, verpackt in einer Flasche, die ein Partygefühl vermittelt.» Alves kombiniert also das Aussehen der «Mainstream-Party-Biere» und ihre vermittelte Fröhlichkeit mit dem Geschmack eines Craft-Bieres. «Soweit ich weiss, bin ich der einzige, der diesen Ansatz ausprobiert.» 2018 will Alves seine Produktion vergrössern und sein Bier in grösserem Stil vertreiben.

Erstellt: 20.01.2017, 17:36 Uhr

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