FCW

Ein nächster Sieg – vielleicht teuer erkauft

Der FCW bot beim 3:1 gegen den VfB Stuttgart die nächste gute Leistung. Aber im zweitletzten Testspiel verletzten sich Luca Radice und Marin Cavar womöglich schwer.

An der Vorbereitung der ersten beiden Tore beteiligt: Nuno Da Silva (links).

An der Vorbereitung der ersten beiden Tore beteiligt: Nuno Da Silva (links). Bild: Heinz Diener

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Vor zwei Jahren hat der FCW zum Ende der Vorbereitung den grossen VfL Wolfsburg geschlagen und ist dann doch miserabel zur Meisterschaft gestartet. Vor einem Jahr folgte auf einen Sieg gegen West Ham United ein, trotz einer ersten Niederlage in Wil, starker Anfang in der Liga. So gesehen muss man diesen Sieg gegen den prominenten Bundesliga-Absteiger aus Stuttgart also nicht als gefährlich positives Signal sehen. Man kann einfach sagen, eine Vorbereitung dürfe weder so noch so überschätzt werden.

Fakt aber ist, dass der FCW nach fünf Testspielen nun mit vier Siegen und einem Unentschieden zu Buche steht, vor allem aber mit 19 geschossenen Toren. Und jeder dieses Aufbaumatches lieferte deutliche Hinweise, dass der FCW über bemerkenswert viele gute Fussballer verfügt, vor allem in der Offensive. Aber nach diesem 3:1 gegen einen VfB, der doch am Samstag den FCZ noch 5:3 besiegt hatte, gestern aber einen bedenklich dürftigen Eindruck hinterliess, stand nicht im Vordergrund, wie dieser neuerliche Sieg des FCW, wie des Gegners Qualität einzustufen war.

Die Frage des späten Abends war vielmehr, ob es sich nicht um eine Art Pyrrhussieg gehandelt habe, also um einen (zu) teuer erkauften Erfolg – wie in der Antike jenen des griechischen Feldherrn Pyrrhus gegen die Römer. Denn es fiel kurz vor Halbzeit Routinier Luca Radice – ohne gegnerischen Einfluss – mit einer bedrohlich wirkenden Knieverletzung aus. Und nach einer Stunde folgte ihm – diesmal nach gegnerischem Einfluss – Nachwuchsmann Marin Cavar ebenfalls mit dem Verdacht auf einen Kreuzbandriss. Später humpelte auch Enrique Wild angeschlagen vom Platz. Keine Gedanken machen muss man sich allein um Ousmane Doumbia. Er ging zwar auch vorzeitig ab, allerdings «nur» wegen Krämpfen.

Man muss die genauen Diagnosen abwarten. Ein längerer Ausfall Radices wäre selbstredend bedauerlich, aber aufgrund der auch in der Breite vorteilhaften Besetzung der Offensive eher wettzumachen. Quantitativ dünner besetzt ist die Defensive, zumal Granit Lekaj sich erst wieder herankämpfen muss von einer Verletzung, die eine (oft langwierige) Schambeinentzündung ist. Die Stimmung in der Winterthurer Kabine war also getrübt – und das nach einer nächsten erfreulichen Vorstellung.

Buess und Nuno Da Silva

Es wurden eben die Eindrücke bestätigt aus den ersten Trainingswochen. Zu diesem Match wären Details wie dieses herauszuheben: Roman Buess zeigte erstmals auch einem grösseren Winterthurer Publikum, ein sehr gewiefter Stürmer zu sein. Er schoss das 1:0 nach starker Vorarbeit Nuno Da Silvas und Davide Callàs. Er verwertete zum 2:0 den Elfmeter, der nach einem Foul an Nuno Da Silva gepfiffen wurde. Und er leistete den gewichtigen ersten Teil der Vorarbeit zum 3:1. Er nämlich nahm dem 30-fachen deutschen (Alt-)Internationalen Holger Badstuber den Ball ab. Über Callà erhielt ihn Doumbia, und der Ivorer schloss mit einem seiner präzisen Schlenzer aus rund 20 Metern ab, mit denen er in der vergangenen Saison wiederholt erfolgreich war. Herauszuheben ist aber auch die markante Beteiligung Nuno Da Silvas an den ersten zwei Toren – nach den drei Treffern am vergangenen Samstag.

«Wir wurden, wie erwartet, richtig gefordert», sagte Trainer Ralf Loose hinterher, «also war wichtig, gut gegen den Ball zu arbeiten. Dann hatten wir auch das Quäntchen Glück im Abschluss.» Am Schluss hielten die Winterthurer die Führung, obwohl sie – bis hin zu den Verletzungen – kaum Wechsel vorgenommen hatten. Im Gegensatz zu den Deutschen, die bei Halbzeit alle elf Mann austauschten. Ihr Auftritt war eine glatte Enttäuschung, jener Badstubers nicht eines Bundesligaprofis würdig.

Walter: «… fand ich gut»

Der neue VfB-Trainer Walter sah es so: «Unsere erste Halbzeit war schlecht, vor allem sah ich keine Bereitschaft zur Arbeit.» Die zweite Halbzeit aber, fügte er bei, «fand ich gut. Da spielten wir uns sieben, acht Chancen heraus. Allerdings hätten wir heute wohl noch Stunden spielen können und wir hätten kein Tor mehr geschossen.» Das Ergebnis sei ihm, sagte Walter noch, «scheissegal». Allein, das mit den sieben, acht Chancen wird einer genaueren Prüfung kaum standhalten. Wenn es dann etwa so viele gewesen sein sollten, wurden sie auch schlicht mangels Qualität im Abschluss vergeben. Als einziger traf, Sekunden vor Halbzeit und an seinem 34. Geburtstag, Altmeister Mario Gomez.

Und aus Sicht des Siegers FCW interessiert ohnehin weit mehr als dieses 3:1, wie hoch der Preis dafür war.

Erstellt: 10.07.2019, 23:28 Uhr

Testspiel

FC Winterthur - VfB Stuttgart 3:1 (2:1)

Schützenwiese. – 2200 Zuschauer. – Tore: 28. Buess 1:0. 41. Buess (Foulpenalty) 2:0. 45+2. Gomez 2:1. 67. Doumbia 3:1. – FCW: Spiegel; von Niederhäusern, Cavar (65. Liechti), Hajrovic, Wild (83. Pauli); Saliji (46. Isik), Doumbia (77. Schmid); Callà, Radice (43. Badarna), Nuno Da Silva (46. Sliskovic); Buess (73. Mahamid). – VfB, 1. Halbzeit: Kobel; Mack, Kaminski, Kempf, Insua; Ascacibar; Didavi, Kalajdzic, Mangala; Donis, Gomez. – 2. Halbzeit: Bredlow; Stenzel, Awoudja, Badstuber, Grözinger; Gonzalez, Karazor, Castro, Coulibaly; Klimowicz, Al Ghaddioui. – Bemerkungen: FCW ohne Lekaj, Schättin, Hamdiu und Roth (verletzt); in der 2. Halbzeit Isik Innenverteidiger, Cavar im zentralen Mittelfeld; Radice, Cavar und Wild verletzt, Doumbia mit Krämpfen ausgeschieden; nach Cavars Ausfall Callà im zentralen Mittelfeld, Liechti am rechten Flügel. – VfB ohne Baumgartl (Urlaub), Akalo (Afrika-Meisterschaft), Massimo und Sosa (verletzt). – Verwarnung: 13. Kempf (Foul). – Nächster Termin des FCW, morgen Freitag, letztes Testspiel: FCW - Brühl St. Gallen (Promotion), 19.00, Schützenwiese.

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