Fussball

Ein Standard – die knappe Entscheidung

Der FCW machte im Cup-Achtelfinal gegen den (ehemaligen) Serienmeister FC Basel einen guten Match. Aber er konnte offensiv zu wenig erzwingen und defensiv die entscheidende Szene nicht verhindern: In der 53. Minute schoss Silvan Widmer mit dem Kopf nach einem Eckball das Tor des Tages.

Viel Kampf, viel Einsatz, kein Ertrag: Luca Radice (links) im Duell mit dem Basler Kevin Bua.

Viel Kampf, viel Einsatz, kein Ertrag: Luca Radice (links) im Duell mit dem Basler Kevin Bua. Bild: Heinz Diener

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Ralf Loose, der Trainer des FCW, sprach hinterher davon, seine Mannschaft habe durchaus «auf Augenhöhe» gespielt – und dies als Mannschaft, «die letztes Jahr in der Challenge League nur Neunter war gegen einen Serienmeister.» So gesehen könne er «hoch zufrieden» sein mit dem Auftritt des Aussenseiters. Allein, der Sieg fiel schliesslich doch an den Favoriten. Und es war ein Erfolg ohne jeden Glanz, aber erzwungen von einer Mannschaft, der in ihrer schwierigen Lage vor allem eines bedeutend war: «Es war heute einfach wichtig weiterzukommen», wie es Sportchef Marco Streller nach dem Schlusspfiff als Erster formulierte.

Der «besondere Ärger»

Man kann den Anlass so zusammenfassen: Es war ein «knappes Spiel» (Loose), das «die Zuschauer zufriedenstellte» (FCW-Captain Davice Callà). Es war ein Match, in dem der gastgebende Aussenseiter dem angereisten «Grossen» in mancher Beziehung gleichwertig war. Er war fähig zu einem sehr soliden Match. Er konnte bis zur letzten Minute darauf hoffen, mit einem Tor dem Favoriten wenigstens noch eine Verlängerung abzufordern. Aber es war eben auch kein Zufall, dass sich die entscheidende Szene vor dem Winterthurer und nicht vor dem Basler Tor abspielte. Die Offensivarbeit der Basler über 94 Minuten gab zwar nicht mehr her als dieses eine Tor, aber es war eben auch logisch, dass die Bemühungen nicht einmal zu einem Treffer reichten.

Es war, wie mancher Winterthurer formulierte, «ein besonderer Ärger» (Luca Radice), dass das einzige Tor eine Standardsituation war. Aber es ist im Fussball halt immer wieder ein entscheidendes Plus, wenn die eine Mannschaft mal aus einem Freistoss oder, wie in diesem Fall, einem Eckball etwas macht und es die andere nicht mal in solchen Momenten zu etwas Bedeutendem bringt. Es war keineswegs so, dass die Basler Offensive erwähnenswert mehr zustande brachte als diesen Eckball Kevin Buas und Widmers souveränen Kopfball von der Höhe des vorderen Pfostens. Aber so eine Aktion reicht eben, wenn der Gegner im ganzen Spiel nicht über gute Ansätze hinauskommt, die dann zu nicht einer valablen Torchance führen.

Es endete dementsprechend ein Spiel 1:0, das genauso gut 0:0 hätte enden können. Ein Match mit wenigen Torszenen, die das grundsätzlich gut gelaunte Publikum von den Sitzen gerissen hätten. Ein Match, in dem „es der FCW gut machte und defensiv stabil war«, wie der Basler Trainer Marcel Koller sah. Aber in dem eben auch die Winterthurer in erster Linie defensiv gut stehen und wenig zulassen wollten. Und die Basler gingen schon gar keine Risiken ein, nachdem sie kurz nach der Pause in Führung gegangen waren.

«Souverän», aber …

Sportchef Streller sagte am Schluss noch, es sei eigentlich «ein souveräner Sieg» gewesen. So kann man es mit Blick auf die Zahl Winterthurer Chancen sehen. So kann man es, wie auch Streller eingestand, in Berücksichtigung der aktuellen Leistungskraft des FCB sehen, die eben nicht mehr annähernd die eines Serienmeisters oder auch nur reellen Titelanwärters ist. Nähme man für die Basler nämlich ihren einstigen Ruf, ihre einstige Qualität zum Massstab, dann müsste man diese Leistung als durchzogen, als mässig, als nicht wirklich überzeugend werten. Da widersprach auch Streller nicht.

Sein Trainer Koller wies – wie eben auch sein Sportchef – darauf hin, «dass im Cup das Ergebnis über allem steht.» Das hätten sie erreicht, «aber nicht ganz so, wie wir es wollten.» Was heisst: Koller hatte von seiner Mannschaft mehr erwartet, zumal nach dem letzten Auftritt in der Meisterschaft. Aber er musste dann feststellen, «dass wir noch immer nicht die Ruhe haben wie wir doch hätten haben können nach dem klaren Sieg gegen GC am Samstag,» Allein, «wir haben noch nicht die Konstanz dafür.»

Die Basler also fuhren als Viertelfinalist heim, zufrieden in erster Linie mit dem Resultat. Die Winterthurer konnten, umgekehrt, mit der Leistung zufriedener sein als mit dem Resultat. Aber dieses Verhältnis in der Beurteilung liegt auch daran, dass die einen (noch immer) zur Spitze der Super League gehören, die andern in der Challenge League spielen. Die Winterthurer spielten von hinten nach vorne gesehen so: Gut bis sehr gut, je weiter es nach vorne ging aber weniger durchsetzungsfähig.

Gefälle von hinten nach vorne

Es war wirklich überzeugend, wie verteidigt wurde, kollektiv und individuell. Defensiv beispielsweise zeigte vor allem Rechtsverteidiger Granit Lekaj eine makellose Leistung, aber auch die beiden Innenverteidiger waren so gut, als spielten sie jedes Wochenende locker gegen Stürmer aus der Super League. Wirklich gut waren, ein weiteres Mal, auch die beiden Sechser, Ousmane Doumbia und Remo Arnold. Von Doumbia, zurzeit wohl einer der besten Spieler der Challenge League, waren auch immer wieder starke Ansätze zu sehen, das Spiel aus der eigenen Abwehr schnell durchs Mittelfeld zu treiben.

Aber eben, manchmal sahen die Ansätze wirklich gut aus. Ab und zu gediehen sie auch bis in den gegnerischen Strafraum. Aber je näher die Winterthurer dem gegnerischen Tor kamen, selbst ihr «FCB-Veteran» Callà, desto schwieriger wurde es, sich durchzusetzen. Da reichte eben der hohe läuferische Aufwand eines Callà, auch eines Radice nicht – so gut wie immer wurden die Bemühungen aus Basler Sicht rechtzeitig gestoppt. Der erste Ball, den FCB-Goalie Jonas Omlin zu halten hatte, war ein Flachschuss Arnolds. Dieses Ereignis begab sich in der 78. Minute, und es war ein Flachschuss, den einer wie Omlin mühelos halten musste.

Bis zuletzt hoffte man auf einen Coup der Sturmspitze Taulant Seferi, auf einen günstigen Abpraller oder eine wirklich bedrohliche Flanke – nichts davon begab sich. Die Winterthurer mögen ihr Publikum zufriedengestellt haben, ihren Trainer in mancher Beziehung auch – aber es war nicht genug, etwas zu erzwingen. So gesehen war das Ergebnis nichts als logisch.

Es war also ein ordentlicher Match, aber nicht einer mit den Emotionen der beiden Halbfinals der letzten Jahre, 2012 und 2017. Es gab eben auch nicht die Schiedsrichterfehler wie damals. Das war doch erfreulich: Die Winterthurer mussten sich nicht geradezu betrogen fühlen. Die Basler brauchten sich nicht vorwerfen zu lassen, dank fremder Hilfe gewonnen zu haben. So gesehen wars ein Anlass ohne Misston und halt doch mit dem «richtigen» Sieger. Hansjörg Schifferli

Erstellt: 31.10.2018, 23:54 Uhr

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Schützenwiese. – 8400 Zuschauer. – SR Schärer. – Tor: 53. Widmer 0:1. – FCW: Spiegel; Lekaj, Isik, Hajrovic, Schättin (63. Wild); Doumbia, Arnold; Callà, Gazzetta U(63. Sliskovic), Radice (83. Sutter); Seferi. – FCB: Omlin; Widmer, Cömert, Xhaka, Riveros; Frei, Balanta (77. Kalulu); van Wolfswinkel, Zuffi, Bua (91. Stocker); Ajeti (87. Oberlin). – Bemerkungen: FCW ohne Schmid, Roth, Gele (verletzt), Nikola Milosavljevic und Saliji (nicht im Aufgebot). – FCB ohne Suchy, Zambrano, Campos, Ersatztorhüter Hansen (verletzt) und Kuzmanovic (ohne Aufgebot). – Verwarnungen: 61. Xhaka (Hands). 83. Hajrovic (Foul).

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