Winterthur

Die Sportlichste in Uniform

Schon zum zweiten Mal gewann Linda Mettler Gold im Schweizer Polizei-Mehrkampf. Im Dienst immer dabei ist Schäferhund Flash, der nach einem Arbeitsunfall wieder ganz der Alte ist.

Viel und schnell auf den Beinen: Als Streifenpolizistin macht Linda Mettler täglich über 15'000 Schritte.

Viel und schnell auf den Beinen: Als Streifenpolizistin macht Linda Mettler täglich über 15'000 Schritte. Bild: Marc Dahinden

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Am 24. und 25. August, als im Letzigrund «Weltklasse Zürich» lief, gewann auch Linda Mettler von der Stadtpolizei Winterthur Gold. Zum zweiten Mal hintereinander siegte sie bei den Schweizer Polizei-Mehrkampfmeisterschaften: Schiessen, Schwimmen, Kugelstossen, Weitsprung und Geländelauf. Für zwei weitere Jahre darf sie sich damit als «sportlichste Polizistin der Schweiz» fühlen.

Als Sicherheitspolizistin (im Volksmund: Streifenpolizistin) ist die 33-Jährige im Beruf viel auf den Beinen. «Ich habe lange Zeit einen Schrittzähler getragen und kam meist auf über 15 000 Schritte pro Tag», sagt sie. Neben dem Dienst joggt Linda Mettler gern, macht Intervalltrainings auf der Bahn oder trainiert im Kraftraum. «Bevor ich mit 23 zur Polizei kam, war ich viele Jahre lang Siebenkämpferin.

Das hilft mir heute noch, zum Beispiel beim Kugelstossen, wo es auf die Technik ankommt. Das ist meine beste Einzeldisziplin.» Neben den vierteljährlichen Schiesskursen mit der Dienstwaffe hatte Mettler zusätzlich bei einem befreundeten Schützenverein mit der Kleinkaliberwaffe geübt.

Und dann gibt es noch jemanden, der Mettler auf Trab hält: Flash. Der vierjährige Belgische Schäfer ist Mettlers Diensthund. «Er ist mein Einsatzmittel und Haustier zugleich», sagt sie und lacht. Täglich fährt Flash mit ihr aus der thurgauischen Heimat zum Polizeiposten am Obertor, wo er entweder im Zwinger oder im Einsatzfahrzeug wartet, bis es Arbeit für ihn gibt.

Und das kann jederzeit passieren. Unmittelbar vor dem Gespräch mit dem «Landboten» musste Linda Mettler mit Flash ausrücken: Ein Einbruch wurde gemeldet. Mit Flashs Spürnase wurde sichergestellt, dass der Einbrecher sich nicht mehr im Haus befand.

Ein solcher Einsatz wurde dem treuen Schäfer letzes Jahr fast zum Verhängnis. Flash, in Polizeimitteilungen mit vollem Namen Flash von der Lozidelle genannt, hatte den Einbrecher bereits aufgespürt. Nun galt es sicherzustellen, dass sich keine weiteren Personen mehr in der Abbruchliegenschaft befanden. Dabei gab die Abdeckung eines Lüftungsschachts nach und Flash stürzte vier Stockwerke in die Tiefe. «Ich sah ihn fallen und konnte nichts mehr tun», sagt Linda Mettler.

Was folgte war für sie die wohl belastendste Zeit ihrer zehnjährigen Polizeilaufbahn: Würde Flash durchkommen? Kaum eine Sehne seiner vorderen Schulterpartie war heil geblieben. Vier Monate lang musste er an den Vorderläufen Schienen tragen, die nur kleine Trippelschritte zuliessen. «Er war ein geduldiger Patient», sagt Linda Mettler. «Und inzwischen ist er wieder ganz der Alte.»

Schon als Kind hatte sie Polizistin werden wollen. Doch erst einmal lernte sie Arztgehilfin. «Vom klassischen Frauenberuf habe ich in eine Männerdomäne gewechselt», sagt sie. Und sie habe es nie bereut. «Das Beste an der Polizeiarbeit ist die Abwechslung», sagt sie.

Mit ihren langen braunen Haaren und dem ansteckenden Lächeln ist Linda Mettler so etwas wie eine Vorzeigepolizistin für das Winterthurer Korps. So war sie auch auf den Flyern und Plakaten zu sehen, mit denen die Stadtpolizei Winterthur um neue Aspirantinnen und Aspiranten warb.

Die «Stapo» könne sie den Bewerbern auch in sportlicher Hinsicht empfehlen, sagt Linda Mettler: «Was Sport und Gesundheit betrifft haben wir hier im Korps eine super Unterstützung.» Viele Kolleginnen und Kollegen in Uniform seien ambitionierte Sportler. Der Donut-Stand, der vor zwei Jahren direkt neben dem Polizeiposten eröffnete, hingegen hielt nur einige Monate durch - das amerikanische Klischee vom Donut-futternden Cop zielt hierzulande offenbar ins Leere.

Beim Mehrkampf der Frauen hätte die Stadtpolizei Winterthur übrigens sogar fast einen Doppelsieg eingefahren: Die Zweitplatzierte hatte im letzten Wettkampf noch an Mettlers Seite im Winterthurer Team gekämpft, hat inzwischen aber zur Kantonspolizei gewechselt. (Der Landbote)

Erstellt: 03.09.2017, 17:32 Uhr

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