Rheinau

Ein Steg, der bewegt

Die schwimmende neue Bootsstation in Rheinau warf schon vor ihrem Bau hohe Wellen. Am Samstag wurde sie eröffnet.

Schaukelnder Schauplatz und Sitzgelegenheit zugleich: Die neue Bootsanlegestelle Rheingasse in Rheinau.

Schaukelnder Schauplatz und Sitzgelegenheit zugleich: Die neue Bootsanlegestelle Rheingasse in Rheinau. Bild: Johanna Bossart

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Jungfräulich liegt die neue Bootsanlegestelle da. Schlank und rank schwimmt die Konstruktion aus Lärchenholz und Aluminium auf dem grünen Wasser, nur an wenigen Pfählen befestigt. Der Steg, der 18 Booten Platz bietet, wirkt noch etwas verloren in der schönen Rheinlandschaft unterhalb der Klosteranlage. Erst vereinzelt schaukeln Boote hier.

Ein kleines, aber feines Apérobuffet am Ufer der Rheinschleife signalisiert, dass heute ein besonderer Tag ist. Nach und nach finden sich an diesem Vormittag etwa 30 Leute ein. Mit dem Weinglas in der Hand lauschen sie den Worten von Gemeinderat Roland Hofstetter. Er ist für den neuen Steg zuständig und hat dafür manche Kritik einstecken müssen.

Günstiger, aber nicht besser

Der erste Anlauf für die neue Bootsstation, die knapp 300 000 Franken kostete, erlitt an der Gemeindeversammlung im Juni 2016 Schiffbruch. Wegen einer günstigeren Gegenofferte, die aber, wie sich laut Hofstetter herausstellte, nicht das gleiche Angebot enthielt. Im Dezember 2017 fand das Vorhaben des Gemeinderats schliesslich Zustimmung.

«Der Steg  kann problemlos  verschoben werden.»Lukas Stegemann, 
Ingenieur

Die Gemeinde schiesst den Betrag lediglich vor. Bezahlen müssen ihn sämtliche 31 Mieter, die in Rheinau einen Bootsplatz besitzen, solidarisch. Also auch jene, die ihr Boot beim Kraftwerk oder an der Zollbrücke parkieren. Sie bezahlen momentan jährlich 650 Franken Miete. Doch nächstes Jahr wird sich dieser Betrag des neuen Stegs wegen auf rund 1100 Franken erhöhen. «Das ist immer noch günstiger als eine Parkplatzmiete für ein Auto», gibt Hofstetter zu bedenken.

Die Mieterhöhung gefällt nicht allen, die an diesem Pfingstsamstag der Eröffnung des Bootsplatzes Rheingasse beiwohnen. Ein Gast, dessen Boot an einer der beiden anderen Anlegestellen in Rheinau liegt, findet das unfair. Er habe ja nichts von dieser neuen Station, wettert er nach der Ansprache. «Wir haben auch an euren Bootssteg gezahlt», kontert ein anderer Bootsplatzbesitzer.

Begehrte Bootsplätze

Die Warteliste in Rheinau ist 59 Personen lang. Viele warten 20 Jahre und länger auf einen Platz. Wer einmal einen hat, gibt ihn so schnell nicht wieder her. Er habe seit 1970 einen Platz hier, sagt ein Rheinauer, der mit seinem Sohn zur Einweihung gekommen ist. «Der neue Steg ist wunderschön und eine Bereicherung, weil er tiefer liegt als der alte.»

Auch Auswärtige zugelassen

Der Gemeinderat wollte die neue Bootsplatzverordnung dahingehend ändern, dass sich nur noch Bootsbesitzer aus dem Kanton Zürich um einen Platz bewerben dürfen. Er hatte dafür Reglemente anderer Gemeinden beigezogen. Gegen dieses Vorhaben erhob allerdings ein Mieter erfolgreich Einspruch. Der Bezirksrat sah darin einen Verstoss gegen das Gebot der Gleichbehandlung und gab dem Einspruch statt. Nun dürfen sich weiterhin auch Auswärtige auf die Warteliste setzen lassen.

Der alte Holzsteg war ergraut und fix an die inzwischen morsche Pfähle gebunden. Der neue wird mit Schwimmelementen über Wasser gehalten und ist demontierbar. «Der Steg kann problemlos verschoben werden», sagt Ingenieur Lukas Stegemann, der ihn entworfen hat. Diese Eigenschaft rüstet ihn für alle Fälle: egal ob der Wasserspiegel steigt oder fällt. (Der Landbote)

Erstellt: 21.05.2018, 16:23 Uhr

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