Elsau

Die neue Siedlung kann kommen

Lange und emotional diskutierten die Elsauer an ihrer Gemeindeversammlung über die Einzonung des Gebiets Rietwisen. Die mehr als 300 Personen entschieden am Ende deutlich.

160 neue Wohnungen sollen auf dem Gebiet Rietwisen entstehen. Erreichen wird man das Quartier aber nur über bereits bestehende Strassen.

160 neue Wohnungen sollen auf dem Gebiet Rietwisen entstehen. Erreichen wird man das Quartier aber nur über bereits bestehende Strassen. Bild: Marc Dahinden

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Nur ein Thema diskutierten die Elsauer an der Gemeindeversammlung vom Donnerstag, dafür dieses um so hitziger: die Einzonung des Gebiets Rietwisen. Rekordverdächtige 305 Stimmberechtigte fanden sich in der Mehrzweckhalle ein, um über die neue Bau- und Zonenordnung zu befinden. Sämtliche anderen Punkte in der revidierten Vorlage schienen unbestritten, niemand wünschte das Wort.

«Sie wollen wachsen –
ich will es nicht»
Stimmberechtigter
Elsau

Zwischen dem Bahnhof Räterschen und dem Bahnhof Schottikon gelegen, soll auf dem östlichen Teil der Rietwisen ein neues Quartier mit rund 160 Wohnungen entstehen. Dafür musste es am Donnerstag aus der Reserve- in eine Wohnzone umgeteilt werden. Die neue Siedlung soll einen grossen Teil an die 900 Einwohner beisteuern, um die Elsau in den nächsten fünfzehn Jahren wachsen soll, wenn es nach dem Gemeinderat geht.

«Nicht nur an sich denken»

«Sie wollen wachsen – ich will es nicht», erklärte ein Anwesender, der sich bald als Anwohner der Rietwisen herausstellte und die Einzonung vehement ablehnte: «Wir sind heute schon mit Winterthur zusammengewachsen. Wenn wir unseren Dorfcharakter behalten wollen, dürfen wir nicht weiter wachsen.»

Hochbauvorsteher Ueli Renggli erklärte, die Gemeinde brauche den strategischen Spielraum, um das zu erhalten, was sie habe. «Wir sind keine Turbos, wir haben uns alles zweimal überlegt.» Gemeindepräsident Jürg Frutiger fügte an, dass man auch an nachkommende Generationen denken soll: «Sie wollen auch gestalten, wir sollten ihnen die Möglichkeit geben.» Man dürfe nicht nur an sich selbst denken.

Angst vor Lärm und Verkehr

Ein Befürworter hatte zur Untermauerung seiner Argumente sogar eigene Folien mitgebracht. Damit zeigte er die bauliche Entwicklung der Gemeinde auf: Aus einzelnen kleinen Dörfer entstand seit 1930 ein zusammenhängendes Gebilde. «Früher war Elsau tatsächlich zersiedelt, heute ist es zusammengewachsen und die Rietwisen ist eine der letzten Flächen, die man darin noch auffüllen kann.»

Mit dieser Äusserung zog er den Zorn eines weiteren Votanten auf sich, der sich über seine «Gleichgültigkeit» beschwerte: «Ich habe noch auf der Rietwisen gchrampfet und das könnte man heute auch noch gut. Das ist eine gute Wiese, sie muss nicht aufgefüllt werden.» Er wolle seinen Nachkommen kein zubetoniertes Elsau hinterlassen.

«Ich bin aufs Land gezogen,
 weil ich es ruhig haben wollte.»
Stimmberechtigter 
Elsau

Ein Argument, das mehrere Anwesende aufnahmen, war die Verkehrfsführung. Da eine neue Verbindung von der St. Gallerstrasse her nicht möglich ist, wird man das neue Quartier nur über bestehende Strassen erreichen können. «Ich bin aufs Land gezogen, weil ich es ruhig haben wollte, aber es wird immer lärmiger», sagte ein Anwohner der Schottikerstrasse, der vor allem während der Bauzeit mit mehr Lärm rechnet. «Wieso kann man nicht dort bauen, wo es eine direkte Zufahrt gibt?», fragte er.

So einfach sei das nicht, antwortete ihm Berater Philipp Rütsche von TBB Ingenieure. Nebst privatem Bauland gebe es in Elsau nur noch zwei grössere Flächen, die der Gemeinde gehörten: die Gebiete Tafelacker und Rietwisen. Eine Einzonung des Tafelackers lehnte der Kanton ab.

3,5 Millionen pro Jahr

Wie denn die Prognosen für den Steuerfuss aussähen, wollte jemand wissen. Laut Frutiger rechnet Elsau mit einmaligen Einnahmen von rund 5 Millionen Franken und jährlich wiederkehrenden von rund 3,5 Millionen. Letztere setzen sich unter anderem aus Steuern und Ressourcenausgleich zusammen. Er relativierte jedoch: «Der Ertrag ist einfach zu berechnen, beim Aufwand ist es schwieriger.» Man vermute aber, dass etwas übrig bleibe.

Nach mehr als zwei Stunden Diskussion fragte ein Anwesender an, ob er einen Rückweisungsantrag nur für den Punkt Rietwisen stellen könne. Konnte er nicht, wie Gemeindeschreiber Ruedi Wellauer wusste. Nur ein Geschäft als Ganzes kann zurückgewiesen werden. Daraufhin stellte jemand den Antrag, über die Einzonung einzeln abzustimmen. Das war zwar erlaubt, die Versammlung lehnte jedoch mit 185 zu 106 Stimmen ab.

Nachdem die Diskussion noch einmal kurz aufflackerte, stellte kurz nach elf Uhr ein hörbar entnervter Elsauer einen Antrag auf Abbruch der Diskussion, der mit grossem Mehr angenommen wurde. Mit 184 zu 100 Stimmen bewilligten die Elsauer schliesslich ihre neue Bau- und Zonenordnung samt neuem Bauland. ()

Erstellt: 22.09.2017, 16:57 Uhr

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