Lokwerk

Ein Stadtteil ohne Häuser, dafür mit Radio

Jahre bevor der erste Hausblock des Werks 1 steht, diskutieren zukünftige Bewohner bereits über das Zusammenleben –auch im Quartierradio.

So schön könnte es aussehen: Das Zusammenleben im «Krokodil» und auf dem angrenzenden Dialogplatz.

So schön könnte es aussehen: Das Zusammenleben im «Krokodil» und auf dem angrenzenden Dialogplatz. Bild: Visualisierung: Implenia

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Die ersten Hallen im alten ­SLM-Areal sind bereits abge­rissen. Im Sommer beginnt der Bau des ersten Wohnhauses des Werks 1 an der Ecke Zürcher- und Jägerstrasse. Das Haus Kroko­dil, benannt nach der geschichts­träch­tigen Loko­mo­tive, soll in drei Jahren bezugsbereit sein. Vielleicht sogar schon ein Jahr früher. Wie die Implenia bestätigt, sei man schneller unterwegs als im ursprünglichen Zeitplan vorgesehen. Drei Teile des Wohnblocks, in dem 254 Wohnungen entstehen, verkauft die Bauherrin an die Genossenschaft für Alters- und Invalidenwohnungen, Gaiwo (50 Wohnungen), die Genossenschaft Gesewo (70) und die Anlagestiftung Adimora (82). Die Implenia selber verkauft 56 Eigentumswohnungen.

Ein Viertel Krokodil

Der Einzugstermin scheint noch weit weg. Trotzdem hat der neue Stadtteil bereits ein eigenes Quartierradio auf Stadtfilter, das jeden ersten Samstag im Monat gesendet wird. Und zukünftige und interessierte Bewohnerinnen und Bewohner treffen sich bereits jeden Monat in der Coal Mine Bar.

Treibende Kraft dahinter ist die Ge­sewo, die Genossenschaft für selbstverwaltetes Wohnen. Rund 100 Personen sind bereits Mitglied des Hausvereins «¼ Krokodil», Platz hat es im Ge­sewo- Haus­teil für rund 200 Personen. In fünf Arbeitsgruppen werden nun die Leitplanken für ein Zusammenleben ausgearbeitet. So wird in der AG Erstvermietung darüber­ diskutiert, nach welchen Kriterien die zukünftigen Bewohner ausgesucht werden sollen. Dabei­ geht es etwa um die demografische Zusammensetzung, den Raumbedarf pro Person und um finanzielle Fragen. «Bis im Herbst sollen diese klar sein», sagt Dominik Siegmann, Projektleiter bei der Gesewo.

Bereits fest steht der Anteil der subventionierten Wohnungen: Nach heftigen Diskussionen im Hausverein habe man sich auf 10 geeinigt, die erste verbind­liche Reservation sei soeben eingetroffen. Umso mehr Interesse zeigen Senio­ren, auch aus Zürich. «Gerade in altersdurchmischten Wohnformen ist der Platz für ältere­ Menschen sehr knapp», sagt Siegmann. Gesucht werden deshalb vor allem noch Familien und Junge, etwa für die zwei Gross-WGs. Und Mieter für die unterteilbare Gewerbefläche (rund 700 m2). «Durch die hohen Mietpreise ein eher schwieriges Unterfangen». Eine Anfrage an Implenia, ob dort auch ein ­Gas­trobetrieb einziehen dürfe, sei vor kurzem abgelehnt worden.

Im Spannungsfeld

Auch bei den drei anderen Bau­trägern ist das Interesse gross, wohl auch, weil die Bauherrin bei der Werk-1-Abstimmung zur Förderung günstigen Wohnraums verpflichtet wurde. Bei der Implenia, die ihre Stockwerkeigentumswohnungen verkauft, haben sich schon deutlich mehr Interessenten über die Home­page gemeldet, als es Wohnungen gibt. «Die ­aktive Vermarktung starten wir allerdings erst Anfang Frühling», sagt Mediensprecher Reto Areg­ger. Noch später, im Herbst dieses Jahres, wird die Anlage­stiftung Adi­mora mit der Vergabe ihrer Mietwohnungen beginnen, wie CEO Jürg Koch sagt. Bei der Gaiwo haben schon etwa 60 Personen Inter­esse an den 50 Wohnungen im Krokodil gezeigt. Seit Freitag kann man sich zudem auf einer Home­page detailliert informieren. «Wir haben allgemein kein Problem, unsere Wohnungen in Winterthur zu vermieten», sagt Geschäftsführer Samuel Schwitter. Der Bedarf nach altersgerechtem Wohnen sei gross. Zudem sei die Lage ideal: Einkaufszentren, Bushaltestelle sowie der Bahnhof liegen in unmittelbarer Nähe.

Schwieriger wird es sein, die unterschiedlichen Bedürfnisse der Mieter und Wohnungsbesitzer in Einklang zu bringen. «Es ist eine Herausforderung im Spannungsfeld zwischen Selbstverwaltung und Stockwerkeigentümern, eine solche Wohnform aufzuziehen», sagt etwa Sieg­mann. Nur schon die Frage, ob auf dem Platz vor dem Haus eine Feuerstelle aufgestellt werden soll, ­habe unter den vier Vertretern der Bauträger für Diskussionen gesorgt. (Der Landbote)

Erstellt: 18.02.2018, 16:20 Uhr

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