Kemptthal

Die Suppenküche wird zum Duftlabor

Am Freitag wurde das neue Forschungszentrum der Firma Givaudan eröffnet. In seinen Labors entstehen Geschmackstoffe und Düfte, die den Alltag der Zukunft prägen.

Das Innovation Center Givaudan ist jetzt offiziell in Betrieb: Blick durch das Eröffnungstor auf die geladenen Gäste.

Das Innovation Center Givaudan ist jetzt offiziell in Betrieb: Blick durch das Eröffnungstor auf die geladenen Gäste. Bild: Heinz Diener

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Frühstück, Kaffee und Erdbeerjoghurt. Schmeckt echt fruchtig nach Erdbeeren. Wirklich? «Viele Menschen kennen den Erdbeergeschmack nicht mehr, weil sie sich an den kreierten Geschmack von Erdbeeren gewöhnt haben», sagt Calvin Grieder, Verwaltungsratspräsident von Givaudan. Dazu kommt: In verschiedenen Weltteilen erwarten die Menschen einen unterschiedlichen Erdbeergeschmack.

Givaudan stellt Duft- und Aromastoffe her. Das Schweizer Unternehmen ist Weltmarktführer in diesem Bereich. Erforscht und erprobt werden die neuen Duftstoffe und Aromen seit letztem Februar in Kemptthal. Hier steht das ZIC, das «Zurich Innovation Center» des Unternehmens. Gestern wurde es feierlich eröffnet.

Wollte man alle Lebensmittel, die nach Erdbeeren schmecken, wie Milchprodukte oder Süssigkeiten, nur mit natürlichem Erdbeerextrakt versehen, brauchte es riesige Landflächen und grosse Wassermengen, um dafür genügend Erdbeeren anzubauen. Für Givaudan ist das ein ökologisches Verkaufsargument für seine Aromen. Auf jeden Fall will die Firma beim Umweltschutz vorne mit dabei sein. Das zeigt sich am neuen Gebäude an der Kempt. Es wird zu 80 Prozent von 72 bis zu 320 Meter tiefen Erdsonden geheizt oder gekühlt.

Anspielung auf Maggi

Architektonisch lehnt sich der Neubau an die Industriearchitektur der alten Maggifabriken in der Nachbarschaft an. Nur sind die Ziegelsteine des Neubaus dunkelgrau statt hellbeige, als hätte man sie in Maggi-Suppenwürze getränkt. Einen Bezug in dieser Art zu Maggi gibt es tatsächlich. In den Gebäuden der alten Würz- und Suppenfabrik unterhält Givaudan ein Business-Center, also Büros. Bis diese bezugsbereit waren, mussten Spezialisten den Geruch nach Würfelsuppe ausmerzen. Im Neubau arbeiten seit Februar 300 Forscherinnen, Laboranten und Manager auf einer Fläche von 12000 Quadratmetern.

Die Reden zur Eröffnung des ZIC drehten sich vor allem um die Standortfrage. Die Schweiz gibt drei Prozent ihres Bruttosozialprodukts für Forschung aus. Damit steht sie weltweit an dritter Stelle. Zwei Drittel der Schweizer Forschungsausgaben tätigen Private. Dazu sind Firmen wie Givaudan nur in der Lage, weil die Schweiz ein hochstehendes Bildungssystem hat. Die ETH und die Universität Zürich stehen in internationalen Hochschulranglisten jeweils weit oben. Forschung und Entwicklung nehmen in der wirtschaftlichen Wertschöpfungskette eine Spitzenposition ein. Das heisst, es geht um hohe Investitionen. Diese entscheiden darüber, ob eine Firma auf dem Weltmarkt besteht.

Luxus im Gebäude

Der hohen Wertschöpfung entsprechend zeigt sich das Innere des Forschungsgebäudes in Kemptthal. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Luxushotel. Die Wände sind aus fein bearbeitetem rohem Beton, die Böden aus geräucherter Eiche. Die Empfangshalle kann es mit den Räumen einen Grossbank aufnehmen. Die Fenster bieten in alle Richtungen einen Blick ins grüne Tal. Für die Türöffnung liessen sich die Veranstalter der Eröffnungsfeier etwas Besonderes einfallen. Vor den Augen des Publikums mixten sie ein Parfüm zusammen, dessen Duft der Parfümchef von Givaudan eigens für das neue Gebäude kreiert hatte. Mit jeder Ingredienz, die dazugemixt wurde, ging das Tor ein Stück auf. An diesem Wochenende steht es für das interessierte Publikum offen.

Erstellt: 15.06.2019, 08:44 Uhr

Maggiwürze und Parfüm

Maggi und Givaudan haben zwei Dinge gemeinsam. Sie befassen sich mit Lebensmitteln, und ihre Geschichte kreuzt sich im Kempt-thal. Julius Maggi übernahm 1869 die Mühle seines Vaters und erfand 1886 einen Suppenwürfel, der sich auflösen lässt.

Dank dieser Erfindung wurde Maggi zu einem Grossunternehmen. Nestlé erwarb 1947 die Firma. 2002 schloss der Konzern den Standort Kemptthal und verlegte den Sitz nach Singen. Seine in Kemptthal angesiedelte Aromaabteilung verkaufte Nestlé mitsamt aller Liegenschaften an Givaudan.

1895 gründeten die Brüder Léon und Xavier Givaudan in Zürich eine Parfümfabrik. Sie wurden aber von den Zürcher Bäckern vertrieben, deren Brot angeblich nach Veilchen zu schmecken begann. Givaudan siedelte sich in Genf an und hat heute in Vernier bei Genf ihren Sitz. In Dübendorf betrieb Givaudan eine Forschungsstätte. Diese ist inzwischen zu klein geworden. Deshalb entschied sich Givaudan, das Gelände in Kemptthal für ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum zu nutzen. Im April 2016 erfolgte der Spatenstich für den Neubau. (cf)

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