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Eier produzieren im grossen Stil

Im Weiler Agasul wird bald ein Legehennenbetrieb mit 18 000 Hühnern fertiggestellt sein. Wegen Auflagen, Rekursen und Einwendungen dauerte es Jahre, bis mit dem Bau begonnen wurde.

Der Legehennenbetrieb in Agasul: Die Planung hat jahrelang gedauert, nun sollen Mitte Februar die 18 000 Hühner geliefert werden.
Der Legehennenbetrieb in Agasul: Die Planung hat jahrelang gedauert, nun sollen Mitte Februar die 18 000 Hühner geliefert werden.
Christian Merz

Es ist ruhig in Agasul, einem Illnau-Effretiker Weiler mit knapp 20 Häusern, etwa 70 Einwohnern – und bald schon 18 000 Hühnern. An der Luckhauserstrasse wird ein Lege­hen­nenbetrieb gebaut: 100 Meter lang, 22 Meter breit und knapp 9 Meter hoch. «Mitte Februar erwarte ich die Hühner», sagt Landwirt Willi ­Vögeli. Die Tiere werden in Freilandhaltung leben. 4,5 Hektaren Weidefläche stehen ihnen zur Verfügung, 2,5 Qua­dratmeter pro Huhn sind vor­geschrieben. Auf der Wiese hat Vögeli 140 Nussbäume gepflanzt, die den Tieren Schutz bieten sollen.

Zahlreiche Auflagen

Es hat lange gedauert, bis Vögeli sein Projekt verwirklichen konnte. Frühestens 2012 hätte der Stall fertig sein können. Es kam allerdings anders, vor fünf Jahren wurde gerade erst der private Gestaltungsplan von Stadtrat und Parlament abgesegnet. Illnau-Effretikons Exekutive reagierte zuerst ablehnend, wie Hochbauvorstand Reinhard Fürst (SVP) sagt. Ein derart grosses Bauvorhaben würde die Struktur des Bauerndorfs Agasul stören, lautete die Begründung damals. ­Aufgrund eines Wiedererwä­gungsgesuchs von Vögeli nahm der Stadtrat eine Neubeurteilung vor und beschloss, das Bauvorhaben unter gewissen Voraussetzungen punkto Einordnung, Gestaltung, Ökologie und Energie gutzuheissen.

Der Kanton machte ebenfalls Auflagen: Er wollte zum Beispiel, dass der Dickibach, der durch ­Vögelis Land fliesst, offen gelegt wird. Der Bauherr musste ein entsprechendes Projekt ausarbeiten, was laut Fürst einen grossen Teil der Verzögerungen ausmachte. «Die Planung der Bachoffenlegung und die Diskussion, wer für die Kosten ­aufkommt, brauchte viel Zeit.» Letztlich bezahlte Vögeli die Bauarbeiten. «Bund und Kanton werden sich aber an den Kosten beteiligen», sagt Markus Pfanner von der Baudirektion.

Skepsis im Dorf

Auf Skepsis stiess das Projekt auch bei Einwohnern von Agasul, wie Fürst sagt. Es habe Einwendungen gegen den geplanten Legehennenbetrieb gegeben – ein weiterer Grund für die massive Verzögerung der Bauarbeiten. «Es gibt Befürchtungen wegen Geruchsemissionen und mehr Lastwagenverkehr im Dorf», sagt Fürst. Der Stadtrat nehme diese Bedenken ernst.

Sorgen wegen des Geruchs macht sich zum Beispiel Albert Gämperli, der den Weidhof etwa 300 Meter nördlich des Hühnerstalls bewirtschaftet. «Der Wind bläst oft von unten herauf», sagt er. Sein Rekurs, der sich nur gegen die geplante Lüftung richtete, wurde allerdings abgelehnt. «Ich bin nicht gegen das Projekt», sagt Gämperli. «Wenn man als Landwirt etwas machen will, sollte man das im grossen Stil tun. Sonst lohnt es sich nicht.» Da Vögeli aber das Maximum an Legehennen im Stall habe, sollte er auch die beste verfügbare Lüftung einbauen, findet der Viehhändler, der nun abwarten will.

Inzwischen ist im Stall eine Lüftungsanlage mit Reinigungsfilter eingebaut. «Das sollte laut vorliegendem Gutachten reichen», sagt Fürst. Falls die Geruchsemissionen die Grenzwerte übersteigen würden, müsse der Stall mit einer weiterge­henden Abluftreinigungsanlage nachgerüstet werden. Das hielt auch die Geschäftsprüfungskommission in ihrem Abschied von 2012 fest.

Die GPK erwähnte zudem das Thema Antibiotika: «Wegen Rückständen und der daraus ­folgenden Resistenz bei Mensch und Tier» wünschte sich die Kommission, dass der Einsatz von Antibiotika mit «äusserster Zurückhaltung» gehandhabt werde (siehe Box).

Betrieb mit «Berechtigung»

Vorbehalte hat auch Andrea Baumann, die zusammen mit ihrem Mann Valentin den Biobauernhof am Hühnerbach bewirtschaftet. «Ein Betrieb mit so vielen Tieren entspricht nicht unseren Ansichten», sagt sie. «Wir haben auch Legehennen, aber nur 130.» Sie sei nie gegen den Stall gewesen, betont die Landwirtin. «Solche Grossbetriebe haben ihre Berechtigung. Ich bin froh, dass die Eier in der Schweiz produziert werden, wo man entsprechende Auflagen hat, und nicht im Ausland.»

Angst vor Konkurrenz haben Baumanns nicht. Sie verkaufen die Eier direkt ab Hof und im Volg in Illnau. Willi Vögeli hingegen wird die Migros beliefern, wo die Eier unter dem Label «Aus der Region. Für die Region.» verkauft werden. Auch der Agasuler Biolandwirt Walter Nüssli, der ebenfalls Legehennen hält, befürchtet keine Konkurrenz. «Mit einem solchen Grossbetrieb kann der Import von Eiern aus dem Ausland reduziert werden. Das ist etwas Positives», sagt er. Positiv seien auch die neuen, tierfreundlichen Ställe, die heutzutage gebaut würden. Allerdings steht Nüssli der «Eierfabrik», wie er sie nennt, auch skeptisch gegenüber. «Kunden werden hintergangen», findet er. Denn der Begriff Freilandhaltung sei auf einen Betrieb mit 18 000 Legehennen kaum zutreffend. «Bei so vielen Hühnern ist es nicht realistisch, dass sie oft draussen sind.» Die Hühner blieben lieber in der Gruppe und würden wahrscheinlich nicht ausser Sichtweite des Stalls gehen, so Nüssli.

Stadtrat ist zufrieden

Bevor die Legehennen nach Agasul kommen, müssen noch einige Arbeiten vollendet werden, sagt Vögeli. Eine Holzverkleidung wird den Stall einfassen. Auf das Dach, mit einer ­Fläche von mehr als 2000 Quadratmetern, werden Fotovoltaikpanels installiert. «Dafür braucht es eine eigene Trafostation.»

Die Erwartungen des Stadtrats seien erfüllt worden, sagt Fürst. Er ist zufrieden mit dem Resultat: «Wir haben Freude, wenn ein Landwirt auf dem Gemeindegebiet etwas im grösseren Stil produziert.»

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