FCW

Ein 0:0 und eine kurze Geschichte

Der FCW verpasst den erhofften Heimsieg gegen den SC Kriens, der auf ein 0:0 ausgeht und es auch erreicht. Die Winterthurer dominieren, aber es fehlt an Tempo, Witz und Frische im gegnerischen Strafraum.

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Es war am Ende einer englischen Woche, im dritten Match in sieben Tagen, ein zäher Kampf. Dass der torlos endete, war für den FCW eine Enttäuschung, denn er war angetreten, seine Position im Kampf um Platz 2 in der Challenge League mit einem Heimsieg zu stärken. Für die Krienser aber war dieser Ausgang keine Enttäuschung, sondern was sie in Abwesenheit ihres Topspielers Nico Siegrist offensichtlich erreichen wollten. Denn für sie war an diesem Abend ein Unentschieden ein weiterer Punkt im Kampf um den Klassenerhalt, dem sie immer näher kommen – und für den sie wohl auch gut genug sind.

Der FCW hatte insofern die härtere Aufgabe, als es mehr Aufwand braucht, wenn man ein Tor schiessen muss, während der Gegner sich im Prinzip damit begnügt, ohne Gegentor davonzukommen. Diesen Mehraufwand zu leisten, war der FCW zwar bemüht, aber reichten seine Mittel an diesem Tag nicht. Er wirkte im dritten Match binnen einer Woche nicht ausreichend frisch, dass er die Spritzigkeit, die Laufbereitschaft seiner besten Tage aufgebracht hätte. Es fehlten ihm mit Luca Radice und Davide Callà aber auch die beiden routinierten Flügelspieler, und es fehlte mit Sead Hajrovic der Abwehrchef, mit dem im Team man vielleicht auch mal eher ein offensives Risiko eingehen kann.

Krienser nie in Zugzwang

Es war aber auch so, dass der Gegner – wenig überraschend – zum einen gut organisiert, kampfstark und entsprechen zäh auftrat. Und in einer sehr defensiven Ausrichtung mit einer Fünferabwehr und zwei Sechsern dazwischen, die aufzugeben er sich zumindest so lange nicht veranlasst sah, als er nicht in Rückstand und damit in Zugzwang geriet.

Das Ergebnis war dann, dass sich der FCW pro Halbzeit eine Szene herausspielte, die als gute Torchance zu werten war. In der 42. Minute schoss Taulant Seferi aus guter Position und gut, aber Torhüter Simon Enzler parierte. Und in der 72. Minute flog mal, getreten von Roberto Alves, ein guter Flankenball in den Raum vor Enzler. Marin Cavar, der Debütant des Tages, erwischte den Ball zwar, aber nicht gut genug. Und wieder konnte Enzler abwehren. Der Gesamteindruck war, dass der FCW eher ein Tor verdient hätte, aber in seiner Arbeit zu wenig zwingend war. Und dass deshalb die Abwehrleistung der Krienser reichte für einen Punkt, der – so nennts der Jargon – «nicht gestohlen» war.

«Halt mal ein Tor machen»

Das 0:0 war aber auch das Ergebnis eines Spiels mit einer kurzen, ja wenig aufregenden Geschichte, des wohl ereignisärmsten Matchs auf der Schützenwiese in dieser Saison. «Es war klar», sagte der Winterthurer Trainer Ralf Loose hinterher, «dass wir nicht viele Chancen kriegen würden. Aber in der zweiten Halbzeit waren wir doch total dominant. Und dann muss man halt auch mal ein Tor machen in der einen oder andern Szene, die man hat.» Der deutsche Routinier wird Spiele dieser Art schon öfter gesehen haben und er wies ein weiteres Mal darauf hin, «wie eng alles ist in dieser Liga. Schauen wir jetzt erst mal, was die andern machen.» Und er meinte Lausanne in Rapperswil-Jona und Aarau gegen Vaduz, auch sie in Spielen gegen Punktebedürftige.

In der zweiten Halbzeit war das Angriffsspiel des FCW doch etwas gewinnender als vorher. Loose hatte auch umgestellt, von einer Vierer- auf eine Dreierabwehr, denn er musste den Innenverteidiger Gabriel Isik (geboren am 6. Juni 1999) durch den Debütanten Marin Cavar (geboren am 18. Juni 1999) ersetzen. Er brachte als linken Aussenläufer Enrique Wild und schob den Rechtsverteidiger Denis Markaj auf die Position des rechten Aussenläufers. Der Ballbesitz des FCW war phasenweise fast rekordverdächtig, aber je länger das Spiel dauerte, desto schwerer fiel es den Winterthurern, über die Flanken Tempo zu erzeugen. Und wenn das dann doch ein paarmal gelang, fehlte es an der Genauigkeit beim letzten Pass.

Markaj formulierte es, durchaus korrekt, so: «Es fehlte uns die Entschlossenheit im Abschluss, manchmal auch das Tempo. Aber Kriens stand eben auch besser als Schaffhausen am Dienstag.» Markaj selbst hatte drei, vier Szenen in diesen 93 Minuten, in denen er in die Lage kam, den «tödlichen» letzten Pass zu spielen. Auch ihm glückte der nicht. Seferi und Sliskovic kamen als Sturmspitzen zu wenig in Abschlussposition, und Roberto Alves, dessen technische Fertigkeiten noch die besten Voraussetzungen geboten hätten, zeigte auch nie den erhofften Geistesblitz. Und einen Freistoss in bester Position treten konnte er, der Spezialist, auch nicht.

Gegen Ende wurde das Spiel der Winterthurer dann so zögerlich, so langatmig im Aufbau, dass sich auf den Rängen Unmut breitmachte. Es hatte aber, so wirkte es, auch jeder Angst, jenen Fehler zu begehen, der seiner Mannschaft gar noch den einen Punkt hätte rauben können. Das galt selbst für die Herren von der Doppelsechs, Remo Arnold und Ousmane Doumbia. Sie liefen sehr viel, sie spielten eigentlich sehr gut – aber sie waren auch nicht die Männer der entscheidenden Szene.

Cavar übrigens machte ein ordentliches Debüt, auch wenn seine (selbstbewusste) Spielweise manchmal etwas riskant wirkte. In einer Woche in Aarau ist mit Hajrovic, Radice und Callà wieder zu rechnen. Eine gute Woche Zeit hat die Mannschaft auch, wieder Frische zu tanken. Und mit einem muss sie in den nächsten drei Spielen nicht rechnen: mit Gegner, die ganz auf die Defensive ausgerichtet sind. Denn sie heissen, nach Aarau, auch noch Servette und Lausanne. Die werden spielerisch zwar einiges Gewicht in die Waagschale werfen, dem Gegner aber auch Raum lassen, sich zu entfalten. Dass das gestern nicht der Auftritt eines künftigen Barragisten war und sie ihr Publikum an diesem kühlen Abend nicht erheiterten – das wissen sie beim FCW selbst. Noch acht Gelegenheiten gibt es, längere Geschichten zu schreiben als gestern mit diesem 0:0, dem zweiten der Saison nach jenem gegen Wil. Damals im Herbst allerdings in einem wesentlich ereignisreicheren Match.

Erstellt: 05.04.2019, 23:42 Uhr

Telegramm

FC Winterthur – SC Kriens 0:0

Schützenwiese. – 3000 Zuschauer. – SR Wolfensberger. – FCW: Spiegel; Markaj, Isik (46. Cavar), Lekaj, Schättin; Arnold, Doumbia; Roberto Alves, Gazzetta (46. Wild), Sliskovic; Seferi. – Kriens: Enzler; Costa, Elvedi, Fanger, Berisha, Mijatovic; Cirelli (85. Wiget), Sadrijai; Sukacev (75. Ulrich); Dzonlagic (85. Urtic), Chihadeh. – Bemerkungen: FCW ohne Hajrovic, Radice (gesperrt), Callà, Roth, Lepik (verletzt), Abedini, Schmid und Sutter (nicht im Aufgebot); bei Halbzeit Isik mit Oberschenkelverletzung ausgewechselt, danach mit einer Dreierabwehr (Cavar/Lekaj/Schättin), Markaj und Wild Aussenläufer; Challenge-League-Debüt von Marin Cavar (20). – Kriens ohne Siegrist (gesperrt), Selmani, Sulejmani, Hasnaj und Kleiner (verletzt). – Verwarnungen: 7. Sukacev (Foul). 70. Fanger (Foul). – Schiedsrichter ohne jede Linie bei Foulpfiffen.

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