Winterthur

Die Villa Durchzug wurde erfolgreich saniert

Die Sanierungspläne der Stadt für die Villa Büel waren auf heftigen Widerstand gestossen. Das ist Geschichte. Die bauliche Renovierung und die Wohnungen überzeugen. Eine Architekturkritik.

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Ein mediales Lamento setzte ein, als die Wohnungsmietergemeinschaft in der über hundert Jahre alten Villa Büel 2013 mit den Sanierungs- und Umbauplänen der Stadt und der Kündigung auf Ende März 2014 konfrontiert wurde. Sauer stiess der langjährigen Bewohnerschaft auf, die 12 grosse Zimmer im ersten und zweiten Geschoss zu günstigen Konditionen belegte, dass die Stadt dort vier «luxuriöse Wohnungen» einbauen wolle. Und im Gemeinderat wurde kritisiert, die Stadt zerstöre günstigen Wohnraum. Ende 2014 scheiterte die letzte Attacke auf die Sanierungspläne, als der Gemeinderat das Projekt im Budget 2015 beliess. Die Abteilung Immobilien im Department Finanzen von Stadträtin Yvonne Beutler (SP) argumentierte mit dem eh geplanten Sanierungszyklus, dem schlechten Bauzustand, der dringenden Erneuerung der Haustechnik sowie den notwendigen energetischen und feuerpolizeilichen Massnahmen. Von den Opponenten war eine Flickensanierung und ein zusätzliches Badezimmer vorgeschlagen worden; die Schäden seien nicht so gravierend.

Aussen Toskana, innen England

Seit 1947 befindet sich die 1848 erbaute, 1894 durch das damals führenden Winterthurer Architekturbüros Jung & Bridler erweiterte Villa der Industriellenfamilie Sulzer-Imhoof im Besitz der Stadt. Das Ensemble von Gärtnerhaus, Remise, Villa und Park am Hang des Heiligbergs wird von der Denkmalpflege des Kantons als von überkommunaler Bedeutung eingestuft. Da steht die Stadt in der Verantwortung, und die hat sie mit dem einfühlsamen Projekt des Winterthurer Architekturbüros KilgaPopp vorbildlich wahrgenommen. Die spezifische innere Struktur der einst feudalen Grosswohnung erleichterte die Aufteilung der über der Privatschule «Gesamtschule Villa Büel» liegenden Geschosse in vier Wohnungen im mittleren und gehobenen Segment. Beim äusseren Anblick der Villa wähnt man sich in einem toskanischen Landstück; dies wird verstärkt durch den neuen erdfarbenen Anstrich, den hervorgeholten Pilastern sowie den alten und neuen Terrassen. Doch im Innern denkt man an England – dies nicht zuletzt wegen der ausgezeichneten ‹Hall› und dem ‹Bay-Window›. Ein Eindruck, der in dem mit Eichenholz im Neorenaissancestil dunkel getäfelten grosszügigen Halle gleich bestätigt wird. Diese Erschliessungszone wird von der Schule und den künftigen Mietern gemeinsam belegt. Von hier aus geht es über das mit grossflächigen, ornamentierten Fenstern belichtete Treppenhaus ins repräsentative Wohngeschoss. Erst seit der Entfernung einer Trennwand können Vestibül und Treppenhaus wieder in ihrer alten Offenheit und Pracht genutzt werden. Bei der Ausstattung zeigt sich überall die Ornamentversessenheit des späten 19. Jahrhunderts: Bei den reich verzierten Gittern und den fachmännisch restaurierten Leinentapeten etwa, während bei den Einbauschränken und Kabinetten der Sinn für das Schlichte und Praktische sich zeigt – und alles ist wunderbar aufgefrischt. Doch dann verblüfft, wie klein eigentlich die architektonischen Eingriffe blieben, um die vier Wohnungen zu separieren. Erleichtert hat dies der zentrale Korridor, von wo aus die Zimmer betreten werden. Je zwei verglaste Türen trennen pro Stockwerk Vestibül und Wohnung. Die Wohnfläche variiert zwischen rund 140 und 170 Quadratmeter, die Zahl der Zimmer zwischen 2½ und 3½. Solche Fakten vermitteln nur schwach den Eindruck der Grandezza, die man in den Räumen mit Parkblick erlebt. Eigentlich sind Küche und Bad die grössten Eingriffe, allein wegen der Installationen. Beim Badezimmer haben die Architekten auch den damaligen Lebensstil aufgegriffen, indem sie diesen Raum als Salon inszenieren – mit mittig gesetzter Badewanne, von wo aus man einen schönen Blick in den Park geniesst. Und schliesslich das erste Happy End dieser Renovationsgeschichte: die finanzarme Stadt kann mit Baukosten von rund 3,7 Millionen Franken ihre Rendite von bisher 2.08 Prozent auf neu zirka 3.52 Prozent erhöhen. Das zweite: Vielleicht ziehen dank moderaten Mietpreisen sogar alte Mieter wieder ein.

Erstellt: 06.03.2016, 16:05 Uhr

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