Winterthur

«Die SP braucht Partner für eine Mehrheit»

Felix Steger ist seit Dienstag neuer Co-Präsident der SP Winterthur. Dass er das Amt übernommen hat, liegt nicht zuletzt an SP-Stadtrat Nicolas Galladé.

Felix Steger ist neuer Gemeinderat und SP-Co-Präsident.

Felix Steger ist neuer Gemeinderat und SP-Co-Präsident. Bild: Marc Dahinden

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Sie sind 25-jährig und teilen sich mit der 30-jährigen Mattea Meyer das Präsidium der SP Winterthur. Sie stellen damit das jüngste Präsidium aller ­Parteien. Findet bei der SP ein Generationenwechsel statt?
Felix Steger: Nein, nicht unbedingt. Wir engagieren uns beide schon lange in der Politik. Die SP hat ja auch die Geschäftsleitung neu zusammengestellt, und dort sind alle Generationen vertreten.

Sie traten schon im Alter von 15 Jahren der SP bei.Wie kam es dazu?
Zu jener Zeit pflasterte die SVP das ganze Land mit den Plakaten mit den schwarzen Schafen zu. Ich fand diese diskriminierend und minderheitenverachtend. Das bewog mich, der SP beizu­treten.

Und nun wollen Sie Präsident werden, was reizt Sie am Amt?
Ich wurde von meinem Vorgänger Christoph Baumann angefragt, und da erinnerte ich mich an eine Rede, die der heutige Stadtrat Nicolas Galladé vor Jahren an einem Neumitglieder­anlass gehalten hatte. Er sagte, das schönste Amt, das man in der Schweiz bekleiden könne, sei jenes als Präsident der SP Winterthur. Ich glaube, das stimmt. Die Arbeit mit unseren Partnern und Mitgliedern ist sinnstiftend und spannend. Und so sagte ich zu.

«Die Plakate mit den schwarzen Schafen der SVP fand ich diskriminierend und minderheitenverachtend. Das bewog mich, der SP beizu­treten.»

Es wartet ein strenges Jahr auf Sie: Studienabschluss, Einstieg in den Gemeinderat und ein neues Amt als Co-Präsidentder SP Winterthur. Ist das alles vereinbar?
Ich denke schon. Ich bin von allen anderen Ämtern, etwa aus der Geschäftsleitung der SP Kanton Zürich, zurückgetreten. Zudem werde ich auch künftig als Lehrer nicht 100 Prozent arbeiten.

Die SP reitet nach den Wahlen mit Gewinnen im Stadt- und Gemeinderat auf einer Erfolgswelle. Was bedeutet das für Ihre Arbeit?
Wir wollen auf dieser Welle weiterreiten. Die Kantonsratswahlen stehen an, und unser Ziel sind auch dort Gewinne. In den nächsten Wochen wollen wir unsere Legislaturziele festlegen. Zudem haben wir aktuell sehr viele Neumitglieder. Die Herausforderung ist, alle einzubinden.

Im Stadtrat hat Mitte-links zwar eine Mehrheit, nicht aber im ­Gemeinderat. Wie lassen sich wichtige Geschäfte trotzdem durchbringen?
Das muss man je nach Thema anschauen. Gespräche mit unseren Partnern stehen in den nächsten Wochen an. Bis vor kurzem ­befanden wir uns noch im Wahlkampf.

SP und GLP gehen gemeinsam in die Wahlen um die Schulpräsidien. Wird diese Allianz auch im Gemeinderat weiterverfolgt?
Für eine Allianz braucht es immer zwei. Wir werden von Fall zu Fall über eine Zusammenarbeit entscheiden. Ich glaube nicht, dass wir uns bei allen Themen finden werden. Aber es ist klar, wenn wir auch im Gemeinderat eine Mehrheit wollen, brauchen wir Partner.

Der Stadtrat wird demnächst die Departemente verteilen. Was sind da die Wünsche der Parteileitung?
Das ist Sache des Stadtrats, wir machen keine Vorgaben. Unsere Stadträtinnen können in allen Departementen Akzente setzen.

Die Schlüsseldepartemente spielen für Sie also keine Rolle?
Nun, der Bau mit den städtebau­lichen Entwicklungsfragen ist sicher ein wichtiges Departement, unsere neu gewählte Stadträtin Christa Meier mit ihrer Kommissionserfahrung wäre eine gute Besetzung.

«Rückblickend haben wir richtig entschieden.»

Vor den diesjährigen Wahlen hatte man das Gefühl, dass die Parteileitung bezüglich Stadtpräsidium nicht gut vorbereitet war. Was tun Sie, damit das in vier Jahren anders ist?
Wir teilen den Eindruck nicht, dass wir ungeschickt vorgegangen sind. Rückblickend haben wir richtig entschieden.

Finden Sie? Die Stadtpräsidiumswahl hätte durchaus ­anders ausgehen können, wenn die SP von Beginn weg auf Yvonne Beutler gesetzt hätte.
Das ist Kaffeesatzlesen. Vielleicht wäre dann die Gemeinderatswahl anders herausgekommen, weil Christa Meier als internes Zugpferd weggefallen wäre. Wir wissen es nicht. Und vor ­allem sah niemand voraus, dass Michael Künzle (CVP) als Stadtpräsident so wackeln würde.

Die SP glaubte also im Vorfeld der Wahl gar nicht wirklich ­daran, dass der Gewinn des Präsidiums möglich war?
Wir setzten den Fokus auf das Errei­chen der Mehrheit im ­Gemeinderat. Dieses Ziel haben wir nur knapp verpasst. Aber die Überlegung war richtig. Das Stadtpräsidium wäre schön gewesen. Dass es nicht geklappt hat, ist schade, aber nicht so schlimm.

Zum Schluss: Was ändert sich mit Ihnen im Co-Präsidium?
Nicht viel. Natürlich werde ich gewisse Akzente setzen. So ist es mir ein grosses Anliegen, den Mitgliedern Möglichkeiten für ein Engagement zu bieten und sie bei Entscheidungen einzu­binden. Ausserdem liegen mir die Themen öffentlicher Verkehr und Wohnen sehr am Herzen. Aber Mattea Meyer und ich werden im Grundsatz die gleiche Politik weiterverfolgen wie bisher. Diese wurde an der Urne ja auch bestätigt.

(Der Landbote)

Erstellt: 21.04.2018, 09:29 Uhr

ZUR PERSON

Der neue SP-Co-Präsident Felix Steger ist 25-jährig und wohnt in einer Wohngemeinschaft in der Altstadt. Aufgewachsen ist er in Oberwinterthur. Nach einer KV-Lehre bei den SBB entschied er sich für eine Lehrerausbildung am Seminar Unterstrass, die er demnächst abschliesst. Der SP trat er bereits mit 15 Jahren bei und bekleidete mehrere Ämter. So war er Präsident der SP Oberwinterthur, später im Vorstand der SP Töss und in der Geschäftsleitung der SP Winterthur und der SP des Kantons Zürich. Im März wurde er in den Gemeinderat gewählt. mif

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