Klimademo

«Die Botschaft ist angekommen»

Stadträtin Barbara Günthard (FDP) will die Anliegen der Klimademo in Winterthur ernst nehmen. Die Umweltvorsteherin erwartet Rückenwind für Massnahmen im Klimaschutz.

Stadträtin Barbara Günthard hat den Demonstrationszug am Samstag in Winterthur vom Strassenrand aus beobachtet und war beeindruckt.

Stadträtin Barbara Günthard hat den Demonstrationszug am Samstag in Winterthur vom Strassenrand aus beobachtet und war beeindruckt. Bild: Enzo Lopardo

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Frau Günthard, wie haben Sie als Stadträtin die Klimademo am Samstag erlebt?
Barbara Günthard: Ich habe kurz vor dem Start mit Initianten das Gespräch gesucht. Der Anlass war sehr gut organisiert und überall war die Stimmung friedlich und gut. Danach habe ich den eindrücklichen Demonstrationszug vom Strassenrand aus beobachtet. Und ich kann sagen: Die Botschaft ist angekommen.

Welche Botschaft meinen Sie konkret?
Dass die Politik den Klima- und Umweltschutz ernst nehmen soll. Es gibt keinen Plan B. Ich persönlich habe grosse Freude und eine hohe Achtung vor dem politischen Engagement der Schülerinnen und Schüler und der Bevölkerung. Viele der Demonstrierenden kannte ich persönlich.

Was sagen Sie als Politikerin zu den Forderungen?
Wir sind in Winterthur auf dem richtigen Weg. Im Jahr 2012 hat die Bevölkerung mit dem Gegenvorschlag zur Winergie-Initiative beschlossen, dass die Treibhausgasemissionen und der Energiekonsum deutlich sinken sollen. Das ist ein verbindlicher Auftrag, den wir mit verschiedenen Massnahmen im Energiekonzept umsetzen. Mit dem Label Energiestadt Gold gelten wir in dieser Hinsicht als Vorbild.

Wie wollen Sie das Klima besser schützen?
Wir haben mehrere Handlungsfelder definiert. Relativ gut unterwegs sind wir bei den Wärmedämmungen von Gebäuden. Luft nach oben gibt es hingegen beim Verkehr. Gerade im Binnenverkehr ist der Anteil an Verbrennungsmotoren immer noch hoch. Wir fördern deshalb den Langsamverkehr, etwa mit dem Bau der neuen Velounterführung beim Bahnhof. Ausbau-Potenzial gibt es zudem bei Wärmeverbünden, die nachhaltiges Heizen in Quartieren ermöglichen. Hier sind Anschubfinanzierungen über Steuergelder nötig, da die Investitionskosten hoch sind. Ein wichtiger Faktor ist aber auch das persönliche Engagement jedes Einzelnen. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Private setzen sich stark für die Umwelt ein. Dieses Engagement wollen wir mit Sensibilisierungsmassnahmen weiter fördern, so wie kürzlich im Bereich Ernährung.

Und da soll jetzt überall mehr geschehen?
Wir haben verbindliche Ziele, die uns die Bevölkerung gesetzt hat. Als Umweltvorsteherin ist es meine Aufgabe, diese zusammen mit dem Stadtrat, dem Gemeinderat und der Bevölkerung auch zu erreichen. Die Klimademo hilft uns, Massnahmen im Klimaschutz umzusetzen. Das gibt viel Rückenwind bei der täglichen Arbeit und freut mich.

Soll in Winterthur jetzt wie gefordert der Klimanotstand ausgerufen werden?
Als symbolischen Aufruf finde ich den Begriff gut, im Sinne von: «Hey, wir müssen etwas machen!» Als Politiker müssen wir dann aber auch umsetzbare Massnahmen definieren, die alle drei Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen: Soziales, Wirtschaft und die Ökologie. Bis jetzt haben wir im Klimaschutz eher die tief hängenden Früchte gepflückt. Weitere Massnahmen sind schwieriger umzusetzen und mit Geld oder Einschränkungen verbunden. Diese Diskussion müssen wir führen. Wichtig ist für mich, dass die Richtung stimmt und die Emissionen weiterhin zurückgehen.

Erstellt: 07.04.2019, 16:51 Uhr

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