Wila

«Die Schüler haben plötzlich ‹Grüezi› gesagt»

Jenny Keller war vor wenigen Jahren Schülerin an der Sekundarschule Wila. Jetzt ist die 19-Jährige dort Finanzvorsteherin. Sie ist als Schulpflegerin gut gestartet.

Jenny Keller im Sekundarschulhaus Wila, wo sie zur Schule gegangen ist.

Jenny Keller im Sekundarschulhaus Wila, wo sie zur Schule gegangen ist. Bild: Madeleine Schoder

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Die neue Schulpflegerin kennt manche Lehrerinnen und Lehrer in der Sekundarschule Wila bestens: Es ist noch nicht lange her, da sass sie bei manchen von ihnen im Unterricht. Seit einiger Zeit haben sich die Rollen geändert. Im April 2018 wurde Jenny Keller mit 520 Stimmen konkurrenzlos in die Schulpflege gewählt. Sie war damals 18 Jahre jung und sollte bald ihre Ausbildung zur Kauffrau abschliessen.

Ihre neue Verantwortung ist gross: Als Finanzvorsteherin der Sekundarschule Wila ist sie für ein Millionenbudget zuständig. Die Aufgabe der fünfköpfigen Schulpflege ist es, die Schule zu leiten und zu beaufsichtigen. Dieses Jahr sind Ausgaben von rund 2,7 Millionen Franken geplant.

Jenny Keller nimmt das alles gelassen. «Ich bin ja nicht alleine», sagt sie. Nicht nur ihre Amtskollegen und das Sekretariat würden sie sehr gut unterstützten. Bei Bedarf könne sie auch beim Frauenforum Tösstal und Umgebung um Rat fragen.

Das Frauenforum im Rücken

Das Frauenforum spielte schon bei ihrer Kandidatur eine entscheidende Rolle. Denn dort ist etwa Gisela Wahl Mitglied, die Präsidentin der Primarschulpflege Wila. Sie hat Jenny Keller angefragt, ob sie sich eine Kandidatur vorstellen könne. «Ich war zuerst völlig überrascht», sagt die 19-Jährige. Doch nach weiteren Gesprächen mit Mitgliedern des Frauenforums und mit dem Präsidenten der Sekundarschulpflege, Felix Adelmeyer, fühlte sie sich bestärkt. Hinzu kam, dass in Tösstaler Behörden nur wenige Frauen vertreten sind. «Viele trauen sich eine Kandidatur wahrscheinlich zu wenig zu oder ziehen diese gar nicht in Betracht», sagt Jenny Keller. Sie wollte es anders machen und kandidierte als Parteilose.

Die Versammlung applaudiert

Zum Gespräch mit dem «Landbote» erscheint die junge Schulpflegerin gut vorbereitet. Auf einem A4-Blatt hat Jenny Keller ihre wichtigsten Botschaften aufgeschrieben. Ähnlich ist sie unlängst vor der Präsentation ihres ersten Schulbudgets vorgegangen. Mehrmals hat sie ihre Rede durchgesprochen und sich zudem überlegt, was die Stimmbürger wohl fragen könnten. «Kurz vor der Versammlung war ich dann doch ziemlich nervös.»

Sie hatte ein Jahr zuvor mitbekommen, wie das in Wila zu und hergehen kann. 167 Stimmberechtigte lehnten im Dezember 2017 das Budget der politischen Gemeinde nach längerer Debatte ab. Die Sorgen erwiesen sich als unbegründet: Jenny Keller präsentierte die Zahlen der Sekundarschule Wila souverän, ohne zu zögern. Einstimmig wurde das Budget danach genehmigt. Die rund 70 anwesenden Stimmberechtigten applaudierten sogar, was sonst eher unüblich ist. «Das hat mich sehr motiviert», sagt Jenny Keller.

Zu ihrem Pflichtenheft als Schulpflegerin gehören Schulbesuche. Zu Beginn sei das ungewohnt gewesen», sagt die 19-Jährige. «Alle Schüler haben plötzlich Grüezi gesagt.» Die Gespräche mit den Lehrern und Schülern seien dann aber sehr gut und spannend gewesen. «Das wurde sehr ernst genommen.»

Ihr Metier ist bislang aber weniger die Beurteilung von Lehrpersonen, sondern mehr die Finanzen. Mit ihrer Ausbildung als Kauffrau im öffentlichen Verkehr bringt sie Grundwissen im Personalwesen und in der Buchhaltung mit. «Vieles ist aber immer noch neu», sagt sie. «Die Einarbeitung braucht Zeit.» Ganz ungewohnt sei etwa, dass die Steuern bei der Schule als Einnahmen verbucht werden. In der Privatwirtschaft sind das immer die Ausgaben. Sie habe beim Gemeinde- und Volksschulamt deshalb Kurse besucht und gelernt, wie alles korrekt gemacht wird.

Berufswunsch Lehrerin

In ihrem Kollegenkreis hat es sich herumgesprochen, dass sie gewählt wurde. «Die reagieren aber weniger erstaunt, als ich gedacht habe», sagt Jenny Keller. Vielleicht liegt es daran, dass sie sich bereits in der Schule und bis vor kurzem auch in der Pfadi öfter engagiert hatte.

Die Schule interessiert sie noch aus einem anderen Grund. Jenny Keller, die im Turbenthaler Ortsteil Tablat aufgewachsen ist und dort bei ihren Eltern wohnt, absolviert derzeit den Vorkurs für die Pädagogische Hochschule. Sie will Sekundarlehrerin werden.

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Erstellt: 11.01.2019, 15:16 Uhr

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