Stadtrat Winterthur

«Die Konkurrenten sind nicht wählbar»

EDU-Gemeinderat Zeno Dähler will sich als Alternative zu Annetta Steiner (GLP) und Kaspar Bopp (SP) im Wahlkampf um den frei werdenden Stadtratssitz positionieren. Er sehe etwa die Klimafrage völlig anders.

EDU-Gemeinderat Zeno Dähler ist seit 2012 im Gemeinderat aktiv. Nun tritt er erstmals für den Stadtrat an.

EDU-Gemeinderat Zeno Dähler ist seit 2012 im Gemeinderat aktiv. Nun tritt er erstmals für den Stadtrat an. Bild: Enzo Lopardo

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Zeno Dähler, Sie schalten sich relativ spät in diesen Wahlkampf ein. Weshalb?

Als mir klar wurde, dass kein bürgerlicher Kandidat antritt, habe ich mich gefragt: Ist eine der Kandidierenden für mich wählbar? Und ich musste sagen: nein. Da war für mich klar, ich muss selber antreten.

Waren Sie enttäuscht vom Verzicht der SVP?

Ich fand das einfach schwach. Andererseits habe ich ein gewisses Verständnis. Es ist ein Wackelsitz. Niemand will Gefahr laufen, wieder abgewählt zu werden. Ich als ungebundener Junggeselle kann das wagen.

Weshalb sind Annetta Steiner und Kaspar Bopp für Sie nicht wählbar?

Ein wichtiger Punkt ist ihre Haltung in der Klimadebatte. Ich bin der Meinung, es braucht Verkehrslösungen für alle, auch für den motorisierten Individualverkehr. Insbesondere müssen wir genügend Parkplätze zur Verfügung stellen. Aus meiner Sicht können wir Menschen auf den Klimawandel ohnehin nur sehr wenig Einfluss nehmen.

Sind Sie auch der Meinung, der Klimawandel sei nicht menschengemacht?

Ob der Mensch einen Einfluss hat, weiss ich nicht. Sicher nicht zu 100 Prozent. Mit Verzicht können wir kaum etwas bewirken. Das Klima wandelt sich seit eh und je, das ist normal.

Wir müssen also überhaupt nicht reagieren?

Doch, schon. Wir müssen etwa überlegen, wie wir sicherstellen, dass alle genügend ernährt werden können. Aber Einschränkungen beim Verkehr sehe ich nicht.

Sie sind gläubig und bezeichnen sich als gesellschaftspolitisch konservativ. Spielte es in den Überlegungen für Ihre Kandidatur eine Rolle, dass Annetta Steiner in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft lebt?

Ich kann nicht sagen, dass es keine Rolle gespielt hat, ich habe mir Gedanken dazu gemacht. Aber es spielte keine entscheidende Rolle. Gott liebt alle Menschen und die Bibel sagt auch, wir sollten unsere Mitmenschen lieben. Wir alle machen Fehler. Darum darf das kein Grund sein. Es war mehr eine Sympathiefrage, Annetta Steiner ist mir einfach nicht sympathisch.

Eine sehr unverblümte Aussage. Hätte Ihre Entscheidung anders ausgesehen, wenn jemand anders aus der GLP kandidiert hätte?

Hätte Michael Zeugin kandidiert, wäre ich nicht angetreten. Ich würde es so formulieren: Bei der GLP ist es die Person, die ich nicht unterstützen kann, bei der SP die Partei.

Was ist Ihr Ziel mit dieser Kandidatur?

Ich möchte gerne den zweiten Wahlgang erreichen.

Tatsächliche Wahlchancen rechnen Sie sich nicht aus?

Nein, aber ich kann eine Alternative bieten.

Macht es denn bei einer solchen Ausgangslage Sinn, einen zweiten Wahlgang herbeizuführen, der viel Aufwand generiert und die Allgemeinheit viel kostet?

Ich finde schon. Dadurch verlängert sich die politische Diskussion. Die Frage, wer im Stadtrat Einsitz nimmt, muss gut diskutiert werden.

Wie viele Stimmen trauen Sie sich zu?

Keine Ahnung, das kann ich nicht einschätzen.

Erhalten Sie von anderen Parteien Unterstützung?

Darüber haben wir noch nicht gesprochen, das muss ich in den nächsten Tagen klären.

Sie könnten das berühmte Zünglein an der Waage spielen. Was glauben Sie denn, wer eher Stimmen an Sie verlieren wird, Annetta Steiner oder Kaspar Bopp?

Eher Annetta Steiner.

Wie viel Zeit und Geld wollen Sie in den Wahlkampf stecken?

Zeit gebe ich, so viel ich kann. Geld dagegen ist keines vorhanden. Auch bei der Partei nicht, die den Kantonsratswahlkampf finanzieren musste.

Erstellt: 24.05.2019, 18:11 Uhr

Kommentar

Der Kandidat entlarvt sich selbst

Es gibt sinnvollere Aussenseiterkandidaturen als die Bewerbung des EDU-Politikers Zeno Dähler um einen Sitz im Stadtrat. Dass Exekutivämter auch Kleinparteien offenstehen – selbst wenn diese eher extreme Positionen vertreten –, ist zwar unerlässlich für eine funktionierende Demokratie. Und es ist eine Tatsache, dass in Winterthur mit dem Verzicht der SVP auf die Stadtratswahlen eine bürgerliche Lücke im Feld der Anwärter klaffte. Trotzdem ist Dählers Kandidatur kein konstruktiver Beitrag zur politischen Kultur, sondern eher das Gegenteil. Und sie ist aussichtslos.

Dass er keine Chance hat, weiss Dähler selbst. Er sagt es offen, wenn auch mit dem Beisatz, er trete an, um «den Wählern eine Alternative zu bieten». Es ist eine beliebte Floskel in der Politik, denn sie tönt demokratisch. Nik Gugger von der EVP sagte das Gleiche, als er seine Bewerbung für den Ständerat ankündigte. Der Unterschied ist: Gugger nutzt die Kandidatur als Plattform, um in den ordentlichen Wahlen für sich und die Themen seiner Partei zu werben. In Winterthur aber finden am 7. Juni keine Parlamentswahlen statt. Dähler produziert sich unnötig selbst und schafft es, eine verquere Floskel ganz ad absurdum zu führen.

Schwerer wiegt: Dähler kandidiert aus unlauteren Motiven. Er schwächt, wenn überhaupt, die GLP und damit genau jene Kandidatur, die der bürgerlichen Ratsseite nähersteht. Das ist nicht nur politisch unklug, es ist ein offener Affront. Dähler tut es, weil ihm die Grünliberale Kandidatin Annetta Steiner nicht passt, die mit einer Frau in einer Partnerschaft lebt. Eine persönliche Antipathie aber ist keine Grundlage für eine Stadtratskandidatur, sie ist eine Disqualifikation für den Kandidaten.
Marc Leutenegger, Leiter Ressort Stadt

Zur Person

Zeno Dähler ist 42-jährig, Junggeselle und wohnt im Mattenbachquartier. Er politisiert seit 2012 im Gemeinderat, zuerst fraktionslos, seit 2014 gehört er der CVP-Fraktion an. Er sagt von sich selbst, er politisiere rechts der Mitte. Wirtschaftlich sei er liberal und gesellschaftspolitisch konservativ eingestellt.

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