Winterthur

Die schönste Nebensache und ihre unschönen Nebensachen

FCZ-Legende und Ex-Nationalspieler Daniel Gygax und Andreas Mösli, Geschäftsführer des FCW, waren zu Gast beim Stadtalk in der Coalmine-Bar. Es war ein Gespräch zweier Charaktertypen.

Trauerten auch guten alten Zeiten nach. Daniel Gygax (links) und Andreas Mösli (rechts). Dazwischen Moderator Michael  Zollinger.

Trauerten auch guten alten Zeiten nach. Daniel Gygax (links) und Andreas Mösli (rechts). Dazwischen Moderator Michael Zollinger. Bild: Donato Caspari

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Daniel Gygax rennt im roten Trikot des FC Winterthur auf dem Rasen der Schützenwiese umher, spielt sich frei, verlangt den Ball. Er ist für eine Saison vom FC Zürich an den FCW ausgeliehen, weil er sich dort mit einem gewissen Gilbert Gress nur bedingt versteht. Andreas Mösli hält ein Bier in der Hand, steht in der Kurve und feuert die Mannschaft an.Das war vor 16 Jahren. Am Donnerstag trafen sich die beiden erneut. Moderator Michael Zollinger lud sie zur Stadtalk-Reihe in die Coalmine-Bar. Gygax erinnert sich noch gut an die Zeit beim FCW: «Ich war in der RS und rannte jeweils in Militärmontur von der Schützi zum Bahnhof.»

Zwei Umbrüche

Der gebürtige Aargauer hat es seither weit gebracht. Er stieg zum Nationalspieler auf, nahm an drei Endrunden teil, gewann den Schweizer Cup und spielte in Frankreich, Deutschland und der Schweiz jeweils in den beiden höchsten Ligen. Nun hat er seine Karriere beendet. Auf die kommende Saison spielt er in der 1. Liga bei Zug94 und trainiert dessen U13-Mannschaft.

Auch beim FC Winterthur gibt es auf die neue Saison hin Umbrüche. Einerseits in der Mannschaft – bisher sieben Neuzugänge – andererseits auch finanziell. Der langjährige Präsident Hannes W. Keller und die damit verbundene «Defizitgarantie» ist weg. Man ist auf der Suche nach neuen Sponsoren. «Es ist schwierig», sagt Mösli. «Früher war das anders.»

Trotz neuen Herausforderungen sind beide vom Sport fasziniert. «Als Kind kickst du in irgend einen Gegenstand und schon spielst du Fussball», sagt Mösli. Das Fussballfeld ist für ihn eine Welt imKleinformat. «Es gibt wenige Orte, wo sich alt und jung, dick und dünn, reich und arm, begegnen.» Im Bereich der Integration sei das eine grosse Chance. «Fussball hat sehr wenig mit Glamour zu tun, die grosse Mehrheit der Vereine steht für einen anderen, bodenständigeren Fussball», sagt er.

Gygax, mit bald 35 Jahren ein Senior im Fussballbusiness, spricht oft wie ein solcher. «Früher war das Geschäft anders», sagt er mehr als einmal. Insbesondere beim Geld: Er habe bei Vereinswechseln stets auch auf das «Flair» einer Stadt Rücksicht genommen. Für aktuelle Transfers, wie den von Xherdan Shaqiri in die englische Provinz, äussert er trocken ein gewisses Verständnis: «Wenn du sechs Kisten pro Jahr verdienen kannst, ist es scheissegal, wenn es den ganzen Tag schifft.»

Freigeist Gygax beneidet die heutigen Profis in Zeiten von Smartphones nicht. «Heute kannst du nicht mehr in einem Club feiern gehen, weil dich jemand fotografiert und das Bild an ein Boulevard-Blatt schickt, um Geld zu kassieren», sagt der Ex-Fussballprofi und langjährige Techno-DJ.

«Heimliche Super League»

Mösli ist sportlicher Erfolg nicht suspekt, aber nicht jedes Mittel scheint ihm dafür angebracht: «Auch ich träume davon, eines Tages aufzusteigen, aber wir wollen dafür nicht über Leichen gehen, sondern jeden Tag seriös arbeiten.» Angesichts des Teilnehmerfeldes der nächsten Saison, kann man beinahe froh sein, letzte Saison nicht aufgestiegen zu sein. Von der «heimlichen Super League» spricht Mösli in diesem Zusammenhang.

Vor allem das Derby gegen den FC Zürich steht dabei im Zentrum. Die Organisation dieses Spiels geht er optimistisch an. «Angst ist ein schlechter Ratgeber, wir wollen ein grosses Fussballfest veranstalten.» Der FCW trifft sich deshalb regelmässig mit der Polizei, um sich über die Sicherheitslage zu beraten. Für Gygax, der mit dem FCZ Cupsieger wurde und dort noch heute Kultstatus geniesst, war der Abstieg ein Drama, an dessen Möglichkeit er bis kurz vor Schluss selber nicht geglaubt hatte.

«Mein FCZ-Herz hofft auf den direkten Wiederaufstieg, aber es wird extrem schwer.» Kleiner Trost für ihn: Die Frauen des FCZ sind amtierender Schweizer Meister und Cupsieger. Das diesen Sommer neugegründete Winterthurer Pendant startet neu in der 3. Liga.

(Landbote)

Erstellt: 01.07.2016, 15:03 Uhr

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