Regierungsrat

Die FDP setzt klar auf Thomas Vogel

Die kantonale FDP will mit Thomas Vogel ihren zweiten Sitz im Regierungsrat verteidigen. Sie hat den 46-jährigen Fraktionschef gestern nominiert. Er liess die Konkurrenten weit hinter sich.

Euphorie nach Vogels Sieg bereits im ersten Wahlgang: Regierungsrätin Carmen Walker Späh und Thomas Vogel, das Duo der FDP.

Euphorie nach Vogels Sieg bereits im ersten Wahlgang: Regierungsrätin Carmen Walker Späh und Thomas Vogel, das Duo der FDP. Bild: Dominique Meienberg

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Erwartet worden war ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Thomas Vogel und Jörg Kündig. Doch es ist ganz anders gekommen: Die 226 Delegierten machten gestern Abend in Zürich bereits im ersten Wahlgang alles klar: Fraktionschef Vogel holte bei einem absoluten Mehr von 114 Stimmen deren 128. Kündig kam auf 58 und Farner auf 39 Stimmen.

«Ich bin total überwältigt», sagte der 46-jährige Vogel vor den Delegierten, die sich zu einer Standing Ovation erhoben. Das ihm entgegengebrachte Vertrauen sei Verpflichtung, fuhr Vogel fort. «Ich werde nun Vollgas geben», versprach er im Hinblick auf den bevorstehenden Wahlkampf.

Seinen beiden Mitbewerbern Kündig und Farner zollte Vogel Respekt. Sie hätten sich in der Roadshow als «harte Nüsse» und als «Freisinnige vom Scheitel bis zur Sohle» entpuppt. Vogels Freude ist verständlich. Mit der Nomination erhält er praktisch das Eintrittsbillett in den Regierungsrat.

Runde mit Eigenwerbung

Vor dem Wahlprozedere durften sich alle drei Bewerber während sieben Minuten vorstellen. Vogel strich seine «freisinnige DNA» hervor und seine Kenntnisse der politischen Mechanik.

Im Kanton gehe es nun darum, die bürgerliche Mehrheit zu bewahren, sonst werde die Linke mit der Zeit noch versuchen, die «Seegfrörni»zu bestimmen. Diese Bemerkung quittierte das Publikum mit Lachern. Lacher erntete Vogel auch, als er im Hinblick auf seinen Körperumfang sagte, er sei «sehr breit aufgestellt».

Als grösste Herausforderung bezeichnete der Fraktionschef das prognostizierte Bevölkerungswachstum. «Vieles funktioniert am Besten, wenn es nicht gesetzlich geregelt ist», sagte er weiter und schloss mit dem Satz: «Ich will mit Augenmass regieren.»

Diskussion ausgeglichen

Der 56-jährige Farner hob sein Unternehmertum hervor. Das Volk warte darauf, dass endlich wieder einmal ein Unternehmer in die Regierung komme. «Ich bin motiviert und im richtigen Alter», sagte er, und: «Als Regierungsrat will ich Ohren und Herz beim Volk haben.»

Kündig verwies bei seinem Vortrag auf seine militärische Führungsausbildung und trat entsprechend energisch auf. Der Dienst an der Öffentlichkeit ziehe sich wie ein roter Faden durch seinen Lebenslauf. Zudem verfüge er über ein Netzwerk, das sich von der Gemeinde, über den Kanton bis zum Bund erstrecke. «Mit mir erhalten Sie einen Kandidaten mit viel Power, Leidenschaft und Freude», sagte der 58-jährige Kündig und verwies auf seinen prall gefüllten Rucksack, den er für das Amt mitbringe.

«Vogel hat ein Kämpferherz und den freisinnigen Karren durch manches Jammertal gezogen.»Beat Walti, FDP-Fraktionschef im Nationalrat

Nach der Vorstellungsrunde musste das Bewerbertrio den Saal verlassen, damit die Delegierten unbefangen diskutieren könnten, wie Parteipräsident Hans-Jakob Boesch sagte. Die Diskussion verlief dann einigermassen ausgewogen.

Insgesamt meldeten sich 14 Votanten zu Wort. Vogel hatte etwas mehr Fürsprecher als seine Kollegen. Der FDP-Fraktionschef sei «eloquent und staatsmännisch» und vertrete die jüngere Generation, sagte eine Frau aus Vogels Wohngemeinde.

Beat Walti, Fraktionschef im Nationalrat, der Vogel durch lange politische Zusammenarbeit vom Kantonsrat her kennt, lobte Vogels unerschütterliche liberale Gesinnung. «Er hat ein Kämpferherz und den freisinnigen Karren durch manches Jammertal gezogen.» Ein Delegierter aus Zürich sprach auf Vogels jugendliches Alter an. Er könne länger als die anderen im Amt bleiben.

Farners Unterstützer strichen vor allem dessen Unternehmertum hervor. Die meisten amtierenden Regierungsräte hätten zuvor beim Staat gearbeitet, sagte eine Person mit stummem Verweis auf den Staatsangestellten Vogel. Darum brauche es jetzt einen Unternehmer im Regierungsrat. Ein Delegierter aus Gossau sagte über Kündig, dieser kenne die Vielfalt der Gemeinden. Ausserdem sei er eine parteiübergreifend anerkannte Persönlichkeit.

Auch Walker Späh nominiert

Dem Wahlprozedere voran ging die Nomination von Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh. Das Geschäft war reine Formsache. Carmen Walker Späh wurde durch eine Standing Ovation nominiert.

Die FDP hat als letzte im Kantonsrat vertretene Partei ihre Kandidaten für die Regierungsratswahlen vom 24. März 2019 nominiert. Im siebenköpfigen Gremium werden zwei Sitze frei: Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP) und Baudirektor Markus Kägi (SVP) treten nicht mehr an. Für die beiden frei werdenden Sitze bewerben sich Thomas Vogel (FDP), Natalie Rickli (SVP), Martin Neukom (Grüne), Jörg Mäder (GLP), Hanspeter Hugentobler (EVP), Rosmarie Quadranti (BDP), Walter Angst (AL) und Hans Egli (EDU). Wenn nicht alles täuscht, sind SVP und FDP in der Lage, ihre beiden Sitze zu verteidigen. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 04.10.2018, 22:49 Uhr

Kurzporträt Thomas Vogel

Unkompliziert und eloquent

Der 46-jäh­rige Thomas Vogel steht seit Jahren im Macht­zentrum der kantonalen FDP. Schon 2015 wollte er Regierungsrat werden, unterlag jedoch parteiintern Carmen Walker Späh. Manche sagen über ihn, Vogels Lebensziel sei es, Regierungsrat zu werden. Mit seiner gestrigen Nomination ist er diesem Ziel ein grosses Stück näher gekommen.
Dass er im Machtzentrum der Kantonalpartei steht, verdankt er in erster Linie seinem Knochenjob als Fraktionschef, den er seit zehn Jahren ausübt. Er übernahm den Vorsitz in einer Phase, als es der FDP schlecht lief. Heute geht es ihr deutlich besser. Vor vier Jahren konnte sie im Kantonsrat acht Mandate zulegen und ist mit 30 Sitzen drittstärkste Frak­tion hinter der SVP und der SP. Dieser Erfolg ist natürlich bei weitem nicht nur das Verdienst des Fraktionspräsidenten. Im Urteil vieler Freisinniger führt Vogel aber die Fraktion gut und hält sie zusammen. Sie war früher berüchtigt als «wilder Haufen von Individualisten». ­Vogel verweist stolz dar­auf, dass seine Fraktion mittlerweile zu den Geschlossensten gehört bei Abstimmungen im Kantonsrat.
Politisch ist Vogel in der FDP eingemittet, politisiert aber seit jungen Jahren mit Leidenschaft. An seinem Wohnort Illnau-Effretikon gründete er 1991 eine Jungliberalen-Sektion, als 22-Jähriger wurde er ins Stadtparlament gewählt, das er später auch präsidierte. 2007 wählte das Volk ihn erstmals in den Kantonsrat. Dort ist er auf­gefallen als umtriebiger Frak­tionschef und eloquenter Redner, dem auch die politischen Gegner zuhören, wenn er spricht. Bei den Medien ist er beliebt wegen seiner poin­tierten Aussagen. Wenn es sein muss, kann Vogel auch mal seine Verbündeten bei der SVP in den Senkel stellen.
Vogel ist inner­halb und aus­ser­halb der Partei gut vernetzt. Obwohl er in Illnau-Effretikon wohnt, verkörpert er einen urbanen, modernen Freisinn und kommt deshalb bei städtisch orientierten Freisinnigen und dem Parteinachwuchs gut an. Parteiübergreifend schätzt man seine unkomplizierte und gesellige Art. Als Staatsangestellter entspricht Vogel allerdings nicht dem FDP-Idealbild eines Unternehmers. Dies überspielt er locker durch seine intellektuellen Qualitäten. Vogel ist studierter Jurist und arbeitet als Mitglied der Geschäftsleitung des Zürcher Bezirks­gerichts, zuständig für Personalfragen. Nebenbei mischt er auch an der Spitze der Zürcher Sektion des Automobilclubs (ACS) mit und bezeichnet sich als leidenschaftlicher Formel-1-Liebhaber.

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