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Die Halle 53 streckt die Jungkunst auf XXL-Format

Mit dem Umzug in die Halle 53 am Katharina-Sulzer-Platz ist bei der Jungkunst alles noch einmal eine Nummer grösser. Gegen 10 000 Besucher werden diese Woche erwartet. Nur Kunst gibt es nicht mehr als bisher zu sehen.

Die Ausstellung Jungkunst hat ein Jahr pausiert und ist nun in die Halle 53 auf dem Sulzer-Areal gezügelt.
Die Ausstellung Jungkunst hat ein Jahr pausiert und ist nun in die Halle 53 auf dem Sulzer-Areal gezügelt.
Nathalie Guinand
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Samstag, früher Nachmittag: Nach einer Kunstausstellung sieht es noch nicht aus in der Halle 53, zwei Tage vor dem Pre-Opening, aber immerhin nach einem Grossevent. «Wir liegen im Zeitplan», sagt Andreas Schmuck, und wirkt dabei tiefenentspannt. Das Wichtigste passiere gerade, die Kunst werde angeliefert und installiert.

Es ist bereits die 11. Jungkunst für Schmucki, der zu den drei Gründern gehört. 3500 Besucher zählte der erste Event anno 2006, damals noch im Stiftenhimmel der City-Halle, 158 Treppenstiege über Boden. Als diese Halle zur Bibliothek der ZHAW umgebaut wurde, musste die Jungkunst weichen. Sie fand schräg vis-à-vis für vier Jahre eine Bleibe in der Halle 52. Nun ist auch diese Halle eine Baustelle und die Jungkunst, nach einem Jahr Pause, in der Halle 53 angekommen, der Industriehalle der Superlative.

Bloss keine Messeatmosphäre

Die Ausstellungsfläche ist auf einen Schlag 3700 auf 6000 Quadratmeter gewachsen. 10 000 Besucher erwarten Schmucki und seine Mitstreiter. Kunst allerdings gibt es nicht mehr zu sehen als in früheren Jahren. 27 Nachwuchstalente aus der Schweiz stellen aus. «Wir würden zwar locker 200 Künstler in die Halle bringen, aber das wollen wir nicht», sagt Schmucki. «Wir sind eine kuratierte Ausstellung und keine Messe.»

Ein paar Veränderungen bringt der Extra-Raum aber schon: Statt einer Bar, wie bisher, gibt es jetzt zwei – auch eine unbeschallte, wohin man sich zurückziehen kann. Die Bühne, mit Musikprogramm und Slam-Poetry, ist gewachsen. Und dann hatten auch die fünf Schiffscontainer locker Platz, in denen die Sonderausstellung zum Thema Game-Design gezeigt wird – und wo man die Games auch ausprobieren kann. Die Verspieltheit zieht sich wie ein roter Faden durch die Halle. Da hängen zu Schaukeln umfunktionierte Palette von der Decke. Und Mahtola Wittmer, eine junge Künstlerin, klebt Abbilder von verwitterten, ambivalenten Strassenmarkierungen auf den Boden der sonst als Parkhaus genutzten Halle.

Was war schon da? Was ist Kunst, was Einrichtung? Diese Fragen wollen die Jungkunst-Macher ganz bewusst provozieren. Die Halle ist selbst Teil der Inszenierung. Das war an der Jungkunst schon immer so. Viele Konzepte haben die Jahre überdauert. Die Bilder sind auch in der Halle 53 an grossen Baunetzen befestigt, die von der Decke hängen. «Wir wollen diese Transluzenz», sagt Schmucki. Für die Wirkung der Halle einerseits, aber auch, damit sich die Besucher beim Kunstanschauen gegenseitig beobachten können. Sehen und Gesehen-Werden – die Jungkunst ist ein Event. Viele Besucher sind gar nicht kunstaffin, wie die Veranstalter aus Befragungen wissen.

In vielem ist die riesige Halle auch eine Herausforderung. Der Prozess mit Gebäudeversicherung und Feuerpolizei war aufwendig, wie Schmucki sagt. Und zum Heizen sind acht Ölbrenner nötig. Wie davor mit Fernwärme zu heizen, sei nicht möglich gewesen. «Von Stadtwerk hiess es, unser Wärmebedarf sei zu gross». Die Idee, stattdessen mit Holzpellets CO2-neutral zu heizen, wurde verworfen. «Das wäre nicht finanzierbar gewesen», sagt Schmucki.

Verknüpfte Schicksale

Die Isolation ist das grösste Problem der alten Sulzer-Halle, für welche die Stadt als Eigentümerin einen langfristigen Nutzer für zehn bis zwanzig Jahre sucht. Rund zehn Konzepte sollen eingereicht worden sein. Im Dezember will der Stadtrat die Finalisten wählen, im nächsten Frühling über den Zuschlag entscheiden.

Viel Beachtung hat bereits im Vorfeld ein Projekt von Musikkollegium-Direktor Samuel Roth gefunden, der eine gemeinsame Trägerschaft mit verschiedenen Institutionen anstrebt. Roth hat die Jungkunst in seine Pläne eingebunden. Auch andere Bewerber für die Nutzung der Halle haben die Jungkunst-Organisatoren kontaktiert. Für Schmucki ist die Zukunft des Events bereits untrennbar mit dem neuen Standort verbunden. Alternativen gebe es in Winterthur nach der Umnutzung der Industrieareale keine mehr. «Ohne diese Halle stirbt die Jungkunst», so Schmucki.

Die 11. Jungkunst dauert vom 26. bis 29. Oktober, der reguläre Eintritt beträgt 15 Franken. Heute Abend findet ab 18.30 Uhr das Pre-Opening statt, mit der Möglichkeit, die Exponate vorab zu erwerben, es ist für Gönner und Sponsoren gratis, alle anderen zahlen 80 Franken. www.jungkunst.ch

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