FCW

Dieser Sieg war überfällig

Erstmals seit über drei Jahren, nach elf vergeblichen Anläufen, gewann der FCW wieder mal ein Derby gegen Schaffhausen. Das 3:1 war auch der erste Dreier im neuen Stadion des FCS.

Luka Sliskovic brachte den FCW per Foulpenalty 1:0 in Führung.

Luka Sliskovic brachte den FCW per Foulpenalty 1:0 in Führung. Bild: Heinz Diener

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Für die einen, die Schaffhauser, wars nach neun sieglosen Spielen und erst einem Punkt aus vier Matches unter ihrem neuen Trainer Jürgen Seeberger ein bedeutender Match im Abstiegskampf. Für den FCW ging es – nach fünf Spielen ohne Sieg und zuletzt gar drei Niederlagen – darum, sich doch noch im Kampf um den Barrageplatz in Erinnerung zu rufen. Denn mag man auch sagen, Servette und Lausanne seien eigentlich stärker als der FCW – so braucht das nicht zu heissen, die Winterthurer sollten nicht so lange wie möglich ernsthafter Rivale vor allem der Waadtländer sein.

Und spezielles Kolorit gab dem Anlass die jüngste Derbystatistik, in der geschrieben stand: Seit einem 1:0 auf der Schützenwiese im Februar 2016 hatte der FCW von elf Spielen gegen den FCS sieben verloren und keines gewonnen. Im neuen Park in Herblingen war der FCW sieglos – bis gestern Abend. Dass die Winterthurer den Anlass mit dem so lange erwarteten Sieg beendeten, hatte eben Folgen in der Tabelle: Er überholt den FC Aarau wieder, der in Kriens nach einem 0:2 mit einem 2:2 zufrieden sein musste. Und er hat zumindest bis heute Abend wieder nur zwei Punkte Rückstand auf Lausanne. Gewinnen die Waadtländer gegen Leader Servette nicht, bleibts dabei oder wächst ihre Reserve auf nur drei Punkte an. Und das ist doch eine überschaubare Marge.

«Für die Fans gewonnen»

Es ist nach diesen 95 Minuten im Herblingertal aber auch zu sagen: Dieser Sieg des FCW war nicht nur verdient, er war ganz einfach überfällig. Er war insgesamt die um so vieles bessere Mannschaft, er hatte das Spiel vor allem in der ersten Halbzeit dermassen im Griff, dass es geradezu fahrlässig gewesen wäre, wenn er diese Chance vergeben hätte, die Minusserien gegen den Nachbarn zu beenden. Also war der Winterthurer Trainer Ralf Loose mit den Verrichtungen seiner Mannschaft zufrieden. Vor allem aber spürte er auch, «was dieser Sieg unseren Fans bedeutet. Wenn ich die Stimmung nach dem Spiel sehe, sage ich: Wir haben auch für sie gewonnen.»

Loose hatte natürlich recht, wenn er sagte: «Wir haben das Spiel von Anfang an in die Hand genommen. Wir waren besser, wir haben wenig auch an Kontern zugelassen.» Nach der Pause habe der Gegner «gewechselt und auch das System geändert.» Und man habe immer befürchten müssen, «dass noch ein Ball von Tunahan Cicek ins Tor geht.» Aber natürlich «hatten wir nun auch mehr Konterchancen – und glücklicherweise haben wir auch eine genutzt.» Zu diesen grundsätzlich richtigen Anmerkungen ist zu sagen: Die Überlegenheit in der ersten Halbzeit hätte der FCW eindeutig zu mehr als dem einen Tor Luka Sliskovics in der 27. Minute nutzen müssen. Und in der zweiten Halbzeit war, trotz der Bemühungen der Schaffhauser, doch zu sagen, dass ihnen der FCW mit einer zeitweise etwas gar passiven Spielweise entgegenkam. Immerhin, es war kein Zufall, dass das zweite Tor des Abends für den FCW fiel und nach dem Gegentreffer der Schaffhauser – natürlich durch Cicek – in der 84. Minute nur ein paar wenige Minuten des Bangens im Winterthurer Fanblock herrschte. Kaum war die Nachspielzeit angelaufen, schoss Seferi das definitiv beruhigende 3:1.

Das aussergewöhnliche 1:0

Zu den Treffern sind diese Anmerkungen fällig: Das 1:0 war ein ganz aussergewöhnliches Tor, denn endlich mal wieder war ein Fussballer des FCW kühl genug, einen Elfmeter zu verwerten. Sliskovic durfte schiessen, der doch noch hatte zurückstehen müssen, als Taulant Seferi in den ersten zwei Rückrundenspielen in Kriens und gegen Vaduz zweimal scheiterte. Und der nicht mehr auf dem Platz war, als Roberto Alves in der 3. Rückrunde seinen Penalty gegen Rapperswil-Jona verschoss. Immerhin, Sliskovic hatte sich als neue Lösung empfohlen, als er in der letzten Länderspielpause in Lustenau einen Penalty souverän nutzte.

Sliskovic spielte gestern wieder hinter Sturmspitze Seferi, anders als am Freitag in Genf, als er den Topskorer als vorderster Mann ersetzte. Und Sliskovic buchte dann noch einen zweiten Skorerpunkt: Er schlug, tief in der eigenen Platzhälfte, den Ball auf Roberto Alves. Der lief mit der Kugel über den halben Platz. Er war kühl genug den weit aus dem Strafraum gelaufenen Torhüter Rafael Zbinden links liegen zu lassen. Und zum Abschluss schob er den Ball ins leere Tor, ehe die zwei mitgelaufenen Schaffhauser Verteidiger gefährlich hätten werden können. Alves war, wie Sliskovic, auch schon am ersten Tor beteiligt gewesen. Denn ein Strafraumfoul Samuele Delli Carris an ihm hatte den Elfmeterpfiff erwirkt.

Am Gegentor war bedenklich, dass es ein Kopfball des kleinen Cicek war – inmitten grösserer Winterthurer. Das 3:1 legte dann, am Ende eines neuerlichen Konters, der eingewechselte Nachwuchsmann Rijad Saliji für Seferi auf. Also hat nun auch der in dieser Rückrunde ein Tor erzielt.

Zweimal die achte Verwarnung

«Es war eine geschlossene Mannschaftsleistung, ich möchte keinen herausheben», wars Loose am Ende zum Loben zumute. Man kann das stehen lassen, auch wenn man sich die zweite Hälfte etwas zupackender gewünscht hätte. So machte Denis Markaj, der von der Sperre für Granit Lekaj profitierte, bei seiner Rückkehr in die erste Wahl einen soliden Match. Mehr noch waren die beiden Sechser, Remo Arnold und Ousmane Doumbia. Für das Trio Roberto Alves, Sliskovic und Seferi sprechen nicht zuletzt die Skorerpunkte. Was allerdings unglücklich war: Zuerst Luca Radice und dann Sead Hajrovic holten sich eine Verwarnung – in beiden Fällen ist es die achte, verbunden mit einer zweiten Sperre. Hajrovic zögerte einen Freistoss so lange heraus, bis der Schiedsrichter die Geduld verlor. Radice beging irgendwo im Niemandsland des Mittelfelds ein Foul.

Natürlich, für Hajrovic wird Lekaj zurückkehren. Und im Falle Radices besteht die Hoffnung, dass Davide Callà trotz seiner Knöchelverletzung schon am Freitag wieder mittun kann. Gegner ist dannzumal der Aufsteiger SC Kriens, der seine erstaunliche Serie von Punktgewinnen auch gegen den FC Aarau fortsetzte. Zwischendurch sah es gar nach einem weiteren Sieg der Luzerner aus, aber dann schafften die Aarauer noch den Ausgleich zum 2:2. Das Ereignis des Tages aus Winterthurer Sicht: Nico Siegrist, die Nummer 1 der Krienser und der Topskorer der ganzen Liga, kann am Freitag auf der Schützi nicht spielen. Er ist gesperrt. Man wird sich also nicht in Erinnerung rufen müssen, dass er die Winterthurer Abwehr in jedem der drei ersten Spiele mindestens einmal torreif düpierte.

Und der FC Schaffhausen? 5 Spiele, 1 Punkt – das ist die Zwischenbilanz des Trainers Seeberger, bevor des in die Direktbegegnung mit den beiden andern Abstiegskandidaten aus Chiasso und Rapperswil geht. Und dass die Schaffhauser in dieser Verfassung ein Abstiegskandidat sind – das muss man nach gestern Abend sagen. Wenn sie schon gegen den FCW verlieren

Erstellt: 02.04.2019, 23:44 Uhr

Telegramm

FC Schaffhausen – FC Winterthur 1:3 (0:1)

Park. – 1974 Zuschauer (offiziell). – SR Schärli. – Tore: 28. Sliskovic (Foulpenalty) 0:1. 82. Roberto Alves 0:2. 84. Cicek 1:2. 91. Seferi 1:3. – Schaffhausen: Zbinden; Gonçalves (46. Pugliese), Delli Carri, Demhasaj, Qollaku; Menezes (46. Mevlja), Bunjaku, Tranquilli, Del Toro (80. Barry); Cicek, Morandi (59. Gül). – FCW: Spiegel; Markaj, Isik, Hajrovic, Schättin (72. Wild); Arnold, Doumbia; Roberto Alves (93. Hamdiu), Sliskovic (85. Gazzetta), Radice (85. Saliji); Seferi. – Bemerkungen: Schaffhausen ohne Torhüter Grasseler, Mendy, Castroman, Nikci (verletzt), Sessolo (gesperrt) und Dindamba (nicht im Aufgebot); in der 2. Halbzeit in einem 4-1-4-1 mit Mevlja als Innenverteidiger, Demhasaj rechts und Qollaku links in der Abwehr, Bunjaku als Sechser und Cicek als Sturmspitze; Barry nach seiner Einwechslung zweite Sturmspitze. – FCW ohne Lekaj (gesperrt), Callà, Lepik, Roth (verletzt), Stettler und Sutter (nicht im Aufgebot); Schättin wegen Krämpfen ausgewechselt. – 13. Kopftor Hajrovics wegen Abseits nicht anerkannt. – Verwarnungen: 40. Tranquilli (grobes Foul) und Sliskovic (Unsportlichkeit). 70. Hajrovic (Zeitspiel; fürs Spiel gegen Kriens gesperrt). 79. Radice (Foul; fürs Spiel gegen Kriens gesperrt). 87. Gazzetta (Unsportlichkeit) und Bunjaku (Foul). 93. Hamdiu (Unsportlichkeit).

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