Pfungen

Ein erster Austausch mit der Gassenschau

Karl’s kühne Gassenschau informierte am Samstag zusammen mit der Gemeinde erstmals öffentlich über die Pläne, ab 2021 in der Deponie Bruni aufzutreten. Das Interesse war gross, Anwohner sorgen sich vor allem um Verkehr und Lärm.

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Normalerweise ist der Andrang an Informationsveranstaltungen nicht so gross, dass der Gemeindepräsident die Besucher zu Beginn bitten muss, einen Meter von der Bühne zurückzutreten. Aber an der Informationsveranstaltung zur Karl’s kühnen Gassenschau (KKG) in der Pfungemer Inertstoffdeponie Bruni vor über 250 Personen, darunter der ehemalige Winterthurer Stadtpräsident Ernst Wohlwend, war sowieso wenig normal.

Das Ensemble, das ab 2021 für zwei Saisons in eben jener Deponie in Pfungen auftreten will, stellte sich zu Beginn mit einem zwanzigminütigen Showblock vor: Akrobatik, Kettensprengung und Feuersäulen inklusive. Deshalb auch der zu Beginn von Gemeindepräsident Max Rütimann verlangte Abstand.

«Transparent diskutieren»

Im Anschluss war die Nähe zum Publikum aber wieder sehr gewünscht. KKG-Gründungsmitglied Paul Weilenmann sprach davon, dass man «noch ganz am Anfang eines neuen Projekts» stehe: «Wir haben noch keine Bewilligungen, aber wir wollten uns ihnen einmal präsentieren, deshalb sind wir hier.»

Rütimann sagte, er freue sich, die «vielleicht vorhandene Besorgnis offen und transparent zu diskutieren und entsprechende Lösungen anzubieten». Das war auch als Seitenhieb gegen die anonymen Kritiker zu verstehen, die im Vorfeld via Website auf sich aufmerksam gemacht hatten.

Karl’s kühne Gassenschau informierte am Samstag zusammen mit der Gemeinde erstmals öffentlich über die Pläne, ab 2021 in der Deponie Bruni aufzutreten. Das Interesse war gross. Video: Jonas Gabrieli, Martin Steinegger.

Der Gemeindepräsident sieht die Auftritte als Chance fürs Dorf: «Wir wollen nicht einfach nur als Durchgangsort wahrgenommen werden.» Auch das ortsansässige Gewerbe solle vom Open-Air-Theater profitieren können. «Gemeinde und Kanton werden wirklich alles daran setzen, dass unser Dorf und die angrenzenden Gebiete hinsichtlich Immissionen wenig beziehungsweise verträglich belastet werden.»

«Wir haben noch keine Bewilligungen, aber wir wollten uns ihnen einmal präsentieren, deshalb sind wir hier.» Paul Weilenmann, KKG-Gründungsmitglied

Auf einer Karte zeigte Projektleiter Thomas Kraft, wie die täglichen 1400 Zuschauer nach Pfungen reisen würden: «Grundsätzlich sollen die Leute mit den öffentlichen Verkehr anreisen.»

In Pfungen ist der Bahnhof rund 400 Meter vom geplanten Spielort entfernt. Ein kostenpflichtiger Parkplatz für 300 Autos ist nordwestlich des Industriegebiets Wani vorgesehen, gleich neben der Töss. Diese 300 Autos entsprechen laut Kraft 1,5 Prozent des täglichen Verkehrsaufkommens auf der Hauptstrasse. Die Besucher sollen dann entlang der Töss und unter der Strasse hindurch zur Deponie geführt werden.

Nördlich der Deponie sind zudem weitere Parkplätze für Reisecars, Behinderte und Velofahrer vorgesehen. «Das Tiefbauamt hat uns zudem versichert, dass der Kreisel auf der Hauptstrasse noch vor 2021 gebaut wird», sagte Kraft. Bei diesem Bau sind auch zwei neue Bushaltestellen vorgesehen.

«Toll, aber...»

Die Resonanz während der Fragerunde lässt sich mit «Toll, aber...» zusammenfassen. «Ist es nicht eine Schuhnummer zu gross für Pfungen», fragte Urs Fischer, OK-Präsident der Pfungemer Dorfet. Er hatte im Vorfeld von über einer halben Million Zuschauern gelesen, die nach Pfungen kommen würden.

Geschäftsführerin Miriam Frei relativierte: «Das sind die Besucherzahlen aus fünf Jahren von drei Spielorten.» In zwei Saisons, wie sie in Pfungen geplant sind, käme man also «nicht einmal auf die Hälfte dieser Zahl».

Eine Anwohnerin des Neftenbacher Tössallmend-Quartiers auf der anderen Seite des Flusses äusserte ihre Bedenken zum Verkehrskonzept: «Wir sehen, wie vollgestopft unsere Strasse mit Autos ist. Am Abend herrscht hier stehender Kollonnenverkehr.» Sie schlug vor, dass auch in Embrach und Töss Parkplätze angeboten werden, damit die Besucher via Zug nach Pfungen gelangen. «Das können wir prüfen, da haben wir nichts dagegen», sagte Gründer Weilenmann.

«Grundsätzlich sollen die Leute mit den öffentlichen Verkehr anreisen.»Thomas Kraft, Projektleiter

Ein Mann, der im Tössallmend-Quartier aufgewachsen ist, forderte, dass das Quartier abgeriegelt werden solle, damit die Besucher nicht dort parkieren. Und er äusserte Bedenken zum Lärm. «Wir haben 470 Haushalte und hier auf der Deponie eine Westwindlage. Wir wollen nicht zwei, drei Jahre permanent beschallt werden.»

Zuvor hatte Geschäftsführerin Frei erklärt, dass sie laut Gesetz im Durchschnitt 93 Dezibel nicht überschreiten dürften. In Olten hätten sie an der lautesten Stelle im Publikum 83 Dezibel gemessen gehabt.

Eine Anwohnerin der südlich der Deponie gelegenen Breiteackerstrasse befürchtete, dass viel Natur verschwinden würde. Gründer Weilenmann widersprach: «Wir haben überhaupt nicht im Sinn Bäume zu fällen.» Eher wolle man noch etwas Zusätzliches anpflanzen.

Der nächste Schritt ist nun das Baugesuch. Dieses soll laut Projektleiter Kraft voraussichtlich Mitte Juni bei der Gemeinde eingereicht werden. Danach liegen die Pläne öffentlich auf.

Erstellt: 31.03.2019, 15:45 Uhr

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Im Vorfeld der Informationsveranstaltung hatte sich die Interessensgemeinschaft gegen Karl’s kühne Gassenschau (IGKKG) formiert. Diese kritisierte die Idee eines Open-Air-Theaters in Pfungen auf einer eigens kreierten Website als «Schnapsidee». Vor allem in punkto Verkehr, Lärm und Natuschutz wurden die Theatermacher scharf kritisiert. Während der Fragerunde am Samstag gab sich jedoch keiner der Fragesteller als Mitglied der IGKKG zu erkennen. «Es erstaunt mich, dass von dieser Seite kein Votum kam. Genau um solche Fragen zu klären, sind diese Veranstaltungen doch da», sagte Pressesprecherin Catherine Bloch im Anschluss an die Informationsveranstaltung.

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