Fussball

Dieser FCW hat ein Problem mit der Einstellung

Eine Woche nach dem 2:0 im Cup gegen den FC St. Gallen aus der Super League verlor der FCW in der Meisterschaft gegen den Nachbarn aus Wil 0:3. Und es schien, als seien da zwei völlig verschiedene Winterthurer Mannschaften am Werk gewesen.

Mido Bdarney (Mitte) war einer von drei Spielern, die FCW-Trainer Ralf Loose schon zur Pause einwechselte.

Mido Bdarney (Mitte) war einer von drei Spielern, die FCW-Trainer Ralf Loose schon zur Pause einwechselte. Bild: Enzo Lopardo

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Unbestritten war an diesem Samstagnachmittag nur eines: Der FC Wil war so klar die bessere Mannschaft, dass auch ein 3:0 ein angemessenes Resultat war. Er wirkte von Anfang an besser ein-, vielleicht auch besser aufgestellt. Vor allem aber war seine Zahl individueller Fehler wie einfacher bis (matchentscheidend) gravierender Passfehler so viel geringer, dass gar kein anderes Resultat herauskommen konnte.

Das sind Dinge die auf den ersten Blick unerklärlich erscheinen mögen und im Fussball doch immer wieder passieren. Und dann kommt man darauf, dass die einen besser und bissiger spielten nach einer Woche, in der sie eine Enttäuschung zu verarbeiten hatten wie die Wiler mit ihrer knappen Cup-Niederlage gegen den FCZ, die doch genauso gut ein Sieg hätte sein können. Und die andern, eben die Winterthurer, hatten eine angenehme Woche nach einer wirklich guten Leistung und einem sehr schönen Sieg hinter sich. Aber die Winterthurer waren an diesem Samstag des Meisterschafts-Alltags nicht zu einer Leistung mit derselben Einstellung fähig. Nicht, dass sie die ja sogar etwas besser als sie zur Liga gestarteten Wiler unterschätzt hätten, aber eben. Auch der Winterthurer Trainer Ralf Loose sagt: «Dass wir am Dienstag in Chiasso mit einer andern Einstellung antreten müssen, ist doch klar.»

Noch keinerlei Konstanz

Trotz allem ist schon auch zu sagen: Dieser FCW gibt Rätsel auf, weil seine ersten zwei Monate der Saison ein stetes Auf und Ab waren. Natürlich spielen da die Verletzungen eine Rolle – und dennoch: Noch nicht einmal hat er in der Liga einen Sieg durch einen nächsten bestätigen können. Einzig Mitte August folgte auf das 1:0 in Vaduz ein 3:0 im Cup gegen YF Juventus, das doch ein «Kleiner» aus der Promotion League ist. Das 0:6 gegen Lausanne-Sport in der 3. Runde konnte man als «Lehrstunde» des besten Teams der Liga einordnen. Aber es war dann schon deutlich bedenklicher, dass schon ein paar Spiele später eine nächste Lektion des SC Kriens folgte, der wesentlich engagierter ins Spiel gegangen war.

Und nun erhielt der FCW, man kann es nicht anders sagen, schon eine dritte Lektion. Wieder war er nicht richtig eingestellt auf einen Match, der eine Bestätigung eines guten Auftritts hätte werden sollen. Wieder machte die Mannschaft nicht den Eindruck der Zuverlässigkeit und Konstanz, wie sie von ihr zu verlangen ist. Das keineswegs im Verhältnis zu Wunschdenken, sondern zu einer Arbeitseinstellung, die alltäglich sein müsste. Und der Alltag in dieser Liga ist nun mal nicht der, wie ihn der FCW vor 8000 Zuschauern gegen St. Gallen genoss. Es ist der Alltag des (Fussball-)Arbeiters.

Ralf Loose, der altgediente Fussball-Arbeiter, formuliert es dann mit Recht so: «Der Fussball ist halt ein Wochengeschäft, bei dem es immer wieder mit 0:0 losgeht. Und uns ist es nicht gelungen, die positiven Dinge aus dem St. Gallen-Spiel mitzunehmen.» Das war ja auch der angenehmere Auftritt eines Aussenseiters gewesen, der gegen Wil war dann wieder jener eines Teams, von dem zwar nicht ein müheloser Durchmarsch erwartet wurde, aber doch eine Leistung, die gut genug für einen Sieg oder mindestens für einen Punktgewinn sein konnte. Das war sie dann bei weitem nicht. Die Wiler dagegen fühlten sich wohl in ihrer Rolle, die nun – ob berechtigt oder nicht – eben eher jene des Aussenseiters war.

Isik, Lekaj, Mahamid …

Es hat gegen St. Gallen ja auch praktisch jeder Winterthurer in einem guten Kollektiv gut gespielt und vor allem sehr gut gekämpft. Nun war gegen Wil in einem nicht funktionierenden Kollektiv fast jeder nicht gut bis schlecht. Besonders bedenklich war, wie wenig genau jene Dinge klappten, die den FCW gegen den FCSG weitergebracht hatten, die Lösungen für Probleme zu werden versprachen. Das begann hinten rechts bei Gabriel Isik, den Nils von Niederhäuserns Schwächen zur neuen Besetzung als Rechtsverteidiger gemacht hatten: Isik lieferte die ersten «einfachen» Fehlpässe und sonstigen Unzulänglichkeiten – er war nie im Spiel, bis er bei Halbzeit ausgewechselt wurde. Es ging weiter bei Granit Lekaj, der zum zweiten Mal Partner Ousmane Doumbias in der Doppelsechs war. Sein eklatanter Fehlpass öffnete den Wilern den Weg zum Angriff, den Silvio dann – nach einem Patzer auch noch von Mario Bühler – mit dem 0:1 abschloss. Es war nach elf Monaten wieder das erste Meisterschaftstor des ehemaligen FCW-Stürmers. Seither hatte er nur im Cup gegen Red Star getroffen. Oder Anas Mahamid, der Israeli. Er war mit seinem Debüt in der Startelf und seinem 1:0 einer der Matchwinner gegen St. Gallen gewesen. Diesmal hatte er keine gute Szene, bis auch er bei Halbzeit gehen musste. Und Gjelbrim Taipi, der wie schon gegen St. Gallen nicht den «Sechser» geben musste, sondern den «Zehner» zelebrieren durfte. Auch ihm gelang nichts. Er blieb als Dritter bei Halbzeit in der Kabine. Einen Dreifachwechsel zur Pause hat es in der Geschichte des FCW noch nicht gegeben. Aber er war logisch.

Man könnte ja die Aufzählung all dessen, was gegen St. Gallen geklappt hatte und diesmal nicht, weiter ausführen – bis hin zu Sturmspitze Roman Buess, der sich seinen 27. Geburtstag sicher anders vorgestellt hatte. Loose stellte auch das System um, auf eine Dreierabwehr und mit Luka Sliskovic als zweiter Sturmspitze neben Buess. Darauf reagierten die Wiler und ihr Trainer Ciri Sforza, indem sie von drei auf vier Verteidiger umstellten. Es waren in der Tat Hinweise zu erkennen, dass es beim FCW nun besser laufen könnte, etwa dank dem als rechter Aussenläufer auf den Platz geschickten Nuno Da Silva. Da entwickelte endlich einer Zug nach vorne. «Aber dann nahm uns das 0:2 wieder den Wind aus den Segeln», resignierte hinterher Loose. Zuerst wurde ein Eckball schlecht geschlagen, dann durfte Fabian Rohner mit dem Ball am Fuss über mehr als das halbe Feld davonlaufen und Torhüter Raphael Spiegel in zwei Anläufen überwinden. Enrique Wild liess sich düpieren und Doumbia lief einfach so mit, als sei er zu 100 Prozent sicher, Wild werde mit Rohner schon fertig, und zwar allein.

Loose will «nicht tauschen»

Aber fertig wurden an diesem Tag die Wiler mit den Winterthurern. Sie waren eine gut eingestellte, solide Mannschaft. Sforza wird sich bestätigt gefühlt haben, seine Ex-Winterthurer – im Gegensatz zum Match gegen den FCZ – allesamt aufgestellte zu haben, von Niederhäusern, Silvio und Kwadwo Duah. Immerhin gingen die Wiler dann doch nicht so weit, dass auch noch Duah ein Tor geschossen hätte … Loose aber sagte noch: «Das war ein schlechter Auftritt und wir müssen aufhören zu träumen.» Womit er meint: von der Tabellenspitze, zumindest der weiteren. Dennoch, fügt er bei, «möchte ich nicht tauschen, den Sieg gegen St. Gallen gegen einen gegen Wil.» Das Cup-Abenteuer gehe ja noch weiter «und Niederlagen in der Meisterschaft lassen sich korrigieren.» Morgen in Chiasso und am Freitag daheim gegen Schaffhausen sind die nächsten Gelegenheiten dazu. Diese Spiele sind in der Tat anzugehen mit dem Blick nach hinten in der Tabelle und nicht nach vorne.

Es ist davon auszugehen, Loose nehme die eine oder andere Änderung vor – auch wenn das, siehe jüngste Vergangenheit, keine Garantie für Verlässlichkeit liefert. Die nächste Aufstellung ist also Looses persönliches Rätsel. Immerhin, zweimal in Folge verloren hat seine Mannschaft dann doch noch nicht. An einen Rekord gemahnt allerdings die Heimbilanz: ein Punkt, aber 1:10 Tore aus drei Spielen. Sicher ist eines: Captain Davide Callà, den die Mannschaft dringend bräuchte, ist auch im Tessin kein Thema. Doumbia dagegen, am Samstag nach diversen harten Attacken angeschlagen ausgewechselt, kann spielen.

Erstellt: 22.09.2019, 18:52 Uhr

Challenge League

FC Winterthur - FC Wil 0:3 (0:1)

Schützenwiese. - 3900 Zuschauer. - SR Schärli. - Tore: 22. Silvio 0:1. 60. Rohner 0:2. 69. Silvio 0:3. - FCW: Spiegel; Isik (46. Nuno Da Silva), Bühler, Hajrovic, Wild; Lekjaj, Doumbia (68. Radice); Sliskovic, Taipi (46. Bdarney), Mahamid (46. Schättin); Buess. - Wil: Kostadinovic; Nick von Niederhäusern, Joël Schmied, Kamberi; Rohner (72. Brahimi), Fazliu, Abedini, Muntwiler (81. Ndau), Dominik Schmid; Duah (84. Bosic), Silvio (77. Stojilkovic). - Bemerkungen: FCW ohne Callà, Liechti, Saliji (verletzt), Roth und Costinha (nicht im Aufgebot; beide tags darauf in der U21); in der 2. Halbzeit mit einer Dreierabwehr (Bühler/Hajrovic/Schättin) und zwei Sturmspitzen (Sliskovic/Buess). - Wil ohne Schäppi (verletzt) und Rahimi (nicht im Aufgebot); in der 2. Halbzeit mit einer Viererabwehr und Silvio als einziger Sturmspitze. - 38. Lattenschuss von Fazliu. - Verwarnungen: 62. Rohner (Foul). 63. Bdarney (Foul; Fehlentscheid). 75. Bühler (Foul). 84. Radice (Foul). 89. Buess (Foul). 91. Brahimi (Foul) und Abedini (Unsportlichkeit).

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