Elgg

Die neue «oberste Kümmerin»

Seit Mai hat das Pflegezentrum Eulachtal mit Maria Hofer-Fausch eine neue Leiterin. Erfahrung sammelte diese in Österreich, wo alles ähnlich und doch anders läuft.

Die Stelle als Leiterin des Pflegezentrums Eulachtal war für Maria Hofer-Fausch, wie eine Nadel im Heuhaufen zu finden.

Die Stelle als Leiterin des Pflegezentrums Eulachtal war für Maria Hofer-Fausch, wie eine Nadel im Heuhaufen zu finden. Bild: Johanna Bossart

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Mit 28 Jahren war Maria Hofer-Fausch Chefin über 136 Betten und ebenso viele Mitarbeitende. Ein Altersheimverbund in ihrem Heimatland Österreich suchte eine Leitung und Hofer-Fausch dachte sich: «Ich probier es einfach mal.» Sie kannte die Einrichtung aus früheren Arbeitseinsätzen, war aber in der Zwischenzeit in die Schweiz gezogen.

Zuvor hatte sie Public Management an der Fachhochschule Technikum Kärnten studiert. Eigentlich mit dem Ziel, Gemeindeschreiberin zu werden. Dann arbeitete sie als Projektmanagerin für EU-Forschungsprojekte, bevor sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Studiengangsleiterin an der ZHAW am Institut für Verwaltungsmanagement landete.

Seit Mai leitet die heute 38-Jährige nun das Pflegezentrum Eulachtal in Elgg – das grösste der fünf Häuser, die zur Pflege Eulachtal gehören.

Mitarbeiter waren gefordert

«Vom Finanziellen her war die Entscheidung, in Österreich zu arbeiten, vielleicht nicht ganz nachvollziehbar», sagt Hofer-Fausch über ihren Entschluss damals mit 28. Aber eine Organisation mit sozialem Auftrag, die besondere Atmosphäre und die Gestaltungsmöglichkeiten hätten sie gereizt.

Sie leitete den Verbund über sieben Jahre hinweg. Einfach war es nicht immer. Es sei eine Zeit der Veränderungin der Heimlandschaft gewesen, sagt sie: «Es gab Sparmassnahmen und wir mussten als junges Führungsteam viele Restrukturierungen durchführen und gleichzeitig für fachliche Weiterentwicklung sorgen.» Da sich vorher lange nicht viel bewegt hatte, seien die Mitarbeitenden sehr gefordert gewesen.

«Es geht in einem Pflegeheim nicht nur um Versorgung, sondern auch ums Leben und Haltgeben.»Maria Hofer-Fausch

Hofer-Fausch begleitete den Bau eines neuen Hauses, löste die Dreibettzimmer auf, führte mehr Controlling und die Bezugspflege ein, da die Betreuung von Menschen mit Demenz zunahm. «Es geht in einem Pflegeheim nicht nur um Versorgung, sondern auch ums Leben und Haltgeben», sagt sie. Sie gewann einen Sinnstifterpreis – Mitarbeitende schlugen sie vor. Dann kam ihr Sohn zur Welt und sie zog wieder ganz nach Wiesendangen, von wo sie bisher gependelt war.

Als sie überlegt habe, wie sie hier Fuss fassen könnte, war die Stelle in Elgg ausgeschrieben. «Das war ein Die-Nadel-im-Heuhaufen-finden-Moment», sagt sie. Gefallen hätten ihr die Ausrichtung der Pflege Eulachtal auf spezifische Zielgruppen und die verschiedenen Wohnformen unter einem Dach. Sie bewarb sich – und machte das Rennen. Im Mai übernahm Hofer-Fausch die Leitung des Pflegezentrums von Johannes Baumann, der weiterhin Gesamtleiter der Pflege Eulachtal ist.

Haben die Mitarbeitenden in Elgg nun auch eine komplette Restrukturierung zu befürchten? «Nein, das Pflegezentrum ist sehr gut aufgestellt und ich bin im Moment sowieso noch in der Luege-Lose-Verstah-Phase», sagt Hofer-Fausch. Abläufe und Leute kennen lernen hätten die oberste Priorität.

Ihr sei das Miteinander der verschiedenen Bereiche sehr wichtig. In ihrem Menschenbild gehe sie immer davon aus, dass die Menschen die nötige Leidenschaft und Kompetenz für ihre Arbeit besässen und selbstständig mitdächten. «Das ist in Elgg aber bereits so», sagt sie.

Nebst ihrem 60-Prozent-Pensum bringt sich Hofer-Fausch in der Wiesendanger Kirchgemeinde ein und versucht, viel draussen zu sein: «Laufen, jäten, Haupt­sache, nicht drin», sagt sie.

Heim müsse bestehen können

Hofer-Fausch sieht sich in Elgg als «oberste Kümmerin»: «Bei mir laufen die Fäden zusammen und ich muss steuern, wenn es in eine andere Richtung gehen soll.» Beschäftigen werden sie in diesem Jahr die Bauarbeiten im Haus: Im Untergrund entsteht eine neue Wäscherei und die technischen Anlagen werden saniert. Auch die Spitex Elsau-Schlatt, die seit kurzem in die Pflege Eulachtal integriert ist, hat Hofer-Fausch unter sich.

«Bei mir laufen die Fäden zusammen und ich muss steuern, wenn es in eine andere Richtung gehen soll.»Maria Hofer-Fausch

«Eine generelle Herausforderung ist es, das richtige Personal zu finden», sagt sie. Die Bedürfnisse der Bewohner und der Mitarbeitenden gelte es gleichermassen im Auge zu behalten. Aber auch die restliche Bevölkerung will Hofer-Fausch im Blick haben, da denkt sie betriebswirtschaftlich: «Gibt es neue Bedürfnisse, die wir abdecken könnten? Wo könnten wir allenfalls innovativ sein?» Im Unterschied zu Oberösterreich sei die Pflege hier nicht zentralistisch gesteuert. «Der Markt ist frei, ein Heim muss bestehen können.»

(Der Landbote)

Erstellt: 23.06.2018, 11:12 Uhr

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