Winterthur

Der Stewi zum Selberbauen

Der Winterthurer Wäscheständer-Hersteller ist zurück auf der Erfolgsstrasse und tüftelt an einem neuen Baukastensystem. Der Click soll der günstigste Stewi aller ­Zeiten werden – weil man ihn selbst zusammenbaut.

Kein Werkzeug nötig: Lorenz Fäh und Stephan Ebnöther mit dem Prototyp. Unten rechts: Aus zwei Flügeln wird ein Badewannentrockner.

Kein Werkzeug nötig: Lorenz Fäh und Stephan Ebnöther mit dem Prototyp. Unten rechts: Aus zwei Flügeln wird ein Badewannentrockner. Bild: Madeleine Schoder

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Seit Lorenz Fäh und Stephan Ebnöther vor gut einem Jahr Stewi übernommen haben, zeigen die Zahlen der zuvor arg angeschlagenen Traditionsfirma zum ersten Mal seit langer Zeit wieder nach oben. Umsatz und Gewinn wuchsen, und die Belegschaft stieg von 19 auf 25. Produziert werden am Firmensitz in der Grüze bisher die Klassiker, mit Namen wie Lady, Libelle oder Teleskop, Zeugen der Glanzzeiten der Sechziger- und der Siebzigerjahre, als der Firmengründer und Erfinder Walter Steiner das Zepter in der Hand hielt.

Was heute im Besprechungszimmer steht, ist dagegen eine komplette Neuentwicklung. Nächste Woche soll der Stewi Click den Grosskunden vorgestellt werden. Er ist «Made in Switzerland», aus leichtem Aluminium, und soll trotzdem günstiger sein als die Konkurrenz. «Wir wollten nicht bei der Qualität oder den Materialien sparen», sagt Ebnöther. Also spart Stewi bei der Montage: Der Kunde kauft einen Bausatz und montiert den Click selbst.

Ein vielseitiger Baukasten

«Das dauert keine fünf Minuten und braucht kein Werkzeug», verspricht Ebnöther. Die grossen, kreisförmigen Scharniere hat das Zentrum für Produkt- und Prozessentwicklung der ZHAW für Stewi entwickelt; sie sind patentiert. Durch sie wird das System modular: Die Flügel sind abnehmbar und lassen sich zu einem Badewannenständer zusammenstecken. Mit einem Bügel werden sie zum Balkonhänger. Wer will, kann den Ständer sogar zum Doppelstöcker umbauen.

Im Frühling 2019 soll der Click in den Handel kommen. 49 Franken wird das Basismodell kosten, 79 Franken das 3-in-1-Komplettset. Günstig soll das Modell auch für die Händler sein: Weil der Bausatz in kompakte Schachteln passt, bloss 13 Zentimeter breit, sparen sie teure Regalflächen. Und die Onlinehändler sparen Porto: «Bisher lassen sich viele unserer Wäscheständer nur teuer als Sperrgut verschicken», sagt Ebnöther.

«Dosenöffner» fürs Ausland

Der Onlinehandel ist ein Wachstumstreiber für Stewi – auch im firmeneigenen Webshop, erst ­wenige Monate alt, gehen täglich über 20 Bestellungen ein. Der zweite Wachstumsmarkt ist das Ausland. Und dort soll die neue Budgetlinie den «Büchsenöffner» spielen, wie Ebnöther sagt. «Viele grosse Abnehmer wären sehr interessiert an Stewi, denn es gibt kein anderes Produkt, das komplett in Europa gefertigt wird.» Doch ausgerechnet einen Flügeltrockner, die meistverkaufte Bauform in Europa, hatte Stewi bisher nicht im Sortiment.

Ebnöther und Fäh gehen mit dem Click ein Risiko ein: Sie schaffen teure neue Kunststoffspritzgussmaschinen an, um die bestehenden aus dem Jahr 1961 zu ergänzen. Als Sicherheit haben sie nichts mehr als Interessen­bekundungen der Grosshändler. Doch sie sind überzeugt: Der Click wird ein Hit. Mit ihm soll Stewi weiter wachsen. 10 bis 30 Prozent Umsatzsteigerung sind ihr Ziel – jedes Jahr. In der Produktionshalle in der Grüze ist noch Platz frei. (Der Landbote)

Erstellt: 05.05.2018, 09:13 Uhr

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