Winterthur

Die Axa winkt als potenzieller Pfadi-Hauptsponsor ab

Der Versicherer ist Namensgeber der Win4-Ballsporthalle. Als neuer Hauptsponsor von Pfadi Winterthur aber will er nicht einspringen. Die Axa setzt auf grosse Namen aus anderen Ligen.

Pfadi wird Schweizermeister: Starspieler Jae-Won Kang und Mäzen Peter Spälti feiern 1996 in der Zürcher Saalsporthalle.

Pfadi wird Schweizermeister: Starspieler Jae-Won Kang und Mäzen Peter Spälti feiern 1996 in der Zürcher Saalsporthalle. Bild: Heinz Diener

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«Mut, Initiative und Unternehmergeist»: Gemeinsame Tugenden und die «noch immer grosse lokale Verbundenheit» hatte die Axa im letzten Sommer offenbar dazu bewogen, Namens-Sponsor der neuen Win4-Ballsportarena zu werden. Wie hoch der dreijährige Vertrag dotiert ist, ist nicht bekannt. Für die Vereine und deren Juniorenteams, wird dadurch die Miete bezahlbar. Eine Halle für alle. «Genau das, was wir wollen», sagte Jürg Hofmann, Präsident des Win4-Verwaltungsrates und von Pfadi Winterthur damals erleichtert.

Die Axa-Arena ist auch die neue Heimspielstätte der Profi-Handballer. Die erste Mannschaft mischt in der obersten Liga derzeit zuoberst mit. Finanziell steht der Verein aber vor dem Konkurs. Immerhin: Über 70 Prozent der 400 000 Franken, die es bis Ende März braucht, um die Saison zu Ende spielen zu können, sind schon beisammen. Nachhaltig finanziert ist Pfadi aber längst nicht. Mitunter fehlt – wie auch dem FC Winterthur – ein potenter Hauptsponsor. Der bisherige hatte bis 2017 immerhin 150 000 Franken pro Jahr eingeschossen, sprang nach einem Besitzerwechsel aber ab («Der Landbote» berichtete).

Geld in den Spendentopf

Schon bei der Namenstaufe hatten die Vertreter der Axa abgewinkt, bei Pfadi nun als grosse Geldgeberin einzusteigen. Daran hat auch der Hilferuf des Vereins vor einem Monat nichts geändert. Das derzeitige Engagement auszubauen, sei kein Thema. «Wir verfolgen bei unserer Sponsoring-Strategie andere Prioritäten», heisst es auf Anfrage mit Verweis auf die jahrelange Unterstützung der Pfadi-Juniorenabteilung. Die Rettung des Vereins sei der Axa aber ein grosses Anliegen. Man habe sich an Pfadi4ever-Spendenaktion beteiligt. Zur «lokalen Verbundenheit» der Axa sei angemerkt: Mit rund 2700 Arbeitsplätzen ist sie die grösste private Arbeitgeberin in Winterthur. Serienmeister ist Pfadi in den 1990ern unter der Ägide des langjährigen Mäzens Peter Spälti geworden, dem Chef der «Winterthur», die später zur Axa-Winterthur wurde. Inzwischen ist die Axa sehr wohl wieder bereit, Spitzensport als Werbekanal zu nutzen und dafür tief in die Tasche zu greifen. Nicht lokal, aber global und vom Hauptsitz in Paris aus.

Über die «Reds» will die Axa in Asien bekannter werden.

Zwei grosse Marken

Letzten Herbst verkündete die Axa Gruppe stolz ihre neue Partnerschaft mit dem FC Liverpool, einem weltweit populären Spitzenclub. Nicht «Mut, Initiative und Unternehmergeist», sondern die «Strong winning culture»(Siegermentalität) und das Liverpool-Clubmotto «You'll never walk alone» den Ausschlag für den Sponsoring-Deal, wie der Axa-Chef für den Bereich Asien im Promo-Video herausstrich. Die direkte Botschaft an die Versicherten: «Die Axa lässt euch nicht im Stich.»

Und so spannen nun zwei globale Top-Marken zusammen. Die Axa gilt seit zehn Jahren als die wertvollste Versicherungsmarke der Welt, die Marke «FC Liverpool» wird mit über 900 Millionen US-Dollar bewertet. Der Verein spielt derzeit um den Titel in der Premier League mit, der berühmtesten und teuersten Fussball-Liga der Welt. Jährlich werden dort rund 4,5 Milliarden Pfund an Werbegeldern generiert. Das Axa-Liverpool-Paket umfasst Bandenwerbung, eine enge Zusammenarbeit mit dem Coaching- und Fitness-Staff und den Ausrüstern, um vereinsintern den gesunden Lebensstil zu fördern. Vor allem aber auch «nah am Kunden dran sein», sprich den Millionen von Fussballfans in Europa, aber vor allem in Asien. Dorthin begeben sich die weltweiten Top-Vereine seit Jahren auf Werbetour. Der FC Liverpool zum Beispiel veranstaltet in Hongkong ein Viererturnier. Bei mehreren Grossevents des Clubs in Asien ist künftig auch die Axa dabei. Asien ist für Versicherungen ein riesiger Wachstumsmarkt, allen voran China, aber auch Indonesien und die Philippinen.

Die Unterdeckung bei einem Todesfall in der Familie betrage dort gegen 50 Billionen Euro, und bis ins Jahr 2025 steige das Bruttoprämien-Potenzial auf zwei Billionen Euro an, angetrieben durch 900 Millionen neue Haushalte aus dem Mittelstand: Kennzahlen, die der Axa-Chef Thomas Buberl vor wenigen Monaten in seinem Referat am Axa-Investors-Day herausstrich – natürlich mit Verweis auf den neuen Sponsoren-Deal. Der FC Liverpool habe allein in Asien über 400 Millionen Social-Media-Follower.

Versicherungen kicken mit

Die Axa ist längst nicht der einzige Versicherer, der über den Spitzensport ein Millionenpublikum erreichen will. Der deutsche Krankenversicherer Barmenia schiesst bei Bayer Leverkusen als Hauptsponsor über fünf Millionen Euro pro Jahr ein, der FC Bayern bekommt von der Allianz gar noch etwas mehr. Diese sicherte sich 2014 für 110 Millionen Euro Anteile am Verein und ist seit Beginn weg Namensgeberin der Allianz-Arena. Bei Borussia Dortmund hält die Signal-Iduna-Gruppe, ein Finanzdienstleister und Versicherer, gut fünf Prozent der Aktien. Wie viel sich die Axa ihre neue Partnerschaft mit dem FC Liverpool kosten lässt, ist nicht bekannt.

Erstellt: 11.02.2019, 18:14 Uhr

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