Wiesendangen

«Die stete Betroffenheit motiviert»

Anfang März wurde der Inselstaat Madagaskar von Tropensturm Enawo heimgesucht. Der ­Wiesendanger Benjamin Bolli, im nordöstlichen Maroantsetra für die Hilfsorganisation ­Medair tätig, schildert die Zustände vor Ort.

Benjamin Bolli aus Wiesendangen arbeitet für die Hilfsorganisation Medair in Madagaskar, wo ein 
Zyklon vor rund zwei Monaten erhebliche Schäden und Überschwemmungen angerichtet hat.

Benjamin Bolli aus Wiesendangen arbeitet für die Hilfsorganisation Medair in Madagaskar, wo ein Zyklon vor rund zwei Monaten erhebliche Schäden und Überschwemmungen angerichtet hat. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Benjamin Bolli, am 7. März fegte der Zyklon Enawo über den Norden Madagaskars hinweg, das Hilfswerk Medair hat im Nordosten seine beiden Standorte. Wie gross war der Schaden?
Benjamin Bolli: Glücklicherweise wurden wir nicht mit voller Wucht vom Sturm getroffen, allerdings litt die Region als Folge des Zyklons unter grossen Überschwemmungen. Wir haben am 8. März begonnen, den Bewohnern Lösungen für saubere Wasseraufbereitung, Seifen und Behälter wie Eimer und Tassen auszuteilen. Parallel dazu begannen wir in Maroantsetra Wasserbrunnen zu desinfizieren, um Zugang zu sauberem Wasser zu gewährleisten.

Nun sind rund zwei Monate vergangen. Was ist seither passiert?
Seit dem Zyklon haben wir praktisch durchgearbeitet. Zu den bestehenden Aufgaben sind neue hinzugekommen, die wir parallel meistern müssen: Über eine Woche lang haben wir die verschiedenen Dorfgemeinschaften befragt, um den Schaden zu dokumentieren. Dank dieser Daten konnten die Regierung sowie die NGOs spezifisch auf die Bedürfnisse vor Ort reagieren.

Welche weiteren Massnahmen wurden getroffen?
Der Sturm deckte die Dringlichkeit für ein nächstes Vorhaben im Norden Madagaskars auf. Wir möchten den Bewohnern helfen, sich auf den nächsten Zyklon vorzubereiten. Eine weitere Aufgabe, die seither viel Zeit in Anspruch nimmt. Darüber hinaus bin ich noch für die Überwachung und Evaluation unseres Projektes verantwortlich, meine eigentliche Funktion hier für Medair.

Wie lange schon sind Sie für Medair in Madagaskar tätig?
Im September 2016 habe ich einen Einjahresvertrag bei Med­air unterschrieben, seither bin ich in Madagaskar. Durch das erwähnte Projekt werde ich aber voraussichtlich länger hierbleiben: Die Basis hier in Maroantsetra dürfte bis Ende 2017 in Betrieb sein.

Ist also eine Schliessung der Standorte Maroantsetra und Mananara angedacht?
Ja, Mananara wird planmässig auf September 2017 geschlossen. Gründe für die Standorte im Nordosten sind einerseits die stete Gefahr durch Tropenstürme. Zum anderen, weil unsauberes Trinkwasser sowie unzureichende Hygiene die Gefahr für Krankheiten drastisch erhöhen. In ­Zusammenarbeit mit den Bewohnern hier haben wir umweltverträgliche Latrinen und Pumpstationen für sauberes Trinkwasser errichtet. Zudem bringen wir den Bewohnern die gängigsten Hygienepraktiken bei.

Zermürbt die stete betroffenheit nicht?
Natürlich trifft mich das. Ich ziehe aber daraus die Motivation, meine Arbeit effizient zu gestalten, damit wir an den richtigen Orten Hilfe leisten können. Der Bevölkerung im Norden geht es aber verhältnismässig gut, sie leben vom Vanilleanbau und haben grundsätzlich Zugang zu Wasser, im Gegensatz zur Bevölkerung im Süden.

Sind auch Projekte im Süden des Inselstaates angedacht?
Zurzeit erarbeitet Medair praktische und nachhaltige Lösungen, um Dörfer im Süden mit Wasser zu versorgen. Die Dürre im Süden ist riesig: Eine Familie dort muss pro Woche mit 20 Litern Wasser für Hygiene und Nahrung auskommen. Dieses Wasser beziehen sie aus Pfützen, daher auch die sarkastische Bezeichnung der Bevölkerung dafür: Schoko-Wasser.

Was ist Ihr Antrieb, in diesen krisengeschüttelten Gebieten tätig zu sein?
Mir ist es ein Anliegen, Menschen, die akut in Not sind, direkt zu helfen. Schweizer sind in vielen Belangen privilegiert. Wenn ich also Betroffenen in Madagaskar unterstützend zur Seite stehen kann, mache ich das gerne.

Erstellt: 06.05.2017, 10:23 Uhr

Medair

Medair ist eine international ­tätige Hilfsorganisation aus der Westschweiz, die Nothilfe und Wiederaufbau in Krisengebieten leistet. In Zusammenarbeit mit den Bewohnern der betroffenen Gebiete suchen sie nach nachhaltigen Lösungen in den Bereichen Gesundheit, Wasser und Infrastruktur. (mw)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.