Theater

Ein Seitensprung ins totale Chaos

Mit dem Klassiker «Zimmer 12a» hat das Sommertheater einen Hit gelandet. Daran beteiligt sind auch junge Schauspieler, die im Ensemble ihren Einstand geben, und zwar fulminant.

Schäferstündchen statt Golfspielen: Dr. Garfield in Erklärungsnot.

Schäferstündchen statt Golfspielen: Dr. Garfield in Erklärungsnot. Bild: PD

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Was mit einer Notlüge beginnt, endet im totalen Chaos: Dr. Garfield (Philippe Roussel) will mit seiner knackigen Praxisgehilfin Michèle (Ramona Fattini) ein Wochenende verbringen. Dafür hat er ein Zimmer in einem ziemlich heruntergekommenen Hotel gebucht. Seiner Frau hat er erzählt, dass er Golf spielen gehe, während diese an diesem Wochenende als Tubaspielerin mit ihrem Orchester unterwegs ist.

Doch muss sie als Ersatz bei einem Musikfestival einspringen, das am gleichen Ort stattfindet und wird ausgerechnet in dem Hotel einquartiert, in dem auch ihr untreuer Gatte untergebracht ist.

Natürlich laufen sich die beiden schon nach kurzer Zeit über den Weg. Und weil seine improvisierten Ausreden nicht besonders tragfähig sind, muss er ständig mit weiteren nachbessern, woraus eine ganze Lügenkette entsteht, die ins totale Chaos führt und das ganze Hotel mit reinzieht.

Dies umso mehr, als dessen Manager (Philipp Malbec) nicht eben durch Organisationstalent glänzt, während der überforderte, aber dafür umso vorlautere Hotelboy Albert (Christof Oswald) das ganze Hin und Her alleine handhaben muss.

Debütanten im Mittelpunkt

Der Umbuchungen, Zimmerwechsel, Sonderwünsche sind viele, da bald weitere Gäste eintreffen. Da ist einmal das echte, aber sehr verklemmte Flitterwochenpaar Julie und Clifford Smith (Klara Rensing und Nick Robin Dietrich), das sich dauernd mit Kosenamen beturtelt. Später trifft auch noch der jähzornige Hornist Douglas Whiting (Thomas Meienberg) mit seiner – pardon, man kann es nicht anders ausdrücken! – saufenden Ehefrau Evelyn (Susanne Huber) ein.

Garfield und Michèle, die eigentlichen Hauptfiguren des Stücks, haben das Chaos wohl angerichtet. Auszubaden haben es aber andere, die nun weit häufiger und prägnanter in Erscheinung treten.

Allen voran natürlich der geradezu omnipräsente Albert, der als verbindendes Element eine schauspielerische Glanz- und eine physische Parforceleistung erbringt: Ständig Koffer und Instrumente von Zimmer zu Zimmer schleppend, ist er nie um einen frechen Spruch verlegen.

Vom Sturm der Ereignisse voll erfasst werden auch die naiv-unschuldigen Flitterwöchner. Dabei gibt die junge Klara Rensing im Sommertheater ihren fulminanten Einstieg, hinter dem sich der ebenfalls hier debütierende Philipp Malbec sowie Nick Robin Dietrich, der in seiner dritten Produktion mit dabei ist, keineswegs zu verstecken brauchen.

Zusammen mit Ramona Fattini, die als halb naiv, halb berechnende Michèle überzeugt, zeichnet sich eine Verjüngung ab, die einen vielversprechenden, frischen Wind ins Ensemble bringt.

Rasantes Tempo im Grif

Das heisst nun aber nicht, dass die «Stammspielenden» abfallen würden: Natürlich meistert Philippe Roussel seine verzwickte Lage als „Lügendoktor“ souverän. Und ganz stark ist auch Gabriela Steinmann – als seine spröde Gattin ebenfalls von zentraler Funktion und Bedeutung.

Den irren Reigen beschliessen die Whitings: Während Thomas Meienberg stets kurz vor dem Explodieren ist, gelingt es Susanne Huber, die Schnapsdrossel nicht tragisch, sondern umwerfend komisch wirken zu lassen.

Der Applaus Schluss ist äusserst verdient und gilt natürlich auch der Regie von Jean-Claude Bordet, dem es zusammen mit der ganzen Truppe gelungen ist, dem rasanten Tempo auf- und zuklappender Türen mit einem höchst präzisen Timing Herr zu werden. (Der Landbote)

Erstellt: 29.07.2018, 18:10 Uhr

Infobox

Zimmer 12a, bis am 19. August, Mo/Di/Mi/Fr/Sa, 20 Uhr und So, 17 Uhr. Billete ab 38 Franken. Infos: www. sommer-theater.ch.

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