FCW

Die leidige Geschichte wiederholt sich

Auch im zweiten Anlauf in dieser Saison hat es der FCW nicht geschafft, einem zweiten einen dritten Sieg in der Liga folgen zu lassen. Dieses 0:1 gegen den FC Chiasso war eine noch wesentlich bitterere Pille als das 1:1 gegen den SC Kriens Mitte August.

Eine der wenigen Chancen des FCW, das mutmasslich erlösende 1:0 zu erzielen, vergab Taulant Seferi vor Chiassos Goalie Anthony Mossi.

Eine der wenigen Chancen des FCW, das mutmasslich erlösende 1:0 zu erzielen, vergab Taulant Seferi vor Chiassos Goalie Anthony Mossi. Bild: Marc Dahinden

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Davide Callà, der FCW-Captain, hatte schon vorher gesagt: «Das Spiel gegen Kriens muss uns eine Lehre sein.» Es sollte sich also nicht wiederholen, dass der FCW zuerst zweimal gewinnt und dies durchaus überzeugend. Und dann auf eigenem Platz gegen einen hierarchisch tiefer eingestuften, allerdings unangenehmen Gegner nicht gewinnt – oder gar verliert. Gegen den FC Chiasso, der mit seiner teilweise destruktiven Spielweise noch unangenehmer war als die taktisch sauberen Krienser, wäre gemäss Spielverlauf schon ein Unentschieden eine Enttäuschung gewesen, erst recht war das die Niederlage.Aber es hat sich die Geschichte eben wiederholt, in einer gesteigerten Variante gar. Es passte auch dazu, dass ein Schiedsrichter da war, der Anlass zu (berechtigtem) Ärger lieferte. Diesmal wars nicht David Schärli, der stand «nur» als vierter Mann an der Seitenlinie. Diesmal war es der katarische Internationale Khamis Al-Marri. Er wirkte nicht, als durchschaue er die destruktive Art der Tessiner – es war eben nicht ein «Freundschaftsspiel» wie FCW – Chiasso in der letzten Runde im Mai 2017, es war ein harter Punktekampf. El-Marri verwarnte beispielsweise Callà zu Unrecht, was diesen nun daran hindert, in einer Woche in Aarau anzutreten. Er liess – mögen sie es in seiner Schweizer Entourage auch anders gesehen haben – mit fünf Minuten eindeutig zu wenig lange nachspielen, bei acht Wechseln und «Verletzungs»-Pausen noch in der Verlängerung. Aber er war nicht verantwortlich in jener (spielentscheidenden) Beziehung, welche die Winterthurer – auch ihr Trainer – hinterher als Hauptgrund lieferten: Das Tor Zoran Josipovics in der 69. Minute war nicht nur fein herausgespielt und noch besser abgeschlossen, es war vor allem auch nicht abseits.

Chiassos entscheidende Szene

Es war möglich, weil die über eine Stunde klar dominierten Tessiner für einmal Raum zu einem Gegenangriff fanden. Den nutzte der bei Halbzeit eingewechselte Rumäne Nicolae Milinceanu zu einem direkten weiten Pass auf Josipovic. Der stand zwar auf der Abseitsgrenze, aber eben nicht darüber hinaus. Vor allem stand er günstiger zum Ball als Gegner Gabriel Isik. Er lief dann kurz bis an die Strafraumgrenze und drosch den Ball aus vollem Lauf in die rechte hohe Torecke. Aus Sicht des FC Chiassos wars eine perfekte Sache, für die Winterthurer ein Stich ins Herz.

Die Reaktion des FCW – oder zumindest der Versuch dazu – blieb nicht aus, Loose schickte neue Offensivkräfte. Allein, es hilft alles nichts, wenn dann der eingewechselte Luka Sliskovic alleine auf Torhüter Anthony Mossi zulaufen kann, aber statt des «sicheren» Abschlusses einen von Unsicherheit zeugenden und unpräzisen Querpass zu Manuel Sutter spielt. Der erreicht den Ball nicht, die klarste aller Torchancen ist vergeben. Natürlich hätten die Winterthurer, mal durch Taulant Seferi nach einem Abpraller alleine vor Mossi schon in der Anfangsphase, Gelegenheiten gehabt, das mutmasslich erlösende 1:0 zu erzielen oder später wenigstens das 1:1. Aber im Verhältnis zum Aufwand war die Zahl der erfolgsträchtigen Torszenen doch bescheiden.

Das Ende einer langen Serie

Was aus Tessiner Sicht ein «perfekter Match» war, entwickelte sich aus Winterthurer Perspektive immer mehr zum Klassiker: Mit dem Favoriten, der sich zwar bemüht, aber nicht wie gewünscht ins Spiel kommt, auch seine Chancen nicht nutzt – und dann gar noch einen K.o.-Schlag kassiert. Ähnlich war es gewesen, als der FCW zum bis an diesem Samstag letzten Mal ein Heimspiel gegen Chiasso verlor. Im Februar 2011 waren die Tessiner, nach ihrem heute letzten Aufstieg, als Neuling auf die Schützenwiese gekommen. Sie waren mit einem 1:1 zufrieden – und dann traf Verteidiger Sandro Reclari mit einem Weitschuss in der Nachspielzeit zum 1:2. Seither hat der FCW von 14 Treffen mit den Tessinern auf der Schützi keines verloren. Eine Woche zuvor war in Vaduz eine lange negative Serie des FCW zu Ende gegangen. Damals hatte er auch das Glück, das ihm diesmal fehlte.

Dass gegen Chiasso also ein keineswegs unbekanntes Szenario wiederholen konnte, lag selbstverständlich auch am FCW. Grundsätzlich ist zu sagen, er habe eben zum zweiten Mal in dieser Saison mehr oder minder deutlich angedeutete Fortschritte nicht bestätigt. Oder anders formuliert: Man darf zwar guten Gewissens sagen, er sei stabiler und stärker als in den beiden missratenen letzten Saisons, aber er sei doch noch nicht ganz so weit, so gut wie man zwischendurch gehofft hatte. Wie eben nach dem mitreissenden 4:0 in Rapperswil-Jona oder nun nach dem starken 2:1 gegen den Aufstiegsfavoriten aus Lausanne. Und es war natürlich auch kein Zufall, dass die zweite Enttäuschung wieder gegen einen eher «Kleinen», vor allem aber auch ganz auf Defensive ausgerichteten Gegner eintraf.

Es war das Spiel, in dem Ralf Loose gleich aufgestellt hatte wie zuletzt. Er hatte also Granit Lekaj wieder als Rechts-, Gabriel Isik als Innenverteidiger aufgestellt, weil ja noch auf Wochen hinaus Denis Markaj zu ersetzen ist. Grundsätzlich war das ja wieder nicht schlecht, aber auch nicht besser als eine Woche zuvor in Vaduz, als Isik als Rechtsverteidiger für den früh ausgefallenen Markaj eingewechselt wurde, Lekaj aber im Zentrum blieb. Am Mittwoch gegen Lausanne war Lekaj ein solider Rechtsverteidiger, Isik ein guter Innenverteidiger – allerdings mit Ausnahme einzelner Szenen gegen den Kopfballspezialisten Simone Rapp. Beim Gegentor verlor Isik simpel das Kopfballduell mit Rapp. Und nun gegen Chiasso liess er sich vor dem Tor von Josipovic düpieren; ganz abgesehen davon, dass Lekaj als Aussenverteidiger zwar defensiv sehr stabil ist, aber nach vorne weniger an Schnelligkeit einbringt – was wiederum gegen Gegner wie Chiasso schlecht ist. Da hätte man auf den Flanken gerne welche, die das Tempo forcieren können. Da muss sich Loose also etwas überlegen, ob er den schnelleren Isik wieder rechts bringt oder mit Nicolas Stettler einen «gelernten» Aussenverteidiger.

Trotz allem – ein gutes Viertel

Gegen Chiasso war aber auch ein Manko an Durchschlagskraft im Gebiet des gegnerischen Strafraums festzustellen. Seferi konnte seine Leistung gegen Lausanne nicht wiederholen. Es gab auch kaum Weitschüsse, die ab und zu eine bessere Lösung gewesen wären als schwierige Durchspiele gegen eine sehr massierte Deckung. Man erinnert sich ja: Gegen Lausanne löste Ousmane Doumbias den Knoten mit einem Weitschuss zum 1:0. Es war diesmal kein schlechter Zug, den schnellen, leichtfüssigen Doumbia nach Lekajs Auswechslung auf die rechte Flanke zu stellen. Nur hätte er dort mehr gesucht werden müssen. Und es auch, wie Tobias Schättin feststellte, «zu oft die Präzision beim letzten Pass.»

So hat der FCW nach der ersten Heimniederlage unter Ralf Loose also die bisher grösste Enttäuschung der Saison zu verarbeiten. Die Bilanz nach dem ersten Meisterschaftsviertel ist danach mit 14 Punkten und Platz 4 nicht so verheissungsvoll wie sie mit 17 Punkten und Platz 2 gewesen wäre. Aber es waren seit Einführung der Zehnerliga 2012 nur fünf von 24 Vierteln besser als dieses 25. und erste unter Ralf Loose. Also ist die erste Zwischenbilanz doch so solide besser als vor einem Jahr, dass sie eine klare Steigerung zeigt. Denn wie stand der FCW nach neun Runden 2017? Mit nur sechs Pünktchen auf Platz 9. Und auch wenn verlockend war, gegen Chiasso die englische Woche mit dem Maximum von neun oder wenigstens sieben Punkten zu beenden, so ist jetzt festzuhalten: So viele Punkte wie der FCW mit seinen sechs hat keine andere Mannschaft aus diesen drei Runden geholt.

Erstellt: 30.09.2018, 19:56 Uhr

Telegramm

FC Winterthur – FC Chiasso 0:1 (0:0)
Schützenwiese. – 3500 Zuschauer. – SR Khamis Al-Marri (Katar). – Tor: 69. Josipovic 0:1. – FCW: Spiegel; Lekaj (76. Sutter), Isik, Hajrovic, Schättin (76. Wild); Arnold, Doumbia; Callà, Gazzetta (68. Roberto Alves), Radice; Seferi (68. Sliskovic). – Chiasso: Mossi; Gennari, Martignoni, Ajeti (64. Lurati), Monighetti; Malinowski (74. Belometti), Charlier (68. Guidotti), Kabacalman, Padula; Carvalho (46. Milinceanu), Josipovic. – Bemerkungen: FCW ohne Roth (am Knie operiert), Markaj (am Knöchel operiert), Gele (am Knöchel operiert), Schmid (verletzt) und Nikola Milosavljevic (U21); Sutter nach seiner Einwechslung Sturmspitze, Doumbia rechter Aussenläufer. – Chiasso ohne Rey (verletzt), Alessandrini und Guerchadi (nicht im Aufgebot). – Verwarnungen: 33. Callà (??; fürs Spiel in … Aarau gesperrt). 38. Charlier (Foul).

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