Leitartikel

Ein Fehlentscheid wird endlich korrigiert

Die Entscheidung darüber, wo es auf Stadtgebiet Schulweghilfen braucht, kommt näher zu den Betroffenen – den Kindern. Statt der Stadtpolizei beantragt künftig die Schulpflege Massnahmen. Das ergibt Sinn.

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Diese Woche teilte der Stadtrat mit, die Schulweghilfen würden beibehalten und die Zuständigkeit vom Departement Sicherheit und Umwelt zum Departement Schule und Sport verschoben. Beides sind gute Nachrichten. Denn dies ermöglicht der Stadt beim Thema Schulweghilfen einen Neustart.

Das ist nötig. Denn wie sich inzwischen gezeigt hat, war der 2011 von Polizeivorsteherin Barbara Günthard (FDP) getroffene Entscheid falsch, die Schulweghilfen aus Spargründen abzuschaffen.

Schon als der Entscheid bekannt wurde, löste er bei Eltern und anderen Betroffenen Kopfschütteln aus. Wie kann man bei der Sicherheit der Jüngsten sparen, zumal es sich nicht einmal um einen grossen Betrag handelt? Nur rund 150000 Franken pro Jahr liessen sich sparen.

Man muss Günthard zugutehalten, dass sie sich bemühte, die betroffenen Fussgängerstreifen mit baulichen Massnahmen sicherer zu machen. Doch schon bald zeigte sich, dass dies nicht überall möglich sein würde. Trotzdem blieb sie in der Sache hart. Ziel sei es, dass alle Schulweghilfen verschwinden würden, sobald es gelungen sei, die Übergänge neu zu gestalten.

Es bleibt das Gefühl zurück, dass bei der Beurteilung der Sicherheit seltsame Massstäbe angewandt wurden. So prüfte die Stadtpolizei, ob die Strassen übersichtlich waren, angemessen befahren wurden, oder ob sie gut als Schulweg gekennzeichnet waren. Doch das wichtigste Kriterium blieb ausser Acht: Sind erst 4-jährige Kinder überhaupt in der Lage, die Situation einzuschätzen?

Eine Studie der Beratungsstelle für Unfallverhütung zeigt, dass die Querung einer Tempo-50-Strasse für 4- bis 5-jährige Kinder schon ab 6000 Fahrzeugen pro Tag kritisch ist. Aus entwicklungspsychologischen Gründen sei es ihnen nicht zuzumuten, hier allein zu queren, lautet das klare Fazit.

«Doch das wichtigste Kriterium blieb ausser Acht: Sind erst 4-jährige Kinder überhaupt in der Lage, die Situation einzuschätzen?»

Unter den Kreuzungen, bei denen die Schulweghilfen bereits abgeschafft wurden, finden sich einige, welche die Grenze von 6000 Fahrzeugen überschreiten. Allen voran die Querung an der Schlosstalstrasse, unmittelbar beim Kindergarten Rebwiesen. Hier verkehren pro Tag 8000 Autos.

Dem Elternrat Rebwiesen ist es zu verdanken, dass diese Erkenntnis überhaupt beim Stadtrat ankam. Die Eltern liessen sich nicht abwimmeln und bestanden auf einem unabhängigen Gutachten. Erst als dieses die Zumutbarkeit infrage stellte, kam Bewegung in die Sache. Zwar dauerte es fast ein Jahr, und für diese Zeit musste die Schulpflege Stadt-Töss einen privaten Sicherheitsdienst organisieren.

Doch jetzt ist klar, dass alle Übergänge nochmals von einer externen Firma überprüft werden. Falls nötig, sollen auch wieder Schulweghilfen installiert werden. «Sie sind ein angemessenes und kostengünstiges Instrument, um die Sicherheit der jüngsten Verkehrsteilnehmenden zu erhöhen», stellt der Stadtrat in einer Mitteilung nun plötzlich fest.

Es ist richtig, dass man zugleich die Zuständigkeit verschoben hat. Die Entscheidung darüber, wo es Massnahmen braucht, fällen nun Stellen, die näher am Kind sind: die Schulpflegen. Sie stehen im Kontakt mit Eltern und Lehrkräften.

Es hat zwar ein paar Jahre gedauert, doch immerhin hat die Stadt ihren Fehlentscheid korrigiert. Eine leidige Geschichte nimmt somit – hoffentlich – ein gutes Ende.

Erstellt: 18.05.2019, 12:26 Uhr

Mirjam Fonti, Redaktion Stadt

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