FCW

Ein Mann weniger war zu viel

Kaum hatte der FCW ausgeglichen, wurde sein bester Mann, Ousmane Doumbia, vom Platz gestellt. Und in Überzahl schoss Aufstiegsanwärter Lausanne noch die Tore vom 1:1 zum 4:1.

João Oliveira bezwang FCW-Goalie Raphael Spiegel früh zum 1:0.

João Oliveira bezwang FCW-Goalie Raphael Spiegel früh zum 1:0. Bild: Freshfocus

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Es habe sich wieder mal bestätigt, «dass Fussball ein Episodenspiel ist.» Das sagte nach der nächsten Niederlage seines FCW gegen einen der Grossen aus der Romandie Davide Callà, der als noch immer verletzter Captain auf der Tribüne der Pontaise sass. Und die entscheidende dieses Abends war die Rote Karte für Winterthurs «Sechser» Ousmane Doumbia nach einem Foul an Alexandre Pasche tief im Mittelfeld. Doumbia traf seinen Gegenspieler mit «offener Sohle», wie es der Schiedsrichter Luca Piccolo zweifellos interpretierte und ihn dafür direkt vom Platz stellte. Als sich die beiden zu Saisonbeginn erstmals getroffen hatten, endete Doumbias Arbeitstag ebenfalls vorzeitig. Damals nach zwei Verwarnungen …

Contini: «Extrem hart»

Zur Berechtigung der Roten Karte äusserten sich in den Kabinengängen der Pontaise hinterher auch Waadtländer – wie der langjährige Captain und heutige Marketingchef Guillaume Katz. «Das war wirklich nur Gelb», sagte der. Und vom Studium der Szene am Fernsehschirm zurückgekehrt, sagte Lausannes Trainer Giorgio Contini: «Diese Rote Karte war schon extrem hart. Vor allem in einem so fairen Spiel.» Wäre Contini der Schiedsrichter gewesen, wäre Doumbia mit Sicherheit auf dem Platz geblieben … Unbestritten aber ist, dass diese Szene – eben diese Episode – «matchentscheidend war», wie es Katz formulierte und wohl alle dachten. Sie fiel genau in den Moment, da der anfangs dominierte und mit einem frühen ersten Gegentor bestrafte FCW besser, ja gut ins Spiel gefunden und schliesslich gar ausgeglichen hatte. Die Lausanner wären zweifellos hart gefordert worden auf dem Weg zu ihrem im Aufstiegskampf zwingend nötigen Heimsieg, wenn der allmählich stil- und selbstsichere Gegner auch zahlenmässig auf Augenhöhe hätte weitermachen. Aber dazu war er dann, bei allem Bemühen, nicht fähig.

Acht Minuten später schossen die Waadtländer das 2:1 durch ihren italienischen Routinier Margiotta. Nochmals neun Minuten später liess der zur Verstärkung des Angriffs aufs Feld geschickte Ndoye das 3:1 folgen. Die letzte Dreingabe war dann ein Elfmeter, den Maxime Dominguez nach einem Foul von Torhüter Raphael Spiegel an Remo Buess treten durfte. Am Schluss war das Resultat etwas gar hoch, zumal noch anzufügen wäre: Dem 3:1 ging ein Handspiel voraus und Spiegel wurde wohl von einem Lausanner irritiert, der in der Schussbahn stand und dessen Position so wohl als aktives Abseits hätte ausgelegt werden können. Und dem Elfmeter ging ein Abseits Buess‘ voraus.

Keine Dolchstosslegende

In eine Dolchstosslegende sollten sich die Winterthurer dennoch nicht flüchten, wie das auch ihr Trainer Ralf Loose nicht tat. Für ihn war wichtiger, «dass wir die Fehler erkennen, die wir gemacht haben.» Und es sei doch ein Vorteil, «dass wir Schlüsse ziehen können am Ende dieser Saison» – ohne gleich mit Dingen wie Abstiegskampf bestraft zu werden. Und Fakt ist eben auch, dass der FCW zurzeit zu viele Gegentore kassiert – nicht selten nach individuellen Fehlern. So stand Tobias Schättin mit einem Stellungsfehler dem 1:0 Pate. So frei hätte João Oliveira nicht zum Torschuss kommen dürfen. Und Spiegel hätte das 3:1 verhindern müssen. Aber er liess sich durch ein flaches Bällchen in die vordere Ecke überraschen.

Sein einziges Tor wurde dem FCW allerdings auch vom Gegner aufgelegt. Pasche schenkte, im eigenen Strafraum, Gegner Luca Radice den Ball. Und weil der diesmal – vor und nach einer Parade von Torhüter Thomas Castella – gleich zweimal Anlauf nehmen konnte, nutzte er diese Gelegenheit. Als er ausgangs erster Halbzeit nach einem erstklassigen Konter über Taulant Seferi mausbeinallein vor Castella zum Torschuss gekommen war, hatte er das 1:1 noch verpasst. Aus zehn Metern drosch er den Ball bedenklich weit über die Latte. Und Schättin hatte, ebenfalls noch in der ersten Halbzeit, das Glück, dass sein Patzer «à la Pasche» nicht mit einem Gegentreffer bestraft wurde.

Zu schmalbrüstig

Insgesamt wars einfach so, dass der FCW nicht schlecht mithielt, ab und zu auch (Schiedsrichter-)Pech hatte. Aber dass er eben insgesamt in den entscheidenden Momenten in beiden Strafräumen zu wenig durchsetzungsfähig oder, anders ausgedrückt, zu fehlerhaft war. Der FCW ist in dieser späten Phase der Saison einfach eine ordentliche Mittelfeldmannschaft, die phasenweise sogar gut aussieht. Der es aber an der professionellen Klarheit im Ausdruck fehlt, um das in Punkte umzusetzen. In Punkte auch mal gegen einen aus dem Spitzentrio, wie das noch im Herbst regelmässig gelungen war, in diesem Frühjahr aber nur noch mit dem Unentschieden daheim gegen Lausanne und in Aarau.

Der FCW dieser Tage ist einfach etwas zu schmalbrüstig, um auf Dauer mit Servette, Lausanne und neuerdings eben auch Aarau mitzuhalten. Er bringt nicht mehr den letzten Willen auch in den Zweikämpfen auf, der ihn vor allem in den guten Phasen des Herbsts noch ausgezeichnet hatten. Oder anders formuliert: Er wirkte eben auch gestern Abend wie eine Mannschaft, der allmählich die Luft ausgeht.

Einige haben auch gestern gut gespielt, beispielsweise Luca Sliskovic oder Roberto Alves in der Offensive. Doumbia war 52 Minuten lang ein «Sechser» in der Form seiner besten Tage – und das ist wirklich gut. Auch Remo Arnold lieferte einen weiteren Beweis seiner Stabilität. Und Cavar machte ein ordentliches erstes Spiel über die volle Zeit. Ihm kann man mal weitere Chancen geben, sein Fall ist eine der Gelegenheiten, Schlüsse zu ziehen für die Zukunft. Andere – wie Schättin, zeitweise aber auch Radice – begingen dann doch mehr Fehler.

«Übers ganze Spiel gesehen war es ein verdienter Sieg»Giorgio Contini,
Trainer Lausanne-Sport

«Übers ganze Spiel gesehen war es ein verdienter Sieg», urteilte Lausannes Contini, dessen Mannschaft sich in der Endphase des Aufstiegskampfs zur besten Serie von nun vier Siegen gesteigert hat. Allmählich tritt Lausanne auf wie von ihm erwartet, auch wenn sein Trainer eingestand: «Dass es doch einige heikle Szenen gab». Er brauchte sich aber gar nicht vorzustellen, wie sich das Spiel entwickelt hätte, wenn es nicht zwei Minuten nach dem 1:1 durch die «Episode» mit Doumbia, Pasche und dem Schiedsrichter in die Bahnen gelenkt worden wäre, die den FCW von einem Punktgewinn abbrachten. Klar ist, Lausanne ist besser als Winterthur. Das sagten sich im Kabinengang wohl auch Doumbia und Pasche, als sie sich umarmten, als wäre nie etwas geschehen zwischen ihnen.

Erstellt: 26.04.2019, 23:39 Uhr

Challenge League

Lausanne-Sport – FC Winterthur 4:1 (1:0)

Pontaise. – 2950 Zuschauer. – SR Piccolo. – Tore: 9. Oliveira 1:0. 50. Radice 1:1. 60. Margiotta 2:1. 69. Ndoye 3:1. 88. Dominguez (Foulpenalty) 4:1. – Lausanne: Castella; Gétaz, Loosli (78. Nanizayamo), Brandao, Flo; Kukuruzovic; Puertas (61. Ndoye), Pasche; Dominguez; Oliveira (70. Zeqiri), Margiotta (78. Buess). – FCW: Spiegel; Markaj, Cavar, Hajrovic, Schättin (89. Wild); Arnold, Doumbia; Radice (70. Abedini), Roberto Alves, Sliskovic (84. Saliji); Seferi. – Bemerkungen: Lausanne ohne Boranijasevic, Nganga, Pos, Cabral, Geissmann, Koura (verletzt) und Manière (U21). – FCW ohne Lekaj, Roth, Callà, Lepik (verletzt), Schmid, Stettler, Gazzetta und Sutter (nicht im Aufgebot). – 44. Pfostenschuss Sliskovics. – Platzverweis: 52. Doumbia (Foul). – Verwarnungen: 19. Loosli (Foul). 35. Schättin (Foul). 38. Radice (Foul).

Rangliste: 1. Servette 30/64 (70:29). 2. Lausanne-Sport 31/56 (55:29). 3. Aarau 30/48 (53:43). 4. Winterthur 31/44 (46:47). 5. Wil 30/37 (28:38). 6. Vaduz 30/35 (41:55). 7. Kriens 30/34 (43:48). 8. Schaffhausen 30/32 (36:55). 9. Rapperswil-Jona 30/31 (40:46). 10. Chiasso 30/29 (38:60).

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