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«Die Natur kann durch Schönheit Kraft geben»

Ein Felssturz Ende Januar bei der Tüfels Chilen regte bei vielen die Fantasie an. Auch für Förster Hans-Ulrich Menzi ist es ein spezieller Ort.

«Ich schaue das ganz nüchtern an.» Hans-Ulrich Menzi ist Leiter Forstrevier Ost der Stadt Winterthur.

«Ich schaue das ganz nüchtern an.» Hans-Ulrich Menzi ist Leiter Forstrevier Ost der Stadt Winterthur.

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Herr Menzi, Sie sind als Förster regelmässig bei der Tüfels Chilen und wohnen in der Nähe. Haben Sie dort schon mal etwas erlebt, das Sie sich nicht erklären können?
Hans-Ulrich Menzi: Ja, das habe ich. Ich habe schon gesehen, dass Spaziergänger oder Wanderer Abfall hinterlassen haben. Das verstehe ich nicht.

Kürzlich hat eine Leserin geschrieben, sie habe oberhalb der Tüfels Chilen als Kind den Leibhaftigen gesehen.
Ich kann es nachvollziehen, dass der Ort viele fasziniert. Es ist auch besonders schön dort. Für mich hat das aber nichts mit Mystik zu tun. Ich finde vor allem auch die Geschichte der Tüfels Chilen spannend.

An was denken Sie?
Es gibt verschiedene Hinweise, die überliefert sind. Etwa dass die Stadt Winterthur den Ort im 18. Jahrhundert kaufte, um dort Tuffstein abzubauen. Das passte der Obrigkeit in Zürich aber nicht: Sie wollte die Steine ebenfalls nutzen, da diese damals als Baumaterial wertvoll waren.

Woher wissen Sie das?
Man findet im Stadtarchiv einzelne Hinweise dazu. Eine Zusammenfassung gibt es aber nicht. Die Tüfels Chilen wird zudem im Höhlenkataster der ETH erwähnt. Und im Naturmuseum liegen sogar Überreste eines Hirschs, der dort gefunden wurde. Nun könnte man sich fragen, wie der Hirsch damals in die Grotte gekommen ist. Ist er alleine gestorben oder hat ihn ein anderes Tier als Beute verschleppt?

Das klingt unheimlich!
Ich schaue das ganz nüchtern an. Es sind erklärbare Ereignisse. Es kommt immer darauf an, was jemand sehen will.

Die Tüfels Chilen gilt als Kraftort. Können Sie das nachvollziehen?
Ich habe zwar noch nie ein spezielles Kribbeln in den Füssen oder Ähnliches gespürt. Aber die Natur kann durch ihre Schönheit durchaus Kraft geben. Ein Waldspaziergang gibt Energie.

Haben Sie herausgefunden, weshalb die Tüfels Chilen so heisst?
Ganz genau weiss man es nicht. Unerklärliches wurde früher öfter mit dem Teufel in Verbindung gebracht. Die beiden Wörter verstärken sich zudem gegenseitig durch ihren Widerspruch. Vielleicht wusste man nicht, wie der Tuffstein entsteht. Vielleicht kommt der Name von der Form der damaligen Grotte. Chilen könnte aber auch mit dem Wort Küche zu tun haben.

Warum dürfen Spaziergänger die treppenförmigen Steine der Tüfels Chilen nicht betreten?
Es ist ein Naturschutzgebiet. Dort darf man die Wege grundsätzlich nicht verlassen. Nur leider wissen das viele nicht.

Ist der Wald für Sie ein mystischer Ort?
Das nicht. Aber es gibt immer wieder spezielle, einmalige Momente. Zum Beispiel wenn ich im Winter unerwartet einen Seidelbast entdecke, die purpur blüht. Oder als ich Haareis gesehen habe und zuerst dachte, es sei Plastik. Haareis ist ganz feingliedrig und entsteht, wenn in einem vollgesogenen Ast bei Minusgraden Wasser verdunstet.

Drohen nach dem Felssturz von Ende Januar weitere Abbrüche?
Da das Gestein porös ist, kommt es immer wieder zu Abbrüchen. Der Weg sollte dadurch aber nicht gefährdet sein, da er nicht direkt untendurch führt. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es in der Natur aber nie.

Ist es schlimm, dass die Tüfels Chilen nach dem Felssturz anders aussieht?
Nein, das gehört zur Natur und ermöglicht wieder neue Formen. Unsere Gesellschaft reagiert sehr sensibel auf Veränderungen in der Natur. Gleichzeitig war wohl noch nie vor uns eine Gesellschaft so weit weg von der Natur wie wir heute.

(Landbote)

Erstellt: 04.02.2017, 10:57 Uhr

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