Eishockey

Die gelungene Saisonpremiere des EHCW

Das 4:2 des EHC Winterthur zum Start der Swiss League gegen Thurgau ist der erste Sieg für das Team von Michel Zeiter im Jahr 2018. Diese Erkenntnis hilft, dem Überraschungserfolg nicht zuviel Gewicht zu geben.

Anthony Nigro erzielte in der Schlussphase die Tore, die dem EHCW den 4:2-Sieg gegen Thurgau einbrachten.

Anthony Nigro erzielte in der Schlussphase die Tore, die dem EHCW den 4:2-Sieg gegen Thurgau einbrachten. Bild: Madeleine Schoder

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Der Jubel unter den EHCW Spielern und der Minderheit der fast 1400 Zuschauer in der Güttingersreuti in Weinfelden war gross, als die Schlusssirene ertönte: 4:2 hatten die Winterthurer zum Saisonauftakt gewonnen, und das gegen den Erzrivalen Thurgau. Das ist keine Selbstverständlichkeit: Letzte Saison hatten sie den Nachbarn nur in zwei von sieben Partien besiegt, in der Güttingersreuti hatten sie seit dem Aufstieg vor dreieinhalb Jahren bis am Samstag überhaupt erst einmal gewonnen.Das war am 28. Dezember letzten Jahres. Jener Sieg war gleichzeitig auch der letzte des EHCW 2017/18, es folgten bis zum Saisonende 17 Niederlagen. Das 4:2 am Samstag war damit auch der erste Erfolg des EHCW in einem Meisterschaftsspiel im Jahr 2018. Deshalb hatte Trainer Michel Zeiter schon recht, als er danach sagte: «Ich bin stolz auf meine Mannschaft. Aber es ist erst ein Match gespielt.» Denn er weiss: Gut in die Saison gestartet ist der EHCW fast immer, seit er in der zweithöchsten Liga spielt. Um die Playoffs zu erreichen, darf er sich aber keine derart langen Durststrecken mehr erlauben wie in den vergangenen Jahren.

Faktor Guggisberg

Weil diese allzu langen Phasen der Erfolglosigkeit bisher noch immer gekommen sind, sobald die Bäume ohne Blätter dastanden, muss man den ersten Winterthurer Erfolg in der neuen Saison vorsichtig interpretieren, auch wenn eine höher eingestufte Mannschaft geschlagen worden ist. Was man sagen kann: Die Winterthurer haben in der Güttingersreuti zumindest angedeutet, dass die Sache anders laufen könnte als in anderen Jahren.

Ein erster Hinweis darauf ist, dass eine ganz andere Mannschaft auf dem Eis stand. Das Matchblatt umfasste im Vergleich zur letzten Saison 13 neue Namen. Ganz oben auf der Liste stand Tim Guggisberg, der Goalie, der letzte Woche erst 21-jährig geworden ist. Er war erst im August als Ersatz für den verletzten Fabio Haller gekommen, bekam schon im Startspiel den Vorzug vor dem arrivierten Remo Oehninger und machte seine Sache hervorragend: 37 Schüsse wehrte er ab, was eine Quote von 94,87 Prozent ergabe, und er wurde zum besten Spieler seines Teams gewählt.

Dass Guggisberg beginne, sei «schon lange so abgemacht gewesen», erläuterte Trainer Zeiter. «Im Cupspiel am Dienstag gegen Zug spielt dann Oehninger.» Dass Oehninger einer der besseren Goalies der Swiss League ist, weiss man. Neu ist, dass Zeiter ihm auch mal eine Pause geben kann, ohne dass die Performance des Teams leidet. Das müsste sich positiv auswirken. Denn einen starken Goalie, das wird der EHCW auch diese Saison brauchen, wenn er gewinnen will. Daas hat man im ersten Spiel auch gesehen.

In Schlüsselmomenten besser

Guggisberg war jedenfalls einer der bedeutendsten Faktoren auf dem Weg zum Winterthurer Sieg in Weinfelden. Andere waren die Nerven und die Kraft, ein enges Spiel für sich zu entscheiden, genau das also, was letzte Saison sehr oft nicht geklappt hat. Am Samstag schon. «Wir waren in den Schlüsselmomenten des Spiels besser», urteilte Zeiter. «Entscheidend war, dass wir während der doppelten Unterzahl gut gestanden sind und einen starken Guggisberg hatten.» Das war in der 54. Minute, beim Stand von 2:2. Nach exakt 57 Minuten hatten die Winterthurer ihrerseits zwei Mann mehr auf dem Eis und Anthony Nigro nutzte das zum «Gamewinner», dem Tor zum 3:2 – unter Mithilfe von Thurgau-Goalie Janick Schwendener, der den Puck selber ins Tor lenkte. Da hatte der EHCW gewiss auch Glück.

«Gut spielten wir das Powerplay nicht. Aber wir waren effizient.» EHCW-Trainer Michel Zeiter

Nigro, der neue Kanadier, liess sich dann auch den Schuss ins leere Tor zum 4:2 gutschreiben. Tanner Sorenson, der neue Amerikaner, hatte zu Beginn des Schlussdrittels zum 2:2 ausgeglichen. Eine Premiere ist ja auch, dass der EHCW mit zwei ausländischen Verstärkungen in die Saison startet. Nachdem sie in der Vorbereitungsphase nicht immer überzeugt hatten, mag es Zeiter auch auch in seiner Funktion als Sportchef beruhigt haben, dass die Nordamerikaner das taten, wozu sie engagiert wurden: Sie schossen die Tore, die ein solches Spiel auf die Seite des EHCW kippen liess. Nigro und Sorenson waren in der Schlussphase jedenfalls präsenter als auf der Gegenseite Kenneth Ryan und Cody Wydo, die eher in der ersten Hälfte des Spiels glänzten.

Thurgaus Chancenplus

Aber auch das ist nur eine Momentaufnahme. Fakt ist jedoch: Thurgau hatte über 60 Minuten ein Chancenplus, litt aber offensichtlich darunter, dass die Topskorer der letzten Saison nicht mehr dabei waren. Die Winterthurer erarbeiteten sich auf der anderen Seite mit zunehmender Spieldauer immer mehr Überzahlsituationen, weil sie sich besser bewegten als das Heimteam. Zwei dieser Powerplays wurden danach ausgenutzt, wobei Zeiter einschränkte: «Gut spielten wir das Powerplay nicht. Aber wir waren effizient.» Bei Thurgau hätte man es umgekehrt ausdrücken können. Am Schluss, als auch der eine oder andere Winterthurer bestraft wurde, brannte es mehrmals vor Guggisberg, aber es schlug nicht mehr ein.

Der EHCW hatte an diesem Abend auch das nötige Wettkampfglück. Ob das so ist oder nicht, kann eine Mannschaft nicht beeinflussen. Wohl aber kann sie alles Nötige unternehmen, um bereit zu sein, wenn sich die Chance bietet. Das haben die Winterthurer getan, und sie haben zugegriffen, als es soweit war. So darf es durchaus weitergehen.

(Der Landbote)

Erstellt: 16.09.2018, 18:51 Uhr

Telegramm

HC Thurgau – EHCW 2:4 (1:1, 1:0, 0:3)

Güttingersreuti. – 1400 Zuschauer. – SR Lemelin/Gäumann; Kehrli/Schlegel. – Tore: 12. Staiger ( Molina, Nigro) 0:1. 16. Michael Loosli (Ryan, El Assaoui/Ausschluss Alihodzic) 1:1. 32. Wydo (Vogel, Michael Loosli/Ausschluss Staiger) 2:1. 42. Sorenson (Bozon, Küng/Ausschluss El Assaoui) 2:2. 57. (57:00) Nigro (Küng, Ranov/Ausschlüsse Seiler, Rundquist) 2:3. 60. (59:24) Nigro (Staiger, Kobach; ins leere Tor/Ausschluss Blaser!) 2:4. - Strafen: 9x2 gegen Thurgau, 6x2 plus 1x10 (Blaser) gegen den EHCW.

Thurgau: Schwendener; El Assaoui, Collenberg; Seiler, Parati; Hänggi, Steinauer; Gurtner; Wydo, Ryan, Michael Loosli; Merola, Vogel, Frei; Fabio Hollenstein, Rundquist, Arnold; Zanzi, Brändli, Bahar; Janik Loosli.

EHCW: Guggisberg; Blaser, Kobach; Molina, Küng; Roos, Pozzorini; Guerra, Schmutz; Sorenson, Keller, Wieser; Staiger, Nigro, Bozon; Ranov, Alihodzic, Schmidli; Martikainen, Allevi, Scherz.

Bemerkungen: Thurgau ohne Moser und Wildhaber (verletzt) sowie Moosmann, Engeler, Bertsche, Rattagi und Kellenberger (überzählig). EHCW ohne Homberger (krank) und Jonski (mit B-Lizenz bei Dübendorf/MySports League). 34. Lattenschuss Merola. 52:58 Time-out Thurgau. Thurgau von 58:24 bis 59:24 ohne Torhüter.

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