Kläranlage

Der Ort nach dem stillen Örtchen

Am Samstag öffnet die modernisierte Kläranlage in Ellikon an der Thur ihre Türen. Neu wird dort das Abwasser von sieben Gemeinden gereinigt.

<b>Betriebsleiter Martin Luzi und Andy Karrer, Präsident der Betriebskommission,</b> vor der neuen Abwasserstrasse in der Kläranlage Ellikon an der Thur.  Hinter den Bäumen liegt die Thurgauer Gemeinde Uesslingen-Buch, deren Abwasser seit einigen Monaten auch in Ellikon gereinigt wird.

Betriebsleiter Martin Luzi und Andy Karrer, Präsident der Betriebskommission, vor der neuen Abwasserstrasse in der Kläranlage Ellikon an der Thur. Hinter den Bäumen liegt die Thurgauer Gemeinde Uesslingen-Buch, deren Abwasser seit einigen Monaten auch in Ellikon gereinigt wird. Bild: Heinz Diener

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Die WC-Spülung leistet wenig Widerstand, nahezu mühelos lässt sich die Taste betätigen. Das Wasser schwemmt das verrichtete Geschäft davon. Aus den Augen. Aber auch aus dem Sinn?

Nicht für Martin Luzi. Für den Betriebsleiter der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Ellikon an der Thur, ist die Spülung der Startschuss für seine Arbeit. Er muss das dreckige Wasser, oder die «Fracht» wie er im Fachjargon sagt, wieder sauber kriegen. Seit Anfang Jahr steht im dazu eine grössere Anlage zur Verfügung. 2010 hatten die Planungen dazu begonnen, zwei Jahre dauerte der Bau, 10,3 Millionen Franken kostete er laut Budget. Die vier Zürcher Gemeinden Dinhard, Ellikon, Rickenbach und Wiesendangen sowie die Thurgauer Gemeinden Frauenfeld und Gachnang gehörten bis anhin dem Zweckverband an. Neu ist auch noch Uesslingen-Buch (TG) dazugestossen. Es musste viel Wasser die Thur hinabfliessen, bis alle sieben Gemeinden über den nötigen Kredit abgestimmt hatten.

Sauberes Wasser in die Thur

Nun fliesst noch mehr Wasser die Thur hinab. Denn das saubere Wasser der Kläranlage wird neu in dieses Gewässer geleitet. Insgesamt drei Millionen Liter — pro Tag. Ein grüner Streifen zwischen den Ackerfeldern lässt erahnen, wo die neue, unterirdische Leitung für das gereinigte Wasser verläuft. Zuvor floss das gesäuberte Wasser in den nahegelegenen Älikerbach, das war für die Lebewesen darin allerdings nicht optimal. «Es geht dabei um den Mischeffekt», sagt Luzi. «In einem grösseren Fluss ist der Anteil von unserem Wasser prozentual kleiner als in einem kleinen Gewässer.»

Denn obwohl das Wasser sauber aus der Kläranlage kommt, ist es anders als das Flusswasser und kann durch sogenannte Mikroverunreinigungen zu Missbildungen oder Unfruchtbarkeit bei Fischen führen. Hormone aus Medikamenten sind daran schuld. Diese können in Ellikon auch mit der neuen Anlage nicht herausgelöst werden. Eine Pionieranlage die dazu fähig sein soll, steht derzeit einzig in Dübendorf.

Abwasser von 14 000 Personen

Der Hauptgrund für die Vergrösserung der Kläranlage war das Bevölkerungswachstum. Laut Andy Karrer, Präsident der Betriebskommission, kann die neue Anlage Abwasser von 14 000 Personen reinigen. Derzeit weist die Anlage mit 10 500 Personen noch einen Viertel ungenutzte Kapazität auf. Die modernisierte Anlage kann doppelt so viel Abwasser wie die alte bewältigen. Möglich macht dies unter anderem eine vierte Abwasserstrasse.

In diesen zirkuliert das Abwasser und durchläuft verschiedene Stufen. Zu Beginn filtert ein Rechen sichtbare Teile mit einer Grösse von bis zu sieben Millimeter raus. Danach folgt der physikalische Teil, man lässt das Wasser ruhen. Dadurch setzt sich der Fäkalschlamm durch sein Gewicht am Boden ab. Im «biologischen Abschnitt» werden Stoffe abgebaut, etwa Stickstoff, Harnstoff und Phosphate. Aufsteigende Luftblasen zeugen von diesem biologischen Prozess. Das saubere Wasser schwappt am Ende an den Seiten über und läuft durch die neue Leitung in der Thur.

Nebst der Leitung für das saubere Wasser ist im Keller des neugebauten Lagerraums auch bereits ein Rohr für die Firma Kellermann AG montiert. Der grösste Arbeitgeber der Gemeinde Ellikon an der Thur wird seine Gewächshäuser in naher Zukunft grösstenteils mit Wasserabwärme aus der Kläranlage beheizen. Die Kläranlage selber bezieht ihren Strom weiterhin zu einem guten Viertel aus Erdgas, das sie aus dem Fäkalschlamm zieht. Dank neuen Anlagen soll dieser Anteil gehalten werden. Der Schlamm wird danach verbrannt. Der grösste Teil im Kanton Zürich und ein Anteil, der den Abwassermassen aus den Thurgauer Gemeinden enspricht, in Bazenheid (SG).

«Zusammenhänge aufzeigen»

Neu ist auch der sogenannte Sandwascher im Hauptgebäude, der den Sand nach dem Goldsieb-Prinzip vom Wasser trennt. Mit diesem Sand kann allerdings kein Spielplatz gefüllt werden. Er landet aufgrund von chemischen Rückständen in einer Deponie. Am Tag der offenen Tür an diesem Samstag soll den Besuchern mittels Führungen der Umbau und die Funktionsweise der ARA aufgezeigt werden. Dabei will Luzi den Einwohnern der Verbandsgemeinden «bewusst machen, was hier für eine Dienstleistung erbracht wird.» Denn Kläranlagen existieren erst seit knapp 50 Jahren. Karrer sagt: «Noch vor 120 Jahren gab es in der Winterthurer Marktgasse einen offenen Kanal, in den man das Abwasser einfach hineingeschüttet hat. Das ist vielen nicht mehr bewusst.» Beide würden die Kläranlage auch gerne Schulklassen vorführen. «Um die Zusammenhänge ihres Handelns aufzuzeigen und Verständnis zu schaffen», sagt Luzi. Damit beim nächsten WC-Gang keine Fremdkörper in der Toilette landen.

Tag der offenen Tür: ARA Ellikon an der Thur, 22. April, 10 bis 16 Uhr. (Landbote)

Erstellt: 20.04.2017, 15:14 Uhr

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