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«Die Flora darf kein Mausoleum sein»

Das Museum Villa Flora darf keinesfalls zum Mausoleum des Sammlerpaares Hahnloser werden. So weit herrschte Einigkeit an einem sonntäglichen Gespräch zum Thema: Braucht die Stadt drei Kunstmuseen? Und kann sie sich das leisten?

Mitte Mai entscheidet sich, wie es weiter geht.
Mitte Mai entscheidet sich, wie es weiter geht.
Enzo Lopardo

Stadtpräsident Michael Künzle gab den Kämpfer: Alles oder nichts, heisst sein Kampfmotto. Der Stadt- und der Regierungsrat haben sich für die sogenannte 3-Häuser-Strategie entschieden. Will sagen: Kunstmuseum, Museum Oskar Reinhart und die Villa Flora werden von einer Hand geführt, nämlich vom Kunstverein.

Das sei der einzige Weg, um das ganze Potenzial zu nutzen. Andere, mittlere Museen würden verschwinden, Winterthur aber würde in der Kunstwelt wachsen, davon ist Künzle überzeugt. SP-Gemeinderat Christoph Baumann übernahm die Rolle des Fragers. Bevor die SP am 22. Mai im Stadtparlament Ja oder Nein sage, müssten noch verschiedene Dinge geklärt werden: So müsse sichergestellt sein, dass die Gemälde regelmässig in neue Zusammenhänge gestellt würden.

«Man will nicht immer die gleichen Bilder sehen, das zieht kein Publikum an», sagte er: «Wir wollen attraktive Museen, wenn die Stadt so viel zusätzlich dafür ausgibt.» Und etwas provokativ fragte Baumann: «Wenn ich eine Velosammlung mit alten und modernen Rennrädern hätte und diese in eine Stiftung einbrächte, bekäme ich dann auch öffentliche Gelder, damit meine Velos immer herumkurven könnten?»

Der Rechner und der Macher

Tobias Guldimann war der Richtige für die Rolle des kühlen Rechners, der sagte: «Das Geld muss einfach reichen; man kann nicht immer mehr verlangen.» Der Finanzfachmann ist Präsident des Kunstvereins und antwortete auf Baumanns Fragen zur Attraktivität heutiger Museen: «Nur ein paar Bilder zeigen, das reicht nicht. Wir müssen heute viel mehr machen, damit die Leute kommen. Ganz sicher wollen wir die Flora nicht als Hahnloser-Mausoleum betreiben. Das wäre komplett falsch. Wir müssen die Flora zum Begegnungsort machen.»

Unterstützung bekam der Präsident von jenem Mann, der ab Sommer die Geschicke des Kunstvereins und der Museen leiten wird und gestern im Publikum sass: der designierte Direktor Konrad Bitterli. «Es gibt nichts Lebloseres als eine Sammlung, die immer die gleiche bleibt», sagte er. «Die Flora war früher schon ein Treffpunkt und soll das auch wieder werden.» Und die Kunstvermittlung will Bitterli stärker fördern: «Da liegt in Winterthur einiges brach.»

Und dann war da noch Bettina Hahnloser, Urenkelin des Sammler-Ehepaars, Ausschussmitglied in der Stiftung und (man hörte es) dem Berner Familienzweig zugehörig. Sie sagte, sie sei heute zuversichtlicher als noch vor ein paar Jahren, dass die Sammlung der Urgrosseltern in Winterthur bald wieder gezeigt werden könne. «Die ganze Familie würde sich darüber freuen.»

Ist das eine kleine Erpressung?

Das Gespräch im Kino Cameo auf dem Lagerplatz fand gestern im Anschluss an den Film über die Geschichte der Villa Flora statt. Das kleine Kino war voll, vornehmlich mit Flora-Freunden. Die Moderatorin, Kulturjournalistin Karin Salm, fragte dennoch frech und freundlich: «Ist das nicht eine kleine Erpressung, was der Stadtrat versucht: das Geld für drei Museen jetzt bewilligen, oder aber Totalschaden tritt ein? Und reicht das Geld? Immerhin habe ja der Berner Museums­direktor mit Winterthurer Wurzeln gewarnt, die Subvention sei knapp budgetiert für drei Häuser.

Stadtpräsident Künzle nahm das Wort Erpressung nicht auf, sondern sagte: «Ein Nein würde die Schliessung der Flora und wohl auch des Museums Oskar Reinhart bedeuten. Das wäre ein Schreckensszenario und ein Riesenschaden für die Stadt, die in Paris und Hamburg negativ in die Schlagzeilen käme.» Der andere Politiker auf dem Podium, Christoph Baumann, sah es weniger dramatisch: «Wenn der Gemeinderat am 22. Mai Nein sagen würde, könnte man zeitnah einen anderen Vorschlag ausarbeiten.»

Tobias Guldimann sagte zum Szenario nach einem Nein: «Es ist falsch zu sagen, es gebe keine Alternativen.» Wahrscheinlich aber sei dies: «Das Museum Oskar Reinhart muss schliessen, seine Bilder einlagern, und Winterthur muss einen neuen Zweck suchen für das Gebäude.»

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