Seuzach

«Die Sonne soll eine Genussinsel für alle sein»

Lange haben die Seuzemer darauf gewartet. Am Samstag war es so weit: Das Hotel-Restaurant Sonne wurde wiedereröffnet. Der Ansturm war riesig, die Begeisterung auch.

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«Die Sonne ist aufgegangen», sagt Stephan Jäger, Inhaber und Geschäftsführer, als er am Samstag am frühen Nachmittag auf die Bühne steigt, das Mikro ergreift und sich, sein Team und das Konzept des neu eröffneten Hotel-Restaurants im Zentrum Seuzachs vorstellt. Ein beifälliges Raunen ist zu hören. Im Restaurant mit der offenen Küche, an der Bar, in der Lounge und rechts vom Eingang in der Sonnenstube sind sämtliche Plätze besetzt. Und unablässig strömen weitere Gäste herein.

Seit zehn Uhr ist der Betrieb zur freien Besichtigung geöffnet. Das will sich niemand in Seuzach entgehen lassen. Und während draussen der Regen prasselt, hagelt es drinnen Komplimente. Denn was sich nach zweieinhalb Jahren Planung und Bauzeit den neugierigen Besuchern präsentiert, darf mit Fug und Recht als Bijou bezeichnet werden. Die moderne Einrichtung – viel Holz und weitere edle Materialien – versprühen urbanes Flair und gleichzeitig eine typisch länd­liche Gemütlichkeit. «Die Sonne ist weiterhin ein Dorfrestaurant, wo man auch nur ein Bier trinken kann», schwärmt der Seuzemer Werner Moos, ehemaliger langjähriger Feuerwehrkommandant. Er habe ein Stück Heimat wiedergefunden.

Komplimente noch und noch

Auch die im gleichen Stil eingerichteten 15 Hotelzimmer in den oberen zwei Etagen kommen bei den Besuchern gut an. «Cool, ein jedes Zimmer ist anders», sagt Doris Seiler. «Schade nur, dass ich als Einheimische wohl nie hier übernachten werde.» Selbst Gastrokollegen geizen nicht mit Komplimenten. «Das Ganze hat Stil und Niveau und ist einfach traumhaft schön», sagt Max Gut vom Landgasthof Sternen in Pfungen, und Walter Hollenstein vom Seuzi-Kafi pflichtet ihm lebhaft bei.

Rund neun Millionen Franken hat Jäger in die Sonne investiert. Sie wurde komplett neu erstellt, aber in der gleichen Kubatur. «Das war die Auflage des Gemeinderates, um die Liegenschaft mit ihrer über 300-jährigen Geschichte aus dem Schutzinventar zu entlassen», sagt der 53-Jährige. Er hat sich im Gegenzug erkenntlich gezeigt, indem er sie der Gemeinde bis zum Abriss «für einen symbolischen Mietzins» als Asylunterkunft zur Verfügung stellte.

Vor ein paar Jahren schon habe er beschlossen, dem Finanzbusiness den Rücken zu kehren, sagt der ehemalige langjährige Devisenchef bei Julius Bär, der seit 17 Jahren mit seiner Frau Monika und vier Töchtern in Seuzach lebt. Seine Idee war, «der Gemeinde und der Bevölkerung etwas zu geben, was bis anhin fehlte». Offenbar hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. «Dabei habe ich einfach das realisiert, was ich während meiner vielen Geschäftsreisen selber schätzen lernte: einen Ort, wo ich als Gast mit meinen Bedürfnissen persönlich abgeholt werde.» Und dazu zählt für ihn nebst der qualitativ hochwertigen Materialisierung eine ebensolche Küche, die in der Sonne zu durchaus erschwinglichen Preisen angeboten wird. Mit «traditionell, aber frisch und modern interpretiert» umreisst er sie.

An der Eröffnung werden Älplermagronen und Rindsgulasch mit Spätzli serviert – alle, die davon kosten, sind begeistert. Und im Weinkeller, gleich neben der einladenden Cigar-Lounge, kommen selbst Weinfreaks aus dem Staunen nicht mehr heraus. Hier hortet Jäger seine persönliche Sammlung; Raritäten, wofür er an Auktionen auch mal 5000 Franken pro Flasche hinblättert. «Für Leute, die meine Passion teilen», sagt er und fügt, fast entschuldigend, hinzu: «Andere hängen Bilder an die Wand, ich kaufe Wein.»

Verbindendes Element Musik

Seine anfängliche Befürchtung, gewisse Gäste damit abzuschrecken, habe sich zum Glück zerschlagen. Dies habe er aufgrund der Reaktionen festgestellt, sagt er erleichtert. Es sei nämlich überhaupt nicht sein Ziel, Gäste auszugrenzen. Im Gegenteil: «Die Sonne soll ein Genussparadies für jede und jeden sein. Und ein Ort der Begegnung.» Darum spielt in der Sonne die Musik eine zentrale Rolle. «Ausser Mannschaftssport verbindet nichts so sehr wie die Musik», ist Jäger überzeugt, der in seiner Freizeit auch selber Musik macht. Er singt in der Coverband Rhythm ’n’ Brass mit sowie im lokalen Chor Midlife Cryers und wird ab und zu auf der Sonnenbühne auftreten; als Einzelmusiker, im Duett oder mit Band, kündigt er an. Jeweils freitags und samstags werden DJs und Liveacts für Unterhaltung sorgen. Den Auftakt macht an diesem Abend The Big Beat.

Dass der Investor nun als Geschäftsführer für die Sonne verantwortlich ist, war nicht geplant. Grund dafür ist der Rückzug von Christoph Lohner. «Er tat dies aus persönlichen Gründen», erklärt Jäger, der voll und ganz auf die erfahrenen «Vollblutprofis» an seiner Seite vertraut. Er holte als stellvertretenden Geschäftsführer Jeffrey Landolt ins Boot, der zuvor den Löwen in Winterthur und die Carmennahütte in Arosa geführt hat, als Küchenchef Hanspeter Tobler, bekannt als Pächter des Löwen in Andelfingen, und als Chef an der Bar Ruedi von Niederhäusern, ein Barkeeper der alten Schule, der in Winterthur verschiedene Bars geführt hat.

Das ganze Sonnen-Team zählt 20 Mitarbeitende, verteilt auf 14 Vollzeitstellen. «Die Eröffnungstage haben das Team schon zusammengeschweisst», freut sich Jäger. Als Erste waren am Donnerstag die Vereine eingeladen. «Vereine sind sehr wichtig, denn sie repräsentieren das Dorf und die Bevölkerung», betont Jäger. Der Freitag war dem Gemeinderat, Freunden und Familienmitgliedern gewidmet.

Auch Junge fühlen sich wohl

Am heutigen öffentlichen Eröffnungstag haben sich auch Auswärtige unter die Gäste gemischt, darunter Silvia Schwarz aus Aesch bei Neftenbach. «Wir werden sicher ab und zu abends hierherkommen», versichert sie zusammen mit ihrer Begleiterin. «Das ist für den Ausgang eine gute Alternative zu Winterthur.» Das sehen die vier Jungs aus Seuzach, die in der Lounge gemütlich ein Bierchen trinken, genauso. «Es ist megaschön geworden und wir fühlen uns sehr wohl hier», sagt der 17-jährige Yves Wettstein. Der angehende Elektroinstallateur im zweiten Lehrjahr hat schon beim Bau mitgeholfen. Dass mit der Sonne nun auch den jungen Seuzemern im eigenen Dorf ein Treffpunkt zur Verfügung steht, sei einfach genial.

Erstellt: 26.11.2017, 17:28 Uhr

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