Seuzach

Die Bevölkerung ist am Zug

Sollen Bibliothek und Kinderbetreuung in die Überbauung Schneckenwiese ziehen? Nun kann sich die schweigende Mehrheit zum 6, 5-Millionen-Kredit äussern.

Seuzachs neue Bibliothek wäre nach dem Wunsch des Gemeinderates im Haus Nord direkt an der Breitestrasse auf zwei Etagen und insgesamt 350 Quadratmetern untergebracht.

Seuzachs neue Bibliothek wäre nach dem Wunsch des Gemeinderates im Haus Nord direkt an der Breitestrasse auf zwei Etagen und insgesamt 350 Quadratmetern untergebracht. Bild: Visualisierung PD

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Noch liegt die Schneckenwiese unberührt da. Doch das wird sich bald ändern. In diesem Frühjahr will die Gaiwo-Genossenschaft hier mit dem Bau von drei fünfgeschossigen Gebäuden mit 56 Alterswohnungen beginnen. Im Februar 2021 soll die Alterssiedlung bezugsbereit sein. Das Stück Land, auf dem bis jetzt nur der gleichnamige Kindergarten steht, gehört der Gemeinde. Es liegt inmitten von Seuzach, nahe Post, Bushhalte­stelle, Alterszentrum und der Migros.

Die Überbauung und die Vergabe des Landes im Baurecht sind längst bewilligt. Am 10. Februar kann nun die Bevölkerung sich dazu äussern, ob Gemeindebibliothek, Hort, Mittagstisch und Kinderkrippe im Frühjahr 2021 in die Überbauung Schneckenwiese umziehen sollen.

«Einmalige Chance»

Dafür will die Gemeinde für 6,5 Millionen Franken Stockwerkeigentum in der Überbauung erwerben, Ausstattung und Möblierung eingerechnet.

«Seuzach bietet sich damit eine einmalige Chance», zeigt sich Gemeindepräsidentin Katharina Weibel (FDP) überzeugt. Es liessen sich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einerseits würden die Platzprobleme von Hort, Mittagstisch, Kinderkrippe und Bibliothek gelöst. Andererseits bekäme Seuzach endlich ein belebtes Zentrum.

In der Abstimmungsbroschüre ist von einem «urbanen, generationenübergreifenden und lebendigem Gebiet an zentraler Lage» die Rede. So sei es seinerzeit im Workshop Vision 2063 von der Bevölkerung gewünscht worden, ruft Weibel in Erinnerung.

Sie gibt auch zu bedenken, dass Hort, Mittagstisch und Kinderkrippe – kurz die Tagesstrukturen – heute alle in Mietliegenschaften untergebracht sind. Die Bibliothek befindet sich zwar in einer Liegenschaft der Gemeinde, doch diese müsste bald umfassend saniert werden.

Im beleuchtenden Bericht zur Abstimmung schreibt der Gemeinderat, dass er die Kinderbetreuung künftig nicht mehr selbst betreiben will. Die Räumlichkeiten auf der Schneckenweise sollen an einen externen Betreiber vermietet werden.

Defizitgarantien fallen weg

Kann sich die Gemeinde, die in letzter Zeit ihren Steuerfuss um 17 Prozentpunkte erhöht hat, dieses Projekt überhaupt leisten? Die Rechnungsprüfungskommission erteilt dem Kredit ihren Segen: Er sei finanziell angemessen, rechnerisch nachvollziehbar und finanzrechtlich zulässig. Damit könnten die Kinderbetreuung mit den «mittelfristig räumlich prekären Verhältnissen» an zentraler Lage gesichert und die sanierungsbedürftige Bibliothek nahtlos verlegt werden. Die jährlichen Folgekosten von 60 000 Franken seien angesichts des Wegfalles von Defizitgarantien moderat, so die RPK.

Zustimmung erfolgt auch von der FDP. Die GLP beschloss Stimmfreigabe. «Ich werde das Geschäft ablehnen», sagt Präsident David Jenni. «In unserer aktuellen finanziellen Lage ist es viel zu teuer.» Die CVP hat laut Präsident Andreas Dreisiebner noch keine Parole gefasst. «Meiner Meinung nach ist es aber ein sinnvolles Projekt mit professionelleren Strukturen an zentraler Lage.» Die übrigen Parteien waren gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Erstellt: 21.01.2019, 18:44 Uhr

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