Oper

Ein berührendes Wintermärchen

«Rusalka» ist der wohl grösste Exportschlager der tschechischen Oper. Warum, das liess sich im Theater Winterthur erleben.

Die Meerjungfrau Rusalka ist bereit, aus Liebe zu einem Menschen ihre Unsterblichkeit aufzugeben.

Die Meerjungfrau Rusalka ist bereit, aus Liebe zu einem Menschen ihre Unsterblichkeit aufzugeben. Bild: Zbranek

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«Lyrisches Märchen», die Gattungsbezeichnung für Dvoráks zweitletzte Oper «Rusalka», klingt unverfänglich. Aber was heisst lyrisch, wenn da das grosse romantische Orchester sinfonisch ausgreifend und mit schwerem Blech mit im Spiel ist?

Was heisst Märchen, wenn man es mit dem unabsehbaren Stoffkomplex der Wasserfrau zu tun hat, die aus den tiefsten Tiefen der Mythologie im 19. Jahrhundert zunehmend in der Literatur, in der Kunst und auf der Bühne auftauchte: Undinen, Melusinen und im slawischen Bereich die Rusalki suchten die bürgerliche Welt heim, verlockend und verderbend.

Dvoráks Oper, 1901 uraufgeführt, ist der späte Höhepunkt einer musikalischen Bearbeitung der schillernden Thematik in der Ära von Jugendstil und Symbolismus. Jaroslav Kvapils Libretto griff viele Aspekte auf, Dvorák brachte sie mit wenigen, aber unendlich reich variierten Themen soghaft in den Fluss eines archetypischen Geschehens. Unvergleichlich, wie er dabei die Sensitivität der Seelendramatik mit böhmischer Musikantik, Tragik mit Volkstümlichkeit über drei grosse Akte zusammenbrachte und dem Unaussprechlichen Sprache gab.

Winterlicher Glanz

Für «Rusalka» interessiert sich auch das moderne Regietheater, so dass dann die Nixe als Mädchen im Internat oder in einer Puppenstube von der grossen Liebe träumt. Mit dem Gastspiel der Oper Liberec hatte man am Wochenende aber das Glück einer im hohem Grade idiomatischen Begegnung mit dem Werk.

Der Regisseur Martin Otava, Direktor des J. K. Tyl-Theaters in Pilsen, und sein Ausstatter Ján Zavarský schenkten der Oper die intendierte Naturszenerie im ersten und dritten Akt und als Kontrast dazu im zweiten Akt den Palast, beziehungsweise dessen Terrasse, beides schlicht in der Anlage und für eine reiches Bewegungsspiel vielfältig gestuft.

Dass die Bühnenbilder schon stark beansprucht wurden – Premiere war 2013 – war nicht zu übersehen. Die Aufführung aber hatte ihren atmosphärischen Glanz bis zur eindrücklichen Winterstimmung zum tragischen Ausklang.

Dass es um ein symbolhaftes Geschehen geht, zeigte sich in den attraktiven Kostümen von Aleš Valášek, etwa den jungendstilhaften Schleiergewändern und den Frisuren der Waldfeen, wie man sie von Bildern der Epoche kennt. Sehr schön bestätigte sich im Bewegungsreigen der Feen der künstlerisch-malerische Ansatz, und spannend war, wie die Choreografie in der Polonaise des Mittelakts den dramatischen Konflikt bildhaft inszenierte.

Das Orchester unter der Leitung František Babický legte sich da mit so viel Verve ins Zeug, wie es anderseits über Rusalkas «zartes Herz» mit sensiblem Klang wachte

Feenhaft schlanker Gesang

Zum wirkungsvollen Auftritt in Winterthur waren Chor und Protagonisten sängerisch ausdrucksstark präsent. Das galt für die Hexe (Petra Vondrová) trotz gemeldeter Indisposition bravourös, es galt für Tomáš Cerny als draufgängierischem Prinzen, Miroslava Casarová als zynisch überlegener Fürstin, Jiri Prybil als väterlichem Wassermann, und es galt nebst den kleineren Partien vor allem für die Titelheldin Véra Poláchová, die Rusalka mit feenhaft schlankem, aber auch dramatisch expressivem Gesang gestaltete und auch mit der Anmut ihres «sprechenden» stummen Spiels berührte.

Erstellt: 27.01.2019, 16:00 Uhr

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