Winterthur

Ein Alt-Stadtrat im Unruhe-Stand

Walter Bossert wurde 2010 als Stadtrat pensioniert. Seither führt er keineswegs ein geruhsames Rentnerdasein, sondern ist sehr aktives.

Langweilig wird es Walter Bossert sicher nicht, amtet er doch als Kulturführer, Kassier und Hüttenwart.

Langweilig wird es Walter Bossert sicher nicht, amtet er doch als Kulturführer, Kassier und Hüttenwart. Bild: Marc Dahinden

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«Seniorenstress habe ich deswegen nicht», sagt er, «ich geniesse es einfach, keine Verpflichtungen mehr zu haben, die mich stark anbinden.» So lese er jeden Morgen in aller Ruhe die Zeitungen. Zudem reist er gerne. Verschiedene Ost-Länder hat er schon besucht und mit seiner Frau macht er Kulturreisen: «Das erweitert den Horizont.»

Daneben engagiert Bossert sich ehrenamtlich in verschiedenen Organisationen: Seit rund sechs Jahren ist er Quästor der Heimatschutzgesellschaft Winterthur, die Veranstaltungen zu ihrem Thema anbietet.

Und in diesem Rahmen ist er auch immer wieder als «Kulturführer» aktiv: So stellte er beispielsweise bereits die Schuhfabrik Bratteler an der Ackeretstrasse und die Musikinsel Rheinau vor oder klärte über Vergangenheit und Zukunft des Zeughaus-Areals auf.

Seine Motivation erklärt er damit, dass er an architektonischen Fragen schon immer interessiert war: «Durch mein Amt als Bauvorsteher hat sich das noch verstärkt, zumal ich mich intensiv mit denkmalpflegerischen Fragen beschäftigen musste.»

«Winterthur hat unbestritten ein reiches Kulturerbe.»
Walter Bossert

Sein bevorstehender (aber ausgebuchter) Rundgang zu den «Zeugen der Industriekultur in Winterthur» findet im Rahmen des Europäischen Kulturerbe-Jahrs statt. «Und Winterthur hat unbestritten ein reiches Kulturerbe», ist Bossert überzeugt, «solche Führungen sind für die Bevölkerung einzigartige Gelegenheiten, Unbekanntes oder gar Bedrohtes zu entdecken.»

Er spielt damit auf kommende Führungen zur Spinnerei Bühler im Sennhof und zur Genossenschaftssiedlung Vogelsang an: Erstere wird bald umgenutzt, letztere abgerissen (siehe Hinweis).

Quästor ist Walter Bossert auch bei der Neuen Helvetischen Gesellschaft (NHG), einer Organisation, die er für sehr wichtig hält, weil sie sich parteiunabhängig für den Zusammenhalt und die Grundwerte der Schweiz einsetzt und mit ihren Vorträgen «demokratische Bürgerbildung» betreibt.

Und er sitzt nicht nur gelegentlich an der Kasse des Kinos Cameo (oder serviert dort an der Bar), sondern auch im Geschäftsleitenden Ausschuss des Vereins Museum Schloss Kyburg, der sich im Auftrag des Kantons um die operativen Belange der historischen Schlossanlage kümmert. Zu den Sitzungen in Kyburg wandert er jeweils via Eschenberg.

«Mein Ziel ist, die Schweiz zu erwandern.»

Womit wir schon bei einer weiteren Leidenschaft wären, von der sein gesunder Teint und sein fittes Auftreten zeugen: Dem Wandern. Ob flach oder gebirgig, ob allein oder in einer Gruppe, da sei er nicht wählerisch, sagt er, aber er sei fast ausschliesslich hierzulande unterwegs: «Mein Ziel ist, die Schweiz zu erwandern – und ich habe längst noch nicht alles gesehen!», sagt er, «erst kürzlich entdeckte ich die Schönheit des Friburgerlands.»

Eher gebirgig wird es für ihn ab Ende September werden: Dann amtet er bereits zum siebten Mal für eine Woche als freiwilliger Hüttenwart auf der Treschhütte des SAC im Fellital.

Zu diesem Amt ist er auf der Rückreise von einer Wanderung durch eine Zufallsbekanntschaft im Zug gekommen. Zu seinen Aufgaben in der Hütte gehörten «Gäste empfangen und betreuen, kochen, putzen, gärtnern – einfach alles», sagt er. «Auch wenn ich manchmal das Gefühl habe, dass ich vor allem abwasche.»

Als Hüttenwart hat Bosser schon einiges erlebt: «Einmal meldete uns der Älpler von oberhalb abends um neun Uhr, er habe im gegenüberliegenden Steilhang noch Lichter gesehen. Wir machten uns dann auf die Suche und stiessen auf eine sechsköpfige Touristenfamilie, allesamt in Turnschuhen!»

Und Lehrlinge, die für eine Arbeitswoche in die Hütte gekommen seien, seien teilweise mit Rollkoffern angereist. «Die haben schön geflucht», sagt er. «Ich glaube aber, dass sie etwas gelernt haben!» (Der Landbote)

Erstellt: 02.09.2018, 17:03 Uhr

Infobox

Donnerstag, 6. September , 17.15 Uhr: Führung durch das Areal der ehemaligen Baumwollspinnerei Hermann Bühler AG, Sennhof, mit anschliessender Vorstellung der Umnutzungspläne.

Mittwoch, 12. September 2018, 17.00 Uhr: Besichtigung der Gründersiedlung «Vogelsang» der GWG mit anschliessender Vorstellung der Neubaupläne.Infos: winterthur.heimatschutz.ch

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